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3. Chirurgischer Theil A (1890) Die Verwundungen durch Kriegswaffen bei den Deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71 : Allgemeiner Theil
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Band III. Allgem. Theil.

II. Abschnitt: Hospitalbrand und Wunddiphtherie.

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theilschuss am linken Untersehenkel. Die "Wunde zeigte Brandmit Schwammbildung; aufgenommen den 12. August; geheiltentlassen den 26. November.

2. C. H., Soldat im 3. Hessischen Infanterie-Regiment No. 83,verwundet am 6. August bei Wörth: Schussverletzung deslinken Oberschenkels unter dem Kollhügel; aufgenommen am14. August; auf der Wunde gangränös-pulpöse Massen; nachReinigung der Wunde Rückfall, wobei sich auf der Wundflächeein Schwamm von der Grösse einer halben Billardkugel erhob;geheilt entlassen am 17. Dezember.

3. J. M., Soldat im 3. Hessischen Infanterie-Kegiment No. 83,Streifschuss am Hals bei Wörth am 6. August; aufgenommen amH.August: Die sehr lange Wunde zeigte brandigen, grauendiphtherischen Belag; am 1. Oktober geheilt entlassen.

4. J. St., Gefreiter im 3. Bayerischen Infanterie-Regiment,erhielt in der Schlacht bei Wörth am 6. August eine durchbohrendeBauchwunde mit Ausgang durch die Beckenknochen und gleich-zeitig einen Streifschuss am linken Oberschenkel; aufgenommenam 14. August: Die Wunden hatten einen grauen, gangränös-pulpösen Belag mit ichoröser Absonderung. Starb am21. August.

In den Feldlazaretten vor Metz waren bereits vomMonat August ab Wunddiphtherie und Hospitalbrand ver-einzelt vertreten.

In Ars sur Moselle zeigte sich im August Wund-diphtherie leichter Art unter den Verwundeten des 10. Feld-lazaretts VII. Armeekorps, welche in der dortigen gutdurchlüfteten Markthalle, der frei gelegenen Knabenschuleund einem sauberen Privathause untergebracht waren,während in der Gensdarmerie - Kaserne (1. FeldlazarethHI. Armeekorps), deren kleine Zimmer bis dahin vonvielen Familien bewohnt gewesen waren, trotz örtlicher Zer-streuung der Operirten bereits nach 3 Tagen 11 Operirteund 3 am Unterschenkel Verwundete vom Hospitalbrandheimzieht wurden; nur bei 3 der Ergriffenen war der-\ erlauf günstig, die übrigen starben. Die engen Gassendes kleinen Ortes waren zu damaliger Zeit mit thierischenAhfällen aller Art verunreinigt. Im Oktober erkranktenim dortigen Tanzsaal des Soleil d'or 3 Verwundete anHospitalbrand; die Wunden, welche vorher ungestört in derHeilung vorgeschritten waren, wurden plötzlich sehrschmerzhaft und nahmen schlechtes Aussehen an, auffälligff ar der schnelle Kräfteverfall und die niedergedrückteStimmung der Hospitalbrandigen; nach Anwendung desGlüheisens gestaltete der Verlauf sich günstig. Im No-T ember kamen innerhalb 14 Tagen 9 Erkrankungen anHospitalbrand hinzu, 2 endeten tödtlich. Der zum Kranken-raum eingerichtete Tanzsaal war lange Zeit vordem nur mit'«rundeten der schwersten Art dicht belegt gewesen, dieWt in demselben dumpfig. Nach Absonderung kam spätertarne weitere Erkrankung vor. In Gorze (2. FeldlazarethHI-Armeekorps) gab sich gegen Ende August bei 2 Schuss-«uchen Hospitalbrand zu erkennen; als Entstehungsursachess sich, da in dem betreffenden Zimmer alle hygienischen

Bedingungen die günstigsten waren, nur die Nähe einesMannes mit Druckbrand ausfindig machen. Im Septemberund Oktober wurden vereinzelte, günstig verlaufende Fällevon Hospitalbrand aus LesEtangs (9. Feldlazareth I.Armee-korps), Roncourt und Montois (12.Feldlazareth III. Armee-korps) mitgetheilt. In Courcelles wurden im Septemberdie Verwundeten, welche in dem dortigen Schulgebäude,Rathhaussaale und in der Kirche untergebracht waren(9. Feldlazareth VII. Armeekorps), in grösserer Anzahl vonWunddiphtherie befallen, vornehmlich Amputirte; um die-selbe Zeit trat die Erkrankung in Pont a Mousson(Dragoner-Kaserne, 7. Feldlazareth X. Armeekorps) undbald darauf im Oktober in Hagondange (6. FeldlazarethX. Armeekorps) und in Verneville (6. FeldlazarethIX. Armeekorps) auf. Im letztgenannten Dorfe gewannsie grössere Verbreitung; die Verwundeten mussten daselbstin unheizbaren Räumen gelagert werden, in deren Nähe zahl-reiche grosse Düngerhaufen sich vorfanden; an den kaltenregnerischen Oktobertagen froren die Kranken unter denwollenen Decken; nach Uebersiedelung in das '/< Meile ent-fernte Schloss Villers aux Bois, welches wesentlich bessereGesundheitsbedingungen bot, wurde die Wundheilung gut.In Pont ä Mousson zeigte sich späterhin Wunddiphtheriehäufiger in dem zum Kriegslazareth eingerichteten Petit-Seminaire, welches vom Monat August an dauernd mitVerwundeten und Kranken, darunter Ruhr und Typhus,voll belegt und zeitweise ausserordentlich überfüllt war.Bei Einzelnen entwickelten sich leichte Formen vonHospitalbrand. In Teterchen fiel im November in denKriegslazarethräumen des dortigen Klosters bei fast allenVerwundeten eine ungewöhnliche Neigung zu diphtherischenWundbelägen auf, die Räume des Klosters selbst erschienennicht ungünstig, indess waren die Aborte schlecht zu lüften,imDorfe lagen Düngerhaufen angesammelt; trotz dergrösstenReinlichkeit beim Verbinden wurde lange Zeit eine Besserungin der Wundheilung vermisst.

In Metz selbst war, wie aus den Mittheilungen vonChenu hervorgeht, im LycCe Hospitalbrand gegen Endeder Belagerung zum Ausbruch gekommen, überhaupt aberin den dortigen Lazarethen daselbst sehr ausgebreitet:

Parmi les complications des plaies nous signalerons surtoutla pourriture d'hopital, parce qu'elle a fait d'affreux ravages chez

les blesses en general, notamment chez les amputes,.....il

vint un moment, malgre les indications les plus precises onn'amputa plus." (Chenu S. 479.) An einer anderen Stelle(S. 478) heisst es:Metz, Ambulance du Sauley. Les hommesy sont arrives dejä condamnes par la pourriture d'hopital."

Bald nach der Schlacht bei Sedan entwickelte sich inBazeilles Hospitalbrand.

Der während der Schlacht in dem Schlosse Bazeilleserrichtete Verbandplatz wurde am 3. September demIV. Bayerischen Aufnahms-Feldspital als Ort seiner Thätig-keit angewiesen. Das Schloss stand in einem Park, dessenRückseite von stehendem Wasser umgeben war; daneben