116
iL Kapitel: Wundkrankheiteii.
Band III. Allgem. Theil,
2 aus Algier. Unter den Einschleppern befanden sich
3 Preussen, 4 Bayern; drei der letzteren, von welchen dereine bei Wörth, der zweite bei Beauniont, der dritte beiSedan verwundet war, starben 7 Tage nach der Ankunft.Durch strenge Absonderung der Hospitalbrandkranken ge-lang es, die Endemie auf den 1. Stock des Lazareths zubeschränken und das weitere Vordringen in den 2. Stockund das Erdgeschoss gänzlich zu verhüten.
Zu Hildburghausen wurden in der Kaserne, einemalten Schlosse, Mitte September an einzelnen eiterndenWunden Spuren von Hospitalbrand bemerkt. Derselbe ver-breitete sich, mehr oder minder deutlich ausgeprägt, inwenigen Tagen auf eine grössere Anzahl Verwundeter; bei5 traten ernstliche Störungen des Allgemeinbefindens einund steigerten sich bei einem derselben bis zur äusserstenGefahr. Die Erkrankungen kamen in denjenigen Stubenvor, welche am schwierigsten zu lüften waren, währenddie Zimmer, vor denen sich ein Elurgang befand, freiblieben. Nach gründlicher Desinfektion und Verlegung derschwersten Fälle von Verwundungen in das dortigeGarnisonlazareth hörte die Weiterverbreitung auf.
Aus der Kriegsschule (Reservelazareth No. 1) zuCasselwurden im September 8 Beobachtungen von Hospitalbrandgemeldet; im Oktober war derselbe vollständig erloschen;diphtherische Beläge Hessen sich in den Nebenräumlich-keiten des Kriegsschulgebäudes, Reitbahn und Turnsaal,mehrere Male nachweisen, in ersterer bei Kriegsgefangenen,in letzterem bei Deutschen Verwundeten, obwohl dieseBäume frei standen und durch beiderseitige grosse gegen-überstehende Fenster genügend gelüftet wurden. Im No-vember entdeckte man in der Kriegsschule von NeuemHospitalbrand bei einem Amputirten unter einfachem Charpie-verband am 2. Tage nach der Operation, das Leiden bliebaber beschränkt, nachdem der Kranke sofort abgesondertworden war. Im Dezember zeigte sich vereinzelt Wund-diphtherie, im März im dortigen Reservelazareth No. 2(Traindepot) Hospitalbrand bei einem Unterschenkel-geschwür. Letzteres Lazareth war bis dahin von jeg-licher Wundinfektionskrankheit verschont geblieben; dieErkrankungen selbst ereigneten sich in einem Saal (8), indessen Nähe ein unzweckmässig eingerichtetes Pissoir sichbefand. Bald danach im April folgten 2 weitere Erkran-kungen, von denen 1 tödtlich endete.
Der Monatsbericht aus dem Reservelazareth No. 4 imWelfenschloss zu Hannover berichtete bereits im Sep-tember über 6 Fälle von Hospitalbrand. Sämmtliche 6 Ver-wundeten waren auf verschiedenen Zimmern erkrankt, vonverschiedenen Wärtern verbunden und stammten von ver-schiedenen Stationen; 1 Mann starb. Der erste Fall wurdebestimmt von Strassburg her eingeführt. Dem Reserve-lazareth No. 1 (Kriegsschule) in Hannover brachte gleich-falls der September 3 Hospitalbrandkranke in Zugang, demLazareth „Schützenhaus" derselbe Monat ebensoviele, derOktober 5, der November 1, der Dezember 2. In die Baracken
des Reservelazareths No. 3 wurden im Oktober von daVerwundetentransporten, welche nach den Kämpfen an14., 16. und 18. August 1870 vor Metz dorthin gelangtHospitalbrandige aufgenommen, von welchen alsbald autleinige der alten Insassen angesteckt wurden. Durcheignete Maassregeln gelang es bald, die weitere Verbreit«zu beschränken; im Dezember zeigten sich nur noch einzehFälle bei neu angekommenen Franzosen. In den Resenilazarethen No. 2 und 3 (Welfenschloss) wiederholten sielvom Oktober bis Januar Erkrankungen an Wunddiphtlieritbei einer grösseren Anzahl von Verwundeten, welche iniOktober aus Strassburg dort eintrafen, bestand bereit]diphtherischer Belag bei der Ankunft.
Die in Wunstorf vom September bis zum Novenitelbeobachteten 6 Erkrankungen an Hospitalbrand waren n;weislich durch Verwundetentransporte eingeschleppt.
In Einbeck blieb in der Infanterie-Kaserne (SlNo. 5) im September 1 Fall von Hospitalbrand vereindas betreffende Zimmer war zwar gross, aber dumpfig, alebener Erde gelegen. Während des Oktober kam in dtt|dortigen Kavallerie-Kaserne (Stube No. 7) Wunddiphtlieritzur Beobachtung.
In der Kaserne zu Goslar wurden im September troülKarbolbehandlung einige Wunden hospitalbrandig; d»Kranken boten septicämische Allgemeinerscheinungen dar:später kamen weitere Erkrankungen nicht zu Stande.
In Reichenbach und Liegnitz hatte es bei ver-einzelten, im September eingeschleppten Fällen von Hospitalbrand sein Bewenden.
In Sagan kamen in der Kaserne No. 2 im September4 Erkrankungen an Hospitalbrand vor. Der erste Fall «ngelegentlich eines Verwundetentransports aus dem Westin voller Entwickelung aufgenommen; trotz sofortiger Asonderung brach die Erkrankung bald bei drei anderen^erwundeten aus. Dieselbe Kaserne war bereits im Jahrs 18»von Hospitalbrand heimgesucht gewesen.
Das Reservelazareth zu Landsberg a. W. verpflegim September und Oktober je 2 Mann mit Hospitalbranä:im November kamen dann 2 neue Fälle im Landarn»hause hinzu; zu derselben Zeit erkrankte ein Dragonerder dortigen Ersatzschwadron an brandiger Wundruschwerer Halsdiphtherie.
Im Garnisonlazareth zu Schneidemühl blieb est«einer vereinzelten Erkrankung im September; dieselbe ktraf einen bei Spicheren verwundeten FranzösinKriegsgefangenen. In Stargard stellten sich zu derZeit im dortigen Garnisonlazareth mehrere Fälle, *Theil bei fast vernarbten Wunden, ein. In Stolp wurd«im September und Oktober gleichfalls wiederholte Erkr»kungen, vermuthlich eingeschleppte, gesehen.
Sowohl im Garnisonlazareth als auch im Zweiglazaree„Schiesshaus" zu Bromberg entstand im Septem!"gleichzeitig bei einer grösseren Zahl unmittelbar aus Uorethen vor Metz übergeführter Franzosen Hospitalbi»