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II. Kapitel: Wundkrankheiten.
Band III. Allgem. Thei
Zweiter Abschnitt.Hospitalbrand und Wunddiphtherie.
Vorbemerkung.
Bei der Verschiedenheit der Grenzen, welche den Krank-heitsbegriffen „Wunddiphtherie" und „Hospitalbrand" in Folgeunserer Unkenntniss von dem eigentlichen Wesen des Hospital-brandgiftes zur Zeit noch gesteckt werden, und bei dem häufigenWechsel beider Bezeichnungen für Erkrankungen gleicher Artseitens einzelner Berichterstatter muss von einer gesondertenDarstellung des Hospitalbrandes einerseits, der WuDddiphtherieandererseits Abstand genommen werden. Eine kritische Scheidungist nachträglich nur in sehr beschränktem Maasse möglich,da — aus leicht erklärlichen Gründen — in den Berichtensich meist nur allgemeine Zahlenangaben vorfinden ohneSchilderung der pathologischen Vorgänge. Anscheinend war
man im Allgemeinen wenig geneigt, Wunddiphtherie im;Hospitalbrand als eine und dieselbe Krankheit anzusehen; glwohl bezeichnete man offenbar vielfach die minder ausgesprochen!!Formen des Hospitalbrandes als Wunddiphtherie. Eine gemein-same Darstellung entspricht insofern dem praktischen Bedürfnisals beide Arten der Wundflächenerkrankung unter gleichen Um-ständen zur Beobachtung kommen, im einzelnen Falle dit-gnostisch nicht scharf zu trennen sind und sowohl hinsichtlitldes Heilverfahrens als hinsichtlich der vorbeugenden An-ordnungen im Wesentlichen gleiche, nur gradweise verschieden!Maassregeln beanspruchen.
I. Zeitliches und örtliches Auftreten.
A. Häufigkeit im Allgemeinen.
Hospitalbrand trat während des Deutsch-FranzösischenFeldzuges 1870/71 bei Weitem nicht in der verheerendenWeise auf, wie in frühereu Kriegen; 1 ) er kam verhältniss-mässig öfter vor in den Lazarethen des Inlandes, währendWunddiphtherie häufiger in den Feldlazarethen beobachtetwurde. Die Uebersicht auf S. 94/95 giebt die Anzahl deraus den Zählkarten gesammelten Fälle beider Krankheitenauf 206 an, — nur ein Theil der Gesammtzahl, wie aus demNachstehenden hervorgeht.
Die Feldlazarethe des Gardekorps, des IV. undXL Armeekorps blieben von beiden Wundkomplikationenanscheinend unbehelligt; beim IL, V., IX., X. undXIV. Armeekorps berichtete man lediglich von Wund-diphtherie, bei dem L, III., VI., VII. und VIII. Armee-korps daneben auch von Hospitalbrand, aber auch hiernur aus einer kleinen Zahl von Feldlazarethen und meistüber vereinzeltes Vorkommen. Epidemische Verbreitungerreichte der Hospitalbrand bei den Feld- und Kriegs-lazarethen in Ars sur Moselle in den Monaten Augustund November 1870, in den Feldlazarethen zu Amiensund Etampes sowie in den Kriegslazarethen zu Reimswährend der Monate Januar und Februar 1871 mit dem
i) Vergl. H.Fischer, Kriegschirurgie. 2. Aufl., I. Bd., S. 362.
Höhepunkt im Januar. Bemerkenswerth ist, dass in cfaKriegslazarethen zu Weissenburg und Wörth Hospitalbrand nicht zum Ausbruch kam.
Unter den Reservelazarethen hatten die des XL Arm»korpsbezirks am meisten mit dieser Komplikation akämpfen; grössere Ansammlungen von Hospitslbrandigeifanden ausserdem statt in Berlin, Düsseldorf, Han-nover, München.
B. Auf dem Kriegsschauplätze.
Die ersten Fälle von Hospitalbrand ereigneten sielbereits wenige Tage nach den Schlachten bei Spichereiund Wörth.
In der Französischen Grenzstadt Forbach fand Fisch«einen verwundeten Franzosen vor, welcher 5 Tage ta'nach der Schlacht hilflos im Walde gelegen hatte; a»linken Unterschenkel war ein grosses hospitalbrandigsGeschwür zu sehen.
Diese Erkrankung blieb in Forbach vereinzelt. Indieselbe Zeit trafen von Wörth 4 Verwundete, 3 Preussei1 Bayer, mit pulpösem Hospitalbrand behaftet, in de»Feldspital zu Neuberghausen bei München (Profes*Dr. Grote) ein.
1. H. H., Unteroffizier vom Westfälischen FüsilierRegiment No. 37, verwundet bei Wörth am 6. August: W