Band HI. Allgem. Theil.
II. Abschnitt: Hospitalbrand und Wunddiphtherie.
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Diphtherie einer Schusswunde am Oberschenkel; beidewurden abgesondert in einem Zimmer des oberen Stock-werkes; 5 andere Verwundete, obwohl in der grossen Hallenicht in der Nähe der ersteren liegend, folgten bald nachund wurden gleichfalls von den anderen getrennt; dieübrigen Verwundeten blieben frei; die Halle wurde nichtweiter belegt. Hospitalbrand wurde in den südlich vonParis bis herab zur Loire etablirten Feldlazaretten ausserin Meung sur Loire, wie oben erwähnt, zunächst nurvereinzelt beobachtet und zwar in Bazoches les Hautes(2. Feldlazareth XIII. Armeekorps), nordwestlich Artenay,im Monat Dezember bei einem Verwundeten, welcher einenpchussbruch des linken Schienbeins erlitten und bereitsrrismus überstanden hatte; 24 Stunden nach einer Nekro-tomie, bei welcher Hände und Instrumente mit Karbol-säure desinfizirt waren, nahm man an der Wunde pulpösenHospitalbrand wahr. Ausserdem wurde ein vereinzelterFall von Hospitalbrand im Januar aus Pithiviers (10. Feld-lazareth 111. Armeekorps) gemeldet; derselbe betraf einegeheilte Fleischschusswunde am Oberschenkel. Ende Januarnistete sich jedoch in Etampes, dem Etablirungsorte des9. Feldlazareths VI. Armeekorps, an der grossen HeerstrasseOrleans—Paris nördlich Artenay gelegen, Hospitalbrandendemisch ein. Die erste Erkrankung kam im dortigenCollege vor; der Befallene wurde vor Ablauf von 24 Stundenin ein besonderes Zimmer des Seitenflügels, der nie mitKranken belegt war, gebracht. In kürzester Frist jedoch
[ erkrankten, buchstäblich über Nacht, noch 4 Verwundetein demselben Gebäude und 2 in der Unter-Präfektur ingleicher Weise. Die ganze äussere Station wurde über-geführt; die von Brand Befallenen verlegte man nachBchloss Vandouleurs, welches bis dahin lediglich mitRekonvaleszenten von inneren Krankheiten belegt, völliggeräumt und gründlich gereinigt war. Die 7 Brandkrankenwurde« in 6 geräumigen, gut zu lüftenden Stuben unter-gebracht und ein besonderes ärztliches und Wärterpersonalzu ihrer Pflege verfügbar gemacht. Der Verlauf warbei allen 7 Mann ein günstiger. Weitere Erkrankungen
I Wieben aus.
Auch im Norden von Paris hatten im Januar einzelneWüarethe mit Hospitalbrand zu kämpfen; am schwersten►nrde das 8. Feldlazareth I. Armeekorps in Amiens heim-gesucht. Die Zahl der bezüglichen Kranken beschränkte«eh anfangs auf 8, welche auf besonderen Wunsch derBehörden aus dem Französischen Höpital Grand Lyce'edem genannten Feldlazareth überwiesen wurden; trotz dergrössten Vorsicht, trotz besonderen Wartepersonals, trotzAbsonderung, bester Lüftung und guter Verpflegung tratenauch in gesonderten Eäumlichkeiten vereinzelte (6) Fälleauf. Nach den Gefechten bei Bapaume und St. Quentinwuchs die Krankenzahl durch Ueberführung dorther baldN 24; auch im Februar nahm das Wundleiden die ganze
j Inätigkeit des Lazareths in Anspruch; da eine besondere
I Station für Brandkranke errichtet war, erhöhte sich durch
Sanitäts-Bericht über die Deutschen Heere 1870/71. III. Bd. Allgem. Theil.
Zugang aus anderen Lazarethen (Hotel Dieu und Bapaume)und durch einige neue Fälle des 8. Feldlazareths selbst dieZahl abermals bis auf 23. Ein grosser Theil genas bereitsEnde Januar; Ende Februar konnten 18 mit gut aus-sehenden Wunden nach der Heimath entlassen werden.
Nach dem Berichte eines Französischen Arztes,Dr. Leroy, kamen in Amiens im dortigen Lycee undHospital bereits im September die ersten Erkrankungenan Hospitalbrand vor, wie es scheint, eingeschleppt durchVerwundete von Sedan; bald erreichte die Erkrankungepidemische Verbreitung; der Beginn einer zweiten Epidemiedaselbst stammt von Ende November nach der Schlacht beiAmiens.
Um dieselbe Zeit zeigte sich Hospitalbrand an denEtappenorten Reims und Nancy. In Reims trafen nachdem Bericht des chirurgischen Konsulenten beim dortigenGeneral-Gouvernement, Professor Hueter, in der 2. Wochedes Januar aus den Lazarethen von Amiens und Umgebungmehrere Verwundete mit sehr schlecht aussehenden Wundenein, bei 2 fand sich ausgesprochener Hospitalbrand. ImVerlauf des Februar, nachdem Ende Januar sehr zahlreichefrisch Verwundete von der Schlacht bei St. Quentin inReims aufgenommen worden waren, wurden in allenLazarethen neben Erysipelas-Erkrankungen zahlreiche Fällevon Hospitalbrand wahrgenommen.
Ein Lazareth zeichnete sich durch die Menge undHeftigkeit der Erkrankungen aus, das Petit Seminaire, in-dessen waren zufällig gerade hier schwere Verletzungenin grösserer Zahl angehäuft. Mehrere Räume hatte manvordem als Schlafsäle benutzt; im Uebrigen gestattete dasPetit Seminaire eine sehr vollkommene Luftcirkulation.Bemerkenswertherweise war zur selben Zeit die Wund-heilung in einem grossen Lagersaal einer Wollfabrik inVilleminot sehr gut, obgleich hier viele Schwerkranke mitVerwundeten in einem einzigen, nur ungenügend ventilir-baren Räume zusammen lagen. Ende Februar konnte dieEpidemie in Reims als beendet betrachtet werden.
In Nancy erkrankten im dortigen, zum Kriegslazaretheingerichteten Tabaks-Manufakturgebäude im Januar 10 Ver-wundete, welche in einem über der Leichenkammer ge-legenen Saale hatten untergebracht werden müssen, anHospitalbrand. Im März stellten sich in demselben Ge-bäude zwei weitere Fälle ein.
Es erübrigt hinzuzufügen, dass man im DezemberWunddiphtherie vereinzelt in Bar le Duc, mehrfach inPfalzburg im dortigen Militärhospital sah, ebenso imJanuar bei einigen Bayerischen Aufnahms-Feldspitälemim Süden von Paris, sowie nach der Schlacht bei Beifortin Dole, Gray und namentlich in Morvillars (3. und8. Feldlazareth XIV. Armeekorps).
Im MilitärlazarethzuStrassburg zeigte sich im Februarund März in einigen Fällen nekrotischer Granulations-Zerfall, welcher zur Anwendung des Glüheisens ver-anlasste. Während der Belagerung war nach den Mit-
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