Band III. Allgem. Theil.
II. Abschnitt: Hospitalbrand und Wunddiphtherie.
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achtet. Es handelte sich um eiiien Weichtheilschuss; derBrand entstand in der im Garten des Spitals erbautenBaracke. Drei weitere Fälle kamen zur selben Zeit, ohnedass eine Uebertragung nachweislich oder nur wahrscheinlichwar. in verschiedenen Baracken im Bessunger Orangerie-garten vor. Als der letzte der betreifenden Kranken ausdein Absonderungszelt entlassen war, erschien der Hospital-brand wieder bei einem im Spital der barmherzigenSchwestern, etwa eine halbe Stunde von dem Orangerie-»rten entfernt untergebrachten Verwundeten. Etwa gleich-zeitig (30. September) ereignete sich im Elisabethenspital(Diakonissenhaus) ein ähnlicher Fall, bei einem am 6. Augustverwundeten Manne, welcher bereits so weit war, dass erden ganzen Tag im Garten zubrachte, obgleich das Kranken-haus von den genannten Spitälern weit entfernt und dasPersonal ein ganz anderes war. Die grösste Ausdehnunggewann der Hospitalbrand in der dortigen Turnhalle. Eszeigten sich hier Mitte Oktober mehrere Erkrankungen zugleicher Zeit, im Ganzen 8. Gegen den November zu er-losch die Epidemie völlig.
In den Lazarethen zu Karlsruhe Hessen sich nachSocin's Bericht die ersten Erkrankungen Mitte Septemberfeststellen; nach dem 15. November kamen nur noch 2 ver-einzelte Erkrankungen in Zugang, von da an keine mehr.Die Gesammtzahl betrug 10 Fälle. Der erste trat imBahnhofslazareth auf und war die Ansteckungsquelle fürzwei andere Verwundete. Durch möglichste Absonderung;elang es, weiterer Verbreitung Einhalt zu thun. Denireprünglichen Infektionskeim suchte Socin in einemaus Venedig stammenden Ballen Charpie, deren Farbeund Geruch auffällig waren. Bei weiterer Nachforschungergab sich, dass gerade auf der betreffenden Abtheilungdiese Charpie in Gebrauch gekommen war. Der Ballensammt Inhalt wurde verbrannt. Anfang Oktober tratHospitalbrand von Neuem in den Baracken auf, unzweifel-haft von Nancy her eingeschleppt, indem drei von dortevakuirte Verwundete mit beginnender Erkrankung ein-trafen; durch einfache Reinlichkeitsmaassregeln glückte esauch hier, Weiterverbreituug zu verhüten.
Im Barackenlazareth zu Mannheim auf dem Exerzir-platz wurde Hospitalbrand in der Zeit vom 8. August bis''• Dezember 1870 im Ganzen nur bei 2 Mann nachgewiesen;ebenso oft im Mai 1871 im dortigen Garnisonlazareth, wo-selbst ein Fall von ausserhalb stammte, während der zweitenachweislich durch unmittelbare Ansteckung entstand.
Obwohl man zu Frankfurt a. M. im Reserve-Baracken-lazareth No. 1 fast in jedem Monat Wunddiphtherie zubehandeln hatte, so wurde die Krankheit hier doch nieendemisch. Nachdem im Oktober auch Hospitalbrand ver-einzelt vorgekommen war, mussten Ende November 3 der" unddiphtherie Verdächtige abgesondert werden. Aml Dezember kam 1 Fall von Hospitalbrand an einemAmputationsstumpf aus dem benachbarten Bockenheimhinzu, ferner ein zweiter an einer fast geheilten Am-
putationswunde, ein dritter mit schnell fortschreitendemHospitalbrand, von einer unbedeutenden Fleischwunde aus-gehend und in einer gut gelüfteten und desinfizirtenBaracke entstanden, ein vierter aus dem dortigen Garnison-lazareth bei einem Schussbruch des Vorderarms. Im MonatApril 1871 zeigten sich im Nebengebäude des Garnison-lazareths, welches seit August 1870 mit Verwundeten belegtwar, 2, im Mai 6 weitere Erkrankungen; das Lazareth wurdegeräumt, die Brandigen überwies man der Brandbaracke.Nachdem im Juni keine weiteren Erkrankungen zugegangen,brachte der Juli und August noch je 1 Fall; es sind diesdie letzten Erkrankungen, welche aus der Zeit von Juni bisAugust überhaupt noch aus den Lazarethen Deutschlandszur amtlichen Kenntniss gekommen sind.
Im Reservebaracken- und Zeltspital zu Ludwigsburg,in welchem vom 22. August bis 8. November 275 Ver-wundete, meist Schwerverwundete, behandelt wurden, tratEnde September nach mehr als einmonatlicher Belegungtrotz der grössten Sauberkeit des Spitals Wunddiphtherieangeblich „autochthon" auf und nahm nach Kurzem denCharakter einer kleinen Epidemie an. Die meisten Er-krankungen fielen auf den Monat Oktober. Deutsche undFranzosen, schwache und starke Konstitutionen, frische undder Heilung, ja sogar der völligen Vernarbung nahe Wund-flächen wurden in gleicher Weise befallen. Das Ver-schwinden der Krankheit traf mit dem Umzug in die neuen,noch unbenutzten Räume des Kasernenspitals zusammen inder ersten Hälfte des November. Nach mehrmonatlicherBenutzung dieses Spitals kam sie im Januar und Februarwieder zum Vorschein.
Im Reservelazareth zu Schwetzingen stellte sichHospitalbrand zum ersten Mal am 6, September ein, imGanzen bei 4 Mann. Jeder dieser 4 Verwundeten befandsich zur Zeit des Ausbruches in einem anderen Säle, wurdeaber sogleich in ein Isolirzimmer verlegt. Eine Ueber-tragung konnte durchaus nicht festgestellt werden, diph-therischer Wundbelag war selten.
Im Feldspital zu Neuberghausen bei München,welches in dem dortigen Reliktenstift, einem grossen,weiten, neueren Gebäude mit Königlicher Muniticenz ein-gerichtet war, nistete sich bald nach seiner Belegung (am9. August) Hospitalbrand ein und zwar, wie bereits Ein-gangs erwähnt, eingeschleppt durch 4 Verwundete vonWörth, welche in den Tagen vom 12. bis 14. Augustdaselbst eintrafen; am 17. September fand eine zweite Ein-schleppung statt durch 2 bei Beaumont und Bazeillesverwundete Bayerische Soldaten, welche von Sedan ausübergeführt worden waren; am 24. November wiederholtesich die Einschleppung abermals durch einen bei Orleansam 11. Oktober verwundeten und von dort übergeführtenBayerischen Jäger. Durch diese 7 Hospitalbrandigen wurden32 in demselben (1.) Stockwerk des Lazareths liegende Ver-wundete angesteckt. Von den 39 mit Hospitalbrand Be-hafteten stammten 14 aus Norddeutschland, 23 aus Bayern,
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