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II. Kapitel: Wandkrankheiten.
Band III. Allgem. Thrill
befand sich eine Scheune und eine Tuchfabrik. Alle dieseRäumlichkeiten waren mit Verwundeten belegt, ja selbstalle Gänge. Die ersten Septembertage waren sehr heiss,die Nächte kalt, fast jeden Abend oder Nachts entluden sichGewitter mit Sturm und Regen; das Wasser war nichttrinkbar und knapp. Ausserdem wurde bald, durch denherrschenden Temperaturwechsel begünstigt, ringsherumfurchtbarer Leichengeruch verbreitet. Unter diesen Um-ständen dauerte es nicht lange bis zum Auftretenschlimmer Wundkomplikationen. Anfangs wurden dieWunden nur mit Charpie, in Karbolsäurelösung getaucht,verbunden. Die Granulationen hatten begonnen, und guteEiterung fand statt. Wenige Tage später zeigten sich dieGranulationen und die Umgebung der Wunde ödematösgeschwellt, die Ränder lebhaft geröthet und die Wundemit einer schmutzigen weissen Haut belegt, welche sichnicht ganz von der blutenden Unterlage abschaben Hess.Starke Karbolsäurelösung hatte im Allgemeinen insoferneine günstige Wirkung, dass man in manchen Fällen beikleinen Verletzungen diesen Belag schwinden sah; meistaber, insbesondere bei grösseren Weichtheilverletzungenund Operationswunden kehrte der Belag gleich wieder,Fieber und Schmerzen wurden lebhafter, junges Narben-gewebe sogar wieder zerstört und es bildete sich nach undnach eine Geschwürsfläche mit höchst üblem Gerüche. DieVerbände wurden öfters während des Tages erneuert, dieWundfläche unter Anwendung eines Irrigators mit warmemWasser gereinigt, mit Karbolsäurelösung oder manchmalmit Eisenchloridlösung verbunden; Narcotica, Chinin, leichtverdauliche kräftige Kost, Wein. Kranke, bei denen dieweisse Haut sich rasch von Neuem bildete, besonderssolche, die ausserdem mit Ruhr behaftet waren, verfielenbald und starben rasch. Die Verwundeten, sowohl diejenigenim Freien, Garten, unter Zelten, ebenso wie diejenigen imSchlosse unter dem Dache, wurden gleichmässig ergriffen,die Erkrankung hatte auch gleichen Verlauf. Wundrosetrat selten und nur leicht auf.
In Sedan selbst zeigte sich bis Ende November Wund-diphtherie in den einzelnen Lazarethen auf dem KronwerkAsfeld und im Höpital militaire; in beiden Lazarethenfand sich die grösste Unsauberkeit vor; in dem letzt-genannten bildeten die in jedem Stockwerk belindlichenzwei Abtritte grosse Kothgruben. Nach gründlicher Des-infektion der Oertlichkeiten und Aetzung der Wunden mitKarbolsäure besserte sich die Wundheilung.
Im Schlosslazareth zu Versailles (12. FeldlazarethV. Armeekorps) gelangten vom 19. September bis AnfangNovember 8 Mann mit Wunddiphtherie in Behandlung, imNovember folgten ganz vereinzelt andere; im Dezemberwurden sechs Erkrankungen beobachtet in abgesonderten,zum Theil bis dahin gar nicht, zum Theil nur schwach be-legten, neu ausgestatteten Zimmerreihen. Die Wände einigerZimmer waren mit Oelbildern behängt. Bei dem Mangelanderer Anhaltspunkte wurde der A r erdacht geltend gemacht,
dass der hinter den frei hängenden Bildern angesammelt!Staub vielleicht als Schädlichkeit gewirkt habe.') Auf eint!neu eingerichteten Station, welche mit ganz wenigen, aileine Reihe sehr grosser Zimmer vertheilten Verwundeten!darunter 2 Amputirten, belegt war, kam im Dezentbe!1870 eine Anzahl Verwundeter (16), meist leicht Verletzi<|aus Chartres in Zugang. Dieselben kamen meist iniVerfassung an, erschöpft, voll Schmutz, durchkältet. Zw ITage später trat bei 2 Amputirten unter allgemeinen h\scheinungen Wunddiphtherie auf, ebenso bei 3 anderalleicht Verwundeten. Unter genau denselben Verhältnisseilund obwohl auch dort Verwundete aus Chartres unter-lgebracht wurden, blieben eine Treppe höher die Wunden!rein und frisch. Auch in den zahlreichen Sälen, dieMonaten mit vielen Schwerkranken belegt waren, zeigt»sich gerade damals keine Spur von Diphtherie.
Einzelne mit Wunddiphtherie Behaftete beherbergte auclldas Militärhospital zu Versailles im Januar, währenijHospitalbrand in beiden Lazarethen nicht gesehen wurdu
In Corbeil (6. Bayerisches Aufnalmis-Eeldspital) inachltlsich Anfang Oktober Hospitalbrand vereinzelt bemerkte!
Zu Orly, südlich Paris, dem Etablirungsorte des 4. Felllazareths VI. Armeekorps, erkrankte Ende OktobiSchalgebäude ein Verwundeter (Schussbruch des Oberarmenin der vierten Woche plötzlich an Wunddiphtherie tmt< |gleichzeitigen Halsbeschwerden und heftigem Fieber; nadAnwendung von Chlorkalk wurde nach drei Tagen iWundheilung wieder regelmässig.
In La Queue en Brie (8. Feldlazareth IL Armeekorps),südöstlich Paris bei Chennevicres, wurde im Januar Wund!diphtherie vereinzelt bei einem Amputirten nachgeflder Kranke lag in dem dortigen schlecht gelüfteten Schlosiin einem Zimmer, dessen Holzwerk vom Hausschzerstört war.
Grösser war die Zahl der Verwundeten, welche zilMeung sur Loire, südwestlich Orleans, in dem als Ktie jlazareth dienenden alten Schlosse im Dezember \V«diphtherie bekamen. Das Schloss war schlecht zu lüften Iund wurde als Lazareth aus Französischen Händen in Müblem Zustande übernommen; Fussboden, Betten und Unta»llagen waren mit Blut und Eiter beschmutzt. Trotz Iführung und Desinfektion brach im Januar Hospitalbraniaus, welchem 3 Verwundete erlagen, darunter einer:einem anscheinend geringfügigen Streifschuss am Schienb«|
In Le Maus (3. Feldlazareth X. Armeekorps) tratider Halle aux toiles, welche seit lange mit Verwundet«stark belegt war, im Januar 1871 bei sieben Verwundet«!Wunddiphtherie auf; zunächst bei einem Füsilier, derverschiedenen Schusswunden Frostbrand an den Zehlinken Fussea hatte und schwerkrank zuging; die Dipbtherielzeigte sich nur an einer Wunde am rechten Oberschenkel:!gleich nach ihm erkrankte sein Nachbar ebenfalls ai
!) Vergl. vorstehend Seite 72.