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3. Chirurgischer Theil A (1890) Die Verwundungen durch Kriegswaffen bei den Deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71 : Allgemeiner Theil
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Band III. Allgem. Tbeil.

I. Abschnitt: Wundrose.

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87 Todesfälle angegeben werden, so muss auch hier (wieschon in der Vorbemerkung zu diesem Kapitel geschah)daran erinnert werden, dass keineswegs bei allen daselbstals gestorben Aufgeführten die verzeichnete Wundkrank-heit als wirkliche Todesursache betrachtet werden kann.Obige Zahl sagt vielmehr nichts Anderes, als dass 87an Wunden Gestorbene kürzere oder längere Zeit vorihrem Tode an Wundrose gelitten hatten. Nach den Be-richten aus Lazarethen waren sogar diejenigen Fälle imGanzen und Grossen selten, in welchen Wundrose denohnehin in Aussicht stehenden tödtlichen Ausgang auchnur beschleunigte.

Beim Bayerischen Aufnahms-Feldspital in Bazeillesereignete sich ein Todesfall nach Erysipelas, welches sichzu einer an sich leichten Verwundung unterhalb des Knie-gelenkes hinzugesellte. Der Rothlauf verbreitete sichnicht nur über die ganze Gliedmaasse, sondern auch überden Bauch und Bücken bis zur Spitze des Schulterblatts,doch nur halbseitig; der Entzündung folgte ausgedehnteEiterung und brandige Zerstörung der Haut. Nach Ab-stossung der abgestorbenen Theile trat der Tod ein.

InGrand-Seraucourt (2. Feldlazareth I. Armeekorps)wurde wegen Schlagaderblutung aus einer Kniegelenks-pchusswunde die Unterbindung der Schenkel-Schlagaderausgeführt; 3 Tage später stellte sich Wundrose ein, welchesich über das ganze Bein ausdehnte; 9 Tage darauf tratder Tod ein. J )

Vereinzelte Todesfälle in Folge von Wundrose kamenferner vor im Schlosslazareth zu Versailles, in denBeservelazarethen zu Moabit, Potsdam, Aachen, Gotha,Frankfurt a. M. und Freiburg in Baden; bei einemdieser Kranken erfolgte der Tod unter Lungenödem, auf dieübrigen übte die Wundrose zum Theil einen so schwächendenEinfluß aus, dass das tödtliche Ende durch Erschöpfungbedingt war, zum Theil entwickelte sich unter Ver-schlimmerung der Eiterung chronische Pyämie mit tödt-lichem Ausgange.

In Amiens (8. Feldlazareth VIII. Armeekorps) er-folgte der Tod bei mehreren Verwundeten durch Pyämieim Anschlüsse an Erysipelas.

Im Berliner Barackenlazareth starben bei bestehendemErysipel von 127 Kranken 10, kürzere oder längereZeit danach 13. Alle Gestorbenen waren Schwerver-

') "Vergl. Speziellen Theil dieses (III.) Bandes S. 805 No. 287.

wundete (fast die Hälfte hatte Oberschenkelbrüche). Nurwenige derselben waren vor Eintritt des Erysipelas inverhältnissmässig normalem Kräftezustand, bei der Mehr-zahl derselben bestanden schwere örtliche oder allgemeineKomplikationen. Bei 9 Kranken waren letztere geradezudie wesentliche Todesursache. Diese Prozesse waren akuteZellgewebsentzündungen, tuberkulöse Entzündungen, Nieren-entzündung, Pyämie, Typhus. Bei mehreren Anderen warschon vor dem Auftreten der Rose die Vorhersage wegenPyopneumothorax (1 mal) und chronischer Gelenkeiterungen(4mal) eine hoffnungslose. Nach v. Steinberg betrug dieSterblichkeit durch Wundrose im Verhältniss zur Gesammt-zahl der Verwundeten für Berlin etwa 1 : 2132.

In Karlsruhe wurde unter 42 Fällen (einschliesslichG Rückfällen) bei 36 Verwundeten das Erysipel unmittelbartödtlich bei einem bereits geheilten, sehr günstig verlaufenenKnieschuss am 11. Tage der Erkrankung; die Heftigkeit desFiebers musste als Todesursache angesehen werden. DieLeichenöffnung zeigte eine frische Ansammlung von Eiter imGelenk, an den übrigen Organen nichts Abnormes. Bei dreiAnderen beschleunigte die Rose den tödtlichen Ausgang.

In Rouen (11. Feldlazareth I. Armeekorps) starben2 an wandernder Wundrose Erkrankte; die Sterblichkeitbetrug auf alle Erysipelasfälle berechnet 4.87 §, auf dieFälle von W T undrose allein berechnet 9.oo$; aber auchdieses Verhältniss darf, wie bereits oben erwähnt, als eingünstiges bezeichnet werden, da alle Erkrankten durch lang-wierige Eiterungen an Widerstandskraft verloren hatten.

Im Speziellen Theil dieses Bandes wird in den Kranken-geschichten 179 S. 797, 482 S. 1107, 504 S. 1113 und 232S. 1188 der Tod als unmittelbar abhängig von brandigerRose angesehen. Einfache Wundrose führte ferner dastödtliche Ende herbei bei einem Mann mit Schussbruch desrechten grossen Rollhügels (S. 58G No. 13) in dem 7. Krank-heitsmonat, bei einem Anderen mit Schussbruch des Ober-schenkels (S. 1066 No. 265) im 5. Monat zu einer Zeit, alsdas Allgemeinbefinden des Verwundeten gut, die Wund-eiterung aber noch reichlich war, endlich bei einem durchEiterung geschwächten Kranken mit Schussbruch der rechts-seitigen Fusswurzelknochen (S. 1206 No. 232) am 25. Krank-heitstage. Obwohl es schliesslich noch in einer Kranken-geschichte unter den Schädelschüssen (S. 96 No. 40) heisst,dass der Tod in Folge Wundrose eingetreten sei, sobleibt doch zu berücksichtigen, dass nach dem Sektions-ergebniss auch eitrige Hirnhautentzündung und ein Hirn-eiterherd vorlagen.