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3. Chirurgischer Theil A (1890) Die Verwundungen durch Kriegswaffen bei den Deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71 : Allgemeiner Theil
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II. Kapitel: Wundkrankheiten.

Band III. Allgem, The.

Schon folgenden Tags waren die Wunden mit pulpöser Masseüberzogen, die Ränder durch schmutzigen Detritus unterhöhlt;die Ränder allmälig absterbend, Wundfläche sich vergrösserndnach der Fläche und Tiefe, auch Muskelsubstanz vernichtend.

3. Eeservelazareth 3 (Welfenschloss), Hannover:

Die Ränder der Wunde wulsteten auf, verhärteten sich, dieUmgebung wurde stark geröthet, schmerzhaft. Die Wundeselbst belegte sich mit einer grau - gelblichen, schmierigen,zuweilen ins Grünliche schimmernden, fleckigen Exsudatschicht,an deren Untergrunde, wie auch an den umgebenden RändernGewebsverluste stattfanden. Hautinseln starben ab, und ineinem dunkelrothen Felde erschienen nach Abstossung der ge-schwärzten abgestorbenen Stückchen mehr oder weniger grosseGeschwüre, welche ein Aussehen annahmen gleich der ur-sprünglichen Wunde mit Rändern, wie von Ratten zernagt.Bei Einzelnen ödematöse Aufwulstung über der ganzenGeschwürsfläche, schwammartig mit grau-gelblicher Schwarte.

4. Reservelazareth No.l (Kriegsschule),Hannover:

Keine Auflagerung, im Gegentheil Wunden trocken, bräun-lich, Ränder weithin infiltrirt, heiss, dunkelroth, sehr schmerzhaft;bald starben die Gewebe völlig ab und statt der kleinen Wundevon wenigen Centimetern Durchmesser handgrosser Substanz-verlust bis auf die Muskeln; keine Blutungen.

5. Reservelazareth Karlsruhe (Socin):

Sehr regelmässig waren im späteren Verlauf die stark auf-geworfenen, an die Festigkeit des Leders erinnernden Ränder.

6. Ludwigsburger Reservespital:

In den schweren Fällen wurden die Wunden trocken,schlaff, schmerzhaft; anfangs dünne, fest anhaftende Haut vonschmutzig weissgelblicher Farbe bedeckte die Granulationen. Inden oberen Schichten verwandelten sich diese unter Absonderungeiner jauchigen, meist spärlichen Flüssigkeit von ranzigemoder faulendem Geruch in einen schmutzigen käsigen Brei. Inder Tiefe haftete der Belag fest. Der rasche Zerfall dieserschwammartigen Auflagerungen führte zu tiefer, umfang-reicher Geschwürsbildung. So lange der Prozess im Vor-schreiten blieb, hatten die Ränder ein zerfressenes, wie angenagtesAussehen. In der Umgebung fand sich Röthung und schmerzhafteSchwellung, die Drüsen der betreffenden Gegend waren häufiggeschwellt. Die weicheren Gebilde widerstanden der Auflösungin eine pulpöse Masse nicht. Knochen und Knorpel sahen wirnie ergriffen, um so häufiger sehnige Theile. Die Zerstörungin die Breite und Tiefe ging oft äusserst rasch vor sich, dabei kamendie Kranken schnell herunter in ihren Kräften. Bei mikro-skopischen Untersuchungen der Beläge der hospitalbrandigenWunden, welche im Feldspital Neuberghausen angestellt wurden,fanden sich in der Wundabsonderung zwischen den Eiterzellen vielDetritus, kleinere und grössere Fetttröpfchen, die grauen MassenHessen zwischen Bindegewebsfasern deutlich körnig infiltrirteZellen in überraschender Menge erkennen, die schwammigenMassen zerfielen oft in wenigen Stunden unter Abfluss einerwässrigen Flüssigkeit, welche keine oder wenige, im Zerfallbegriffene Zellen enthielt. Bei frischen Erkrankungen waren inder Wundflüssigkeit und in den Belegmassen massenhaft Fäulniss-pilze, zum Theil Spaltpilze, vorhanden, die Menge derselbenstand im Verhältniss zu den Fortschritten des Zersetzungs-prozesses, in zwei Fällen, im Beginn des Wundbrandes, wimmeltedas ganze Gesichtsfeld von den in Bewegung begriffenen Or-

ganismen, in kürzester Zeit zeigte sich das betreffende GeweJzerstört. Die Behandlung mit Karbolsäure vermochte ijWirksamkeit zu beschränken und aufzuheben; Eis leistetedjin noch höherem Grade; am eingreifendsten wirkte alAlkohol, in kürzester Zeit hörte die Bewegung der PilzgebilJauf. Wenn normale Eiterung sich wieder einstellte, zeigten sib)nach der Behandlung mit absolutem Alkohol keine Pilze i

In demselben Spital wurden Impfversuche angestelbei welchen man fand, dass die Uebertragung der IIsonderung von Wundbrandflächen auf KaninchenFieber und ausgedehnten Wundbrand erzeugte mit dar;folgendem Tode in 36 bis 42 Stunden.

Die weitgehendsten Zerstörungen bewirkte im 1gemeinen die pulpöse Brandform; sie bewährte, wie Fi seidberichtet, wieder ihren alten schlimmen Ruf, denn serzeugte in wenigen Stunden ihres Bestehens die umfanjreichsten und schwersten Zerstörungen der Gewebe. Ibegann nach der Beschreibung König's mit tiefgehend!Nekrose der Gewebe, so dass man schon nach 24 Stundeeine erheblich vergrösserte Wunde vor sich hatte,welcher nicht nur das Granulationsgewebe, sondern anin der Tiefen- und Flächenausdehnung die gesundiGewebe der Nekrose anheimgefallen waren. Von einzelnLazarethen wird erwähnt, dass der pulpöse Brandstetigsten in die Tiefe fortschritt und selbst die Knoclnicht verschonte. Die Wundfläche, mit schmierigemund abgestorbenen Gewebsfetzen bedeckt, war dabei »geschwollen.

Zuweilen gab diese Brandform sehr rasch zurzüudung des Zellgewebes an der ganzen Gliedmaasse ^ianlassung und fahrte zur Amputation.

Von anderer Seite wurde hervorgehoben, dhospitalbrandige Zerstörung namentlich in dem lockerBindegewebe um sich griff, so dass unter anscheinend 8sunder Haut weitreichende Unterhöhlungen und 1bildung zwischen den Muskeln erfolgten; Verhältnisseam häufigsten wurde dies am Unterschenkel und inKniekehle beobachtet.

Aus dem Berliner Barackeulazareth wurde beispieweise ein Fall mitgetheilt, bei dem man äusserlick an*Achillessehne nur zwei verdächtig aussehende, von et'geschwollener, rother Haut umgebene Kugelöffnungen alnicht nur die Haut zwischen beiden Oeffiiungen war brau«untergraben, sondern alle Muskeln des hinteren Theil? IWade buchstäblich von der Kniekehle bis zu dem Anss"der Achillessehne fanden sich durch brandige, jauchilTaschen von einander abgelöst.

In einem anderen Falle, in welchem die Kugel iSchienbeinhöcker getroffen hatte und wahrscheinlich»gesprungen war, sah man eine kugelgrosse Oeflhung,Brandwunde ging indess längs des Schienbeins mehreCentimeter nach unten und nach oben, hatte die BeinWzerfressen und den Knochen blossgelegt, ohne Betheüig 01der Haut.