Druckschrift 
3. Chirurgischer Theil A (1890) Die Verwundungen durch Kriegswaffen bei den Deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71 : Allgemeiner Theil
Entstehung
Seite
124
Einzelbild herunterladen
 

I

124

II. Kapitel: Wundkrankheiten.

Band III. Allgem. Theill

Schulhause gebracht. Die Untersuchung des Stumpfes ergiebteine faustgrosse Höhle, welche ganz mit diphtherisch-pulpösenMassen ausgekleidet ist; Art. und Ven. poplitea frei präparirt,und an einer Stelle angefressen.

Am 12. September: die oberen Winkel des Lappens habensich durch prima intentio vereinigt, der konvexe Zipfel desselbenist aber brandig geworden. Eiterung sehr reichlich, übel-riechend. Der Kranke klagt über vom Beine bis nach derBrust hinziehende Schmerzen. Puls 134. Zunge nicht belegt,trocken, wenig Appetit. Hauttemperatur nicht wesentlich erhöht.

Am 13. September: 0., der im Bett in den Gartengetragen worden, fängt plötzlich an wild zu deliriren undmuss bald wieder ins Haus gebracht werden. Hier bekommter einen heftigen Schüttelfrost, dabei Hitze und Schweiss.Während des Frost- und Hitzestadiums bestehen die Delirienfort, dann wird der Kranke ruhiger und schläft. Abends Körper-temperatur gesunken. Schmerzen in der Wunde sehr gering.Andauernder Schlaf. Stumpf angeschwollen, Eiterung jauchig.

Am 14. September: Schmerzhaftigkeit der Wunde sehrgering. Haut fühlt sich kühl an. Puls etwas kräftiger alsgestern, etwa 130 Schläge. Appetit vorhanden. Abendsl /i stündiger Schüttelfrost mit lebhaften Delirien, nachherreichlicher Schweiss die ganze Nacht hindurch.

Am 15. September: Früh 10 Uhr l /-j stündiger Schüttel-frost, in dem der Kranke vollständig rast. Abends 874 Uhrtritt eine Gewebsblutung am Stumpfe ein. Die ganze Wund-fläche mit einem dicken Blutkuchen bedeckt. Da die Blutungstand, so war ihre Quelle nicht zu entdecken. Allgemein-befinden wird immer schlechter, leichte Gelbfärbung tritt ein.Chinin. Am 16. September: Früh 7 Uhr Schüttelfrost, etwa1 Stunde dauernd, Abends 5 Uhr ebenfalls. Der brandigeLappen, welcher den Stumpf deckt, wird abgeschnitten. Es istwieder eine Gewebsblutung kurz vor der Morgenvisite eingetreten,die von selbst steht. Abends Klagen über Brustschmerzen,heisere Stimme, tiefer Verfall.

Am 17. September früh ß'^Uhr nach dreimaligem heftigenErbrechen tritt der Tod ein. Bei der Leichenöffnung fanden sichThrombophlebitis der Ven. femor. und frische Lungeninfarkte.

Tm Berliner Barackenlazaretli wurden unter 89 Ho-spitalbrandigen beträchtlichere Blutungen 7 mal beobachtet.Bei einem Kranken war die Blutung venös, bei denübrigen 6 arteriell. Von den 7 starben 2, bei welchenbeiden die Femoralis und Iliaca unterbunden waren.

Im Ludwigsburger Beservespital kamen Blutungeneinige Male in einer das Leben bedrohenden Weise vorund zwar venöse und arterielle (Speichenschlagader).

Im Reservelazareth Bromberg und im Reserve-lazareth No. 3 (altes Auditorium-Gebäude) in Göttingenwurden 3 mal reichliche arterielle Blutungen aus hospital-brandigen Wunden in der Hohlhand beobachtet.

Im Vereinslazareth zu Coburg trat eine bedrohlicheBlutung aus einer hospitalbrandigen Besektionswunde amFussgelenk auf.

Im Reservelazareth Görlitz ereignete sich eine be-trächtliche Gewebsblutung an einem hospitalbrandigenOberschenkelstumpfe, welcher vor der Infektion schonbeinahe völlig vernarbt war.

Im Reservelazareth Jüterbog kam es 14 Tage nacheiner Aetzung mit Karbolsäure bei Lösung des Brand-schorfes zu starker Blutung aus der Speichenschlagader.

Im Reservelazareth Ludwigslust wurde die SchläfeilSchlagader durch Hospitalbrand angefressen, die Blutunldurch Unterbindung gestillt.

Bei dem Infanteristen G. (Spez. Th., S. 944, No.welcher am 6. August einen Schussbruch beider linkt!Unterarmknochen erlitten hatte, fingen die Wunden ail12. September an trocken zu werden und nahmen untalstarker Vergrösserung einen schmierigen schlechten Bekt|an. Am 13. September musste eine heftige BlutungEisenchloridlösung und Aderpresse gestillt werden.

Beispiele von Zerstörung grösserer Nervenstämmlliegen nicht vor.

Knochen wurden häufiger ergriffen und in weiteilAusdehnung von der Beinhaut entblösst. OberfläclilicklCaries entstand oft am Schienbein und den Fusswurallknochen; tiefe Zerstörungen grösserer Röhrenknochen kw\sich nicht erwähnt.

Eröffnung eines grösseren Gelenkes kam nur w|einzelt zur Beobachtung.

Koenig berichtet über einen Fall aus dem BerlineiBarackenlazareth, in welchem das Kniegelenk durch Braieröffnet wurde; trotz der scheinbaren Schwere der L|krankung war der Verlauf ohne verstümmelnde Operagünstig.

Beobachtung aus dem Reservelazareth Sibach:

10. M. E., vom Feld-Artillerie-Regiment No. 8: Bruchrechten Schienbeins dicht am Kniegelenk durch GranatsplilBei der Aufnahme ins Lazareth zeigte die Wunde fauligeschaffenheit Hospitalbrand. Bei passender Behandluijreinigten sich die Wunden, die Zerstörung hatte aberKniegelenk hineingegriffen. Der Verwundete ging

an Erschöpfung zu Grunde. So lange die Operation ein :liches Ergebniss versprochen hätte, war sie wegen der brandig«Beschaffenheit der Wunde und auch wegen der geringen Ab-sicht auf Erhaltung des Gliedes nicht räthlich, nachher zusw

Häufiger wurden die kleineren Gelenke an HandFuss zerstört.

Von Eröffnung einer Körperhöhle und von Uetegreifen des Hospitalbrandes auf innere Organe wurdeLudwigsburger Reservespital ein Fall beschrieben.zwar kam es hier nach Zerstörung der BauchdeckenBildung einer Kothfistel.

11. Verletzung der rechten Unterbauchgege«durch einen Granatsplitter. Oberflächliche V«letzung des Darmbeins. Zerstörung der Bauchdeckedurch ein diphtherisches Geschwür. Blosslegung wDurchbrueh einer Darmschlinge. Kothfistel.

V., vom 64. Französischen Linien-Regiment, verwundet t18. August, aufgenommen am 27. August 1870, übergeführt»«11. April 1871. Etwa 9 cm lange, 5 cm breite Wunde lunter dem Nabel mit Verletzung und theilweiser Blosslegu«!der vorderen Darmbeintheile. Starke Eiterung. Wunde Vtgutem Aussehen. Am 27. September: Entfernung von 6 kleineslosen, dem vorderen oberen Stachel angehörigen KnocK*