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3. Chirurgischer Theil A (1890) Die Verwundungen durch Kriegswaffen bei den Deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71 : Allgemeiner Theil
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II. Kapitel: Wundkrankheiten.

BandHI. Allgera. TheiL I

Militärlazareth in die Kaserne verlegt worden waren, hörtenzunächst weitere Erkrankungen auf. Im November brachheftige Wunddiphtherie bei einem in Privatpflege befind-lichen Verwundeten unter schweren Allgemeinstörungen aus,während zwei leichtere Fälle derselben Krankheit in derExerzirhalle und Kaserne ermittelt wurden. Erst im Märzwar dann wieder von Neuerkrankungen in der Exerzirhallebei 5 Verwundeten die Rede, von denen 3 aus Lazarethenbei Orleans, 2 aus Ems und Darmstadt dorthin über-geführt worden waren; im Laufe des Monats April schlössensich noch 3 weitere Fälle an.

Aus Hameln liegen Meldungen über Wunddiphtherievor, welche Anfang Oktober sowohl in dem dortigen Hilfs-lazareth bei mehreren Verwundeten, als auch in besondersschwerer Form bei einem in Privatpflege befindlichen Offizierzur Beobachtung kam; bald danach verbreitete sich Hals-diphtherie bei Kindern in der Stadt.

Auch in Göttingen brachten die ersten Tage desOktober vereinzelte Fälle von Diphtherie der Wunden inder Reitbahnhalle und im Lazareth Schützenhof, der No-vember im Ernst-August-Hospital. Im Februar trat imdortigen Reservelazareth No. 3 (altes Auditorium-Gebäude)bei 3 Verwundeten, welche von St. Qu entin nach ßtägigemTransporte eingetroffen waren, am 2. Tage nach der Auf-nahme Hospitalbrand auf. Auch in dem Reitbahn-Reserve-lazareth ebenda zeigten sich zur selben Zeit 2 derartigeVorkommnisse bei Verwundeten, welche von demselbenSchlachtfelde, ohne in einem Hospital gewesen zu sein,anlangten; bei dem einen war die Wunde bereits schmerz-haft und geschwollen, als er aufgenommen wurde; bei demzweiten veränderte sie sich wenige Tage nach der Ankunft.Die beiden Befallenen wurden nach dem Ernst - August-Ilospital übergeführt und abgesondert. Ein dritter Fallkam im März in der Reitbahn vor.

In Bützow nahmen im Oktober bei 3 Franzosen und1 Deutschen die zum Theil schon vernarbten Wunden,welche bereits während des Transports ein schlechtesAussehen angenommen hatten, alsbald den Charakter desHospitalbrandes an; durch Absonderung wurde weitere Ver-breitung verhütet.

In Ludwigslust wurden bald nach dem Eintreffenim Oktober 8 Verwundete von Hospitalbrand befallen;einer derselben, an einem Schussbruch des Oberkiefersleidend und von vornherein als hoffnungslos angesehen,starb. Durch Absonderung der Hospitalbrandkranken ineinem vor der Stadt frei gelegenen, gut gelüfteten undgeräumigen Saale (Kuldmann'scbes Lokal) wurde auch hierweitere Verbreitung verhindert, im November kam nurnoch ein Fall in Zugang. Unter den befallenen Wundenbefanden sich drei noch nicht völlig vernarbte Amputations-stümpfe.

Das Garnisonlazareth zu Braunsberg berichtete imOktober über Hospitalbrand bei einer in Heilung be-griffenen Schusswunde. Nach Absonderung in eine Privat-

pflegestätte erfolgte Genesung und Beschränkung der ]Jfektion auf diesen einen Herd.

Im Reservelazareth Inster bürg kam zur selbenHospitalbrand bei einer fast geheilten Weichtheilwuni!zur Beobachtung; die Krankheit war während eines ack-Itägigen Transportes aufgetreten. Ungefähr vierzehn Ta»s|nach dem Eintreffen dieses Hospitalbrandigen erkrankt!in einem anstossenden Zimmer ein Verwundeter an dennämlichen Wundkomplikation; derselbe war mit eine!schon fast verheilten Schusswunde im linken Oberschenkelin das Lazareth gekommen und machte bereits ohneschwerden Spaziergänge, als plötzlich die Wunde schmenlhaft wurde, diphtherischen Belag annahm und sich ider Fläche und in die Tiefe vergrösserte, während dielWundränder stark geröthet und inffltrirt waren. HeftigelFieber, gastrische Störungen, Bronchialkatarrh führten Ibedrohlichem Verfall. Neue Erkrankungsherde entstandelim Monat November.

In den Lazarethen zu Wiesbaden, in welchen iilOktober mehrere Leute mit Wunddiphtherie lagen, kailEnde Dezember bei einer grösseren Zahl Schwerverwundeterlwelche bei strenger Kälte einen längeren Transport ai:|offenen Eisenbahnwagen überstanden hatten, Hospitalbrulzur Entwickelung. Mehrere dieser Kranken starben unteilpyämiscben Erscheinungen; schon bei ihrer Ankunft wamldie Wunden brandig gewesen.

In Wesel trafen im November zwei Verwandt!!(Fleischschuss am Oberschenkel und Haarseilschuss detlBauchwand) mit Hospitalbrand ein, welcher nachweidauf dem Transport entstanden war.

Nach Gotha wurde in der zweiten Hälfte des Novemtelin das Reservelazareth (neues Militärlazareth) durch einet IKriegsgefangenen, welcher aus einem Feldlazareth »|Nove'ant dorthin gekommen war, Hospitaibrand eingtschleppt. Wenige Tage später erkrankte in de,ein in Privatpflege befindlicher Verwundeter gleichfall- *demselben Leiden, ohne dass Beziehungen mit dem »servelazareth bestanden hatten. Im Lazareth folgten baldmehrere Beobachtungen von Wunddiphtherie. Um dieselbeZeit entstanden im Schiesshausgebäude in wenigen Tagensechs Fälle von Hospitalbrand rasch hintereinander. Sätn»liehe 6 Verwundeten lagen mit mehreren anderen im ballNo. 3. Zuerst erkrankte am 26. November unter lebhafte«Fiebererscheinungen ein Franzose, mit einer wenig eiternd*Resektionswunde am Ellenbogen behaftet und bereits a»2. Oktober aufgenommen; am folgenden Tage fingen sein*beiden Bettnachbarn sowie die beiden ihm gegenüberliegenden Verwundeten an zu fiebern, während einweiter entfernt Gebetteter erst am 25. November angestec»erschien. Alsbald nach festgestelltem Ausbruch des Hospital'brandes wurden die Unversehrten von den Befallenen $trennt und letztere zu zwei in je einen Saal gelegt. Der i»»No. 3, in welchem die Erkrankungen vorkamen, ein naciNord und Ost gerichtetes Eckzimmer, war während