Band III. Allgem. Theil.
II. Abschnitt: Hospitalbrand und Wunddiphtherie.
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Bestehens des Lazareths unausgesetzt mit Verwundetenund zum Theil sehr stark eiternden belegt; in der Nähedesselben war der Abtritt angebracht, von welchem ausder nach dem Belegraum zu abfallende Erdboden durch-tränkt erschien und die schädlichen Ausdünstungen dem SaaleNo. 3 zugeführt wurden; dabei konnte dieser Saal ebensowie die übrigen Räume des Schiesshauses wegen Mangelsgegenüberstehender oder wegen zu hoch angebrachterFenster niemals hinreichend gelüftet werden. Mit Aus-nahme des zuerst erkrankten Franzosen hatten die übrigenfünf weitgreifende, zum Theil bis auf die Knochen gehendeGewebsverluste erlitten. '
Ein vereinzelter Fall von Hospitalbrand fand sich imßeservelazareth zu Weissenfeis im November bei einemdaselbst wegen komplizirten Unterschenkelbruchs Ampu-tirten trotz sofortiger Absonderung nach der Operation.
Zu Braunschweig ging im November in der In-fanteriekaserne von zwei verwundeten Französischen Kriegs-
■fangenen, welche in einem Zimmer des zweiten Stock-werkes des linken Seitenflügels lagen, Hospitalbrand aus;zwei zwischen diesen gebettete Verwundete blieben frei,
gegen erkrankten bald vier andere Zimmergenossen. DieHospitalbrandigen wurden abgesondert, die Verbände nurvon zwei Aerzten und zwar am Ende der Besuchszeit besorgt;weitere Verbreitung fand zunächst nicht statt. Im Dezemberzeigte sich in einem entfernteren Zimmer vereinzelt Wund-diphtherie, welche jedoch bald den Charakter von Hospital-hrand annahm; im Januar folgte im rechten Seitenflügelein Fall von Wunddiphtherie; dann überfiel die Krankheitim März mehrere Operirte in verschiedenen, getrenntenZimmern; im April wurde in der dortigen Turnhalle ein Fall
esehen und der Kranke nach der Infanteriekaserne verlegt;hier kam schliesslich im Mai noch ein letzter Fall in Zugang.In Neubrandenburg gab sich im November beizwei Verwundeten in einem gut gelüfteten Zimmer desdortigen Seegebusch'schen Lokals Wunddiphtherie kund,während in der Stadt Rachenbräune herrschte. Im Dezemberkam daselbst bei einem von Trier aus UebergeführtenHospitalbrand zur Entwickelung. Ausserdem wurden umdiese Zeit einzelne von Wunddiphtherie Ergriffene inBreslau in einem dortigen Vereinslazareth, in Tilsit und]| i l'asewalk behandelt, dem letztgenannten Orte gingendrei Französische Verwundete mit Wunddiphtherie schwererArt zu.
Mehrere gleichartige Fälle in Homburg (XI. Armee-™'ps) waren nachweislich eingeschleppt. Von Hospital-"rand trafen ferner Meldungen ein aus Hamm undPotsdam. Am letztgenannten Orte brach die Erkrankung"i der Kaserne des 1. Bataillons 1. Garde-Regiments z. F.hei zwei Verwundeten, welche einen siebentägigen Trans-port in ungeheizten Eisenbahnwagen überstanden hatten,bald nach ihrem Eintreffen aus.
Im Januar wurde noch in Soest Hospitalbrand ein-geschleppt. Der Betreffende war mit einer schon erkrankten
Weichtheilwunde am Unterschenkel aufgenommen worden;die brandige Zerstörung drang schnell bis auf das Schien-bein vor. In kürzester Zeit wurden 3 Amputirte und2 Leichtverwundete angesteckt; bei einem Krankenwärter,welcher mit verletzten Fingern die Brandkranken ver-bunden hatte, traten gleichfalls die Erscheinungen desHospitalbrandes auf.
Anfang Januar entstand im Reservelazareth zuJüterbog bei einem mit einer fast vernarbten Weichtheil-Schusswunde am Vorderarm behafteten Franzosen Hospital-brand, 14 Tage nach seiner Ankunft.
In Oldenburg Hessen sich ebenfalls im Januar zweiHospitalbrandfälle bei Franzosen mit geringfügigen Weich-theilwunden erkennen.
In Ems fand sich bei 12 Verwundeten, welche am31. Januar mit einem Transporte aus Frankreich eintrafen,Wunddiphtherie vor mit heftigen Fiebererscheinungen.
Weiterhin lagen im Februar in Hanau 3 Verwundete,in Philippsruhe 2, im Altstädter Schloss 1 mit Hospital-brand. Die beiden ersten befanden sich seit dem 13. Januarim Lazareth und waren mit Gleichkranken nicht in Be-rührung gewesen; ihre Betten standen nebeneinander, ihreWunden wurden gleichzeitig brandig; der 3. Fall erschienebenfalls ganz abgesondert bei einem seit dem 6. DezemberimLazareth verpflegten, fast geheilten Verwundeten. WeitereErkrankungen blieben aus.
In Frankfurt a. 0. zeigte sich im Kasino, einem bisdahin unbelegten schönen Gebäude, bei einem am 9. Februaraus Aachen angekommenen Verwundeten (Schussverletzungdes Vorderarms) der charakteristische Brand; der Fall ver-lief nach Anwendung des Glüheisens günstig und bliebvereinzelt.
In Halle trat die Wundkrankheit im Februar in allenAbtheilungen des dortigen Reservelazareths ebenso plötz-lich als zahlreich auf; im März nur noch sehr selten.
Im Laufe des März kamen Hospitalbrand-Erkrankungennoch vor: in Bremen 1 (eingeschleppt), in Lüneburg 2.
Endlich wurde im April in Schwerin ein aus Coburgüberwiesener Verwundeter behandelt, welchem seiner An-gabe zufolge die am Oberschenkel befindliche Weichtheil-Schusswunde schon in Frankreich ausgeglüht war. Alsderselbe in Schwerin ankam, war die Eingangsöffnung ge-schlossen, an der Ausgangsöffnung befand sich eine brandigeWundfläche mit graulichem Belage von der Grösse einerhalben Hand; Wundränder blau, callös. Der Mann wurdeabgesondert; nach sehr erheblichem Gewebsverlust erfolgteim Mai Vernarbung, der Oberschenkel zeigte bedeutendeAbmagerung.
Rückblick.
Aus dieser Zusammenstellung erhellt, dass Wund-diphtherie und Hospitalbrand auf dem Kriegsschauplatzebereits im Monat August vor Metz sich einnisteten und