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3. Chirurgischer Theil A (1890) Die Verwundungen durch Kriegswaffen bei den Deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71 : Allgemeiner Theil
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Band III. Allgem. Theil.

II. Abschnitt: Hospitalbrand und Wunddiphtherie.

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löser Art: die ersten Erkrankungen im Spital selbst tratender gleichen Form auf, die späteren neigten mehr zumeschwflrigen Brand; bei einem Kranken bildete sich einedicke, graue Schwainmmasse, wie Kalkmasse aussehend.In den Reservelazarethen zu Hannover war die pulpöseForm die häufigste, die gescliwürige, wurde seltener, mit-unter, wie von Schüller, innerhalb der pulpösen Massen|gesehen.

Ebenso überwog in den Lazarethen zu Karlsruhe derkulpose Brand; neben diesem kam die geschwürige Formnur gelegentlich an bereits überhäuteten Narben vor. ImBeservelazareth Schwetzingen waren beide Formen gleichI liimlig. Auch bei den im Lazareth Ziehwald von Fischerbeobachteten Kranken fanden sie sich zusammen, indessenherrschte die geschwürige vor. In Darm Stadt scheint gleich-älls der geschwürige Brand häufiger gewesen zu sein. Imberliner Barackenlazareth kam bei im Ganzen 116 Manndie letztere Form zur Beobachtung, von welcher Königfolgende Beschreibung giebt:Die Wunde, welche bisdahin ausgezeichnete rothe Granulationen zeigte, bedeckteeich mit einem anfangs mehr grau-weisslichen, glänzenden,|spüler gelblichen Belag, welcher sich meistens nicht ohneBlutung von den Granulationen abziehen Hess. Nachdemder Belag zerfallen war, zeigten sich an den Stellen,»eichen er angehaftet hatte, grössere oder kleinere scharf-| räudige Geschwüre in den Granulationen. Fast immerging dann diese Geschwürsbildung auf die narbigen Ränderüber, und auch diese fielen der geschwürigen Zerstörungnhehn." In Düsseldorf waren die Formen des Hospital-brandes nach Grafs Bericht ungemein verschieden unddcht immer unter die klinischen Bilder unterzubringen.I ou der rasch fortschreitenden geschwürigen Form wurdennur wenige Fälle gesehen,bei welchen man ungewiss«ein konnte, ob man sie unter den Begriff des Kroup, derDipbtlii'rie oder der Wundgangrän aus örtlichen Ursachen| wliien sollte".

Unter den örtlichen Veränderungen, welche mit[der Entwickelung der einen oder anderen Form deslospitalbrandes einhergingen, war am regelmässigstenP gesteigerte Empfindlichkeit der Wunde. Nicht«lten machte heftiger Wundschmerz erst auf die ander-weitigen Veränderungen der Wunde aufmerksam; von Vielenwde die plötzlich gesteigerte Schmerzhaftigkeit der»undfläclie als erste Vorläufererscheinung aufgestellt.' '"-' Heftigkeit des Wundsckmerzes war verschieden; meistpui'de er alsausserordentlich" bezeichnet. Schüller be-btet, dass bei den in Hannover beobachteten Fällen,"eist pulpöser Art,die Wunden oft in solchem Gradecumerzhaft wurden, dass die Kranken laut aufschrieen,*' der geringsten Berührung der Wunden krampfhaftzusammenzuckten. Nur bei einigen war der Schmerzfäsmg. Gewöhnlich wurde er als ein brennender, reissender,gehender bezeichnet, der von der Wunde ausstrahlte,lni ge Male erwiesenermaassen längs eines Nerven; er

Sanitats-Bericht über die Deutschen Heere 1870/71. III. Bd. Allgem. Theil.

stellte sich gewöhnlich schon zu einer Zeit ein, wenn an dergranulirenden Wunde entweder noch gar nichts oderhöchstens eine leichte Trübung zu bemerken war. Eineerfolgreiche Aetzung überdauerte er in der Regel nur i /ibis '/a Stunde, um nie, oder, wie bei einigen Kranken, inweit geringerem Grade zurückzukehren". Demgegenüberwurden nach Heiberg's und König's Angaben in demBerliner Barackenlazareth, in welchem fast ausschliesslichgeschwüriger Brand vorkam, Schmerzen in den hospital-brandigen Wunden nicht oft vermerkt. ; ,Die Krankenwaren zwar alle gegen Berührung empfindlich, klagtenaber selten über idiopathische Schmerzen, und wahreNeuralgien sind nicht vorgekommen."

Von besonderem Interesse ist eine im 6. FeldlazarethIX. Armeekorps gemachte Beobachtung. Es wurde wäh-rend der dortigen Epidemie wiederholt bemerkt, dass an-scheinend gesunde granulirende Flächen sich gegen Be-rührung unempfindlich zeigten, dass man Nadeln einenhalben Zoll tief, ohne Schmerz zu erzeugen, in die Tiefeversenken konnte; sehr bald begann dann ein Zerfall dieserStellen.

Eines spezifischen Geruchs der hospitalbrandigenWunden wird selten Erwähnung gethan; wo es geschieht,wird er alsfade, käseartig, ranzig oder faulig" bezeichnet.

Für gewöhnlich erfolgte die Entwickelung desIlospitalbrandes allmälig innerhalb mehrerer Tage, zu-weilen jedoch sehr schnell innerhalb 24 Stunden oder, wiees heisst,über Nacht". Im Feldspital Neuberghausenwuchsen bei 2 Verwundeten innerhalb 15 Stunden pulpöseMassen von fler Grösse und Gestalt einer Kastanie biseiner halben Billardkugel aus der Wunde.

Bei der grossen Mannigfaltigkeit der krankhaftenVorgänge, welche an den hospitalbrandigen Wundenbeobachtet wurden, und der verschiedenartigen Verlaufs-weise kann man davon absehen, hier ein zusammenfassendesBild vom Beginn bis zum Ende geben zu wollen.

Aus der Reihe von Einzelbeobachtungen sei Folgendeshervorgehoben:

1. Amiens, 8. Feldlazareth I. Armeekorps:

Die Wunden wurden schmerzhaft, missfarbig, die Wund-absonderung spärlich, übelriechend, schmutzig, mit Gewebsfetzenvermischt, die Wundränder geröthet, infiltrit, schwarzbläulichund verfielen von Tag zu Tag der Zerstörung. Der brandigeZerfall schritt vorzugsweise nach der Fläche; bei 5 Krankenwurden die Muskeln des Oberarms bis auf die Knochen zerstört,die Reinigung erfolgte in leichteren Fällen innerhalb 10 Tagen,bei schwereren nach 2 bis 3 Wochen.

2. Ars sur Moselle, Kriegslazareth:

Ohne alle Vorboten und nur in einem Falle durch lebhafteFieberbewegung angekündigt, fanden sich plötzlich bei derMorgenvisite die Wunden in einem veränderten Zustande:Granulationen schlaff und blass, Wundränder bläulich, Geruchder Wunde käseartig, Puls klein und rasch, Zunge schmierigbelegt, subjektives Befinden nicht wesentlich beeinträchtigt.

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