Band III. Allgem. Theil.
I. Abschnitt: Wundrose.
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bei offen behandelten Wunden, als bei Verband mit Salbenoder Karbolpräparaten in der damals üblichen Anwendungs-weise über welche das vorangegangene Kapitel nähereMittheilungen enthält. Erwähnenswerth erscheint, dass ineinzelnen Lazarethen, unter anderen im Schlosslazareth zuVersailles, Erkrankungen an Wundrose ausblieben, nach-dem die Schwämme verbannt worden waren.
Hinsichtlich des Einflusses der Nationalität seiLneeführt, dass im Garnisonlazareth Augsburg zu einergewissen Zeit unter 9 an Wundrose Erkrankten sich
1 Deutscher und 8 Franzosen befanden, während dasZahlenverhältniss der verwundeten Deutschen und Franzosenzu einander daselbst 52:45 war. Einen Grund für diezahlreichen Erkrankungen bei Franzosen glaubte man indem Mangel an Reinlichkeit bei den befallenen Zouavenund Turkos zu finden.
In den Lazarethen zu Karlsruhe konnte ein nennens-werther Unterschied hinsichtlich der Nationalität nicht be-merkt werden, indem von den Deutschen 6.4 $, von denFranzosen 6.7 JJ erkrankten.
III. Krankheitsverlauf.
Die Form der Wundrose war, soweit sich dies über-sehen lässt, meist die der einfachen erysipelatösen Ent-zündung: jedoch wurden auch Erysipelas bullosum 1 ) undUlegmonosum (?) an den verschiedensten Orten beobachtet;letzteres meist als schwere Komplikation bei Schussbrüchen.Mach Ablauf des Erysipelas kam es häufiger zu subkutanerfcbszessbildung, so z. B. in Schwetzingen, Coblenz.In Karlsruhe folgten unter 42 Fällen 6 mal Abszesse,1 mal am Gaumen. Im Berliner Barackenlazareth wordenunter 146 Erysipelfällen 22 mal subkutane Eiterherde, theilseinzeln, theils mehrfach, nie jedoch in sehr grosser Zahlwahrgenommen. Insbesondere endete Wundrose am Kopfund Gesicht häufiger mit Abszessbildung an den Augen-lidern oder am Unterkieferwinkel. An den Gliedmaassenentwickelte sich in einer Reihe von Fällen ausgedehnterBrand (Pont ä Mousson, Breslau, Ludwigsburg). 2 )
Die Ausbreitung der erysipelatösen Entzündung hielt■ich zumeist innerhalb engerer Grenzen. Trotz häufigerenVorkommens von Wanderrose sind doch die Fälle selten,in'welchen sie über den grössten Theil der Körperober-fläche sich ausdehnte; ganz vereinzelt solche, in welchender Rothlauf auf den ganzen Körper fortkroch. Bei derEpidemie in Beauvais kam nur 1 mal Wanderrose vor,in allen übrigen Fällen blieb der Entzündungsvorgang be-schränkt. In Rouen behielten unter 41 Rosen 36 mehroder weniger örtliche Verbreitung bei, nur 5 wanderten.Im Beservelazareth zu Wolfenbüttel wurde 1 Erysi-pelas beobachtet, welches beinahe die ganze Körperober-fläche einnahm. Im Reservelazareth zu Ahrensburg ver-breitete es sich einmal — von einem Streifschuss amKopf ausgehend — über den ganzen Körperstamm unterlebhaftem Fieber und heftigen Ilirnerscheinungen, erstnach 3 Wochen sich günstig entscheidend. Der am Darm-
') Vergl. Speziellen Theil dieses (III.) Bandes, S. 64 No. 5 und 6,s lw Xo. 4, S. 854 No. 60.
2 ) Vergl. Speziellen Theil dieses (III.) Bandes, S. 797 No. 179,S. 1020 No. 43, S. 1107 No. 482, S. 1113 No. 504, S. 1188 No. 232.
Sunitsts-Bericht über die Deutschen Heere 1870/71. III. Bd. Allgem. Theil.
bein verwundete Füsilier F. W. (Spezieller Theil S. 591No. 34) bekam von den Wunden aus Rothlauf, welchersich zunächst über beide Beine, Bauch und Brust, späterauch über Gesicht und linke Kopfhälfte fortpflanzte undüberstanden wurde. Die Krankheit hatte aber solche Ent-kräftung verursacht, dass der Verwundete einem bald daraufeinsetzenden Typhus schnell erlag.
Die Verbreitungsart der erysipelatösen Entzündungvon den einzelnen Körpertheilen aus war eine so mannig-faltige, dass eine Gesetzmässigkeit nicht erkannt werdenkann. Socin fand in den Reservelazarethen zu Karlsruhebestätigt, dass das Erysipel, je peripherischer es beginnt,desto seltener zu einem weithin wandernden wird; dassz. B. ein von einer Hand- oder Fusswunde ausgehenderRothlauf in der Regel auf das betreffende Glied beschränktbleibt, sogar oft das nächste Gelenk nicht überschreitet.Ritzmann konnte nach den Vorkommnissen im BerlinerBarackenlazareth nachweisen, dass Rose bei schweren Ver-wundungen durchschnittlich grössere Körperstrecken er-greift; ein Vergleich des Verbreitungsbezirks beim Ausgangvon Knochenschüssen des Oberschenkels einerseits, vonWeichtheilschüssen des Oberschenkels andererseits schiendies zu ergeben. Diesen Erfahrungen gegenüber ereignetees sich jedoch in anderen Lazarethen vielfach, dassErysipele, von leichten Verwundungen an Hand oder Fussihren Anfang nehmend, sich nicht allein über die ganzeGliedmaasse ausbreiteten, an welcher der Ausgangspunktsich befand, sondern über den Rumpf nach der entgegen-gesetzten Seite, sogar über den grössten- Theil der Körper-oberfläche. Nicht selten gingen Kopf-Erysipele auf denRumpf über und umgekehrt. Das Fortschreiten des Erysi-pelas von den oberen Gliedmaassen auf den Rumpf geschahim Berliner Barackenlazareth häufiger ('/a der Fälle), alsvon den unteren Gliedmaassen aus (79 der Fälle).
Ebenso mannigfach wie die Verbreitungsweise war dieDauer des Erysipels. Die längste Frist wird ausLes Etangs gemeldet: sie betrug 4 Wochen. Das Erysipelentsprang in dem betreffenden Falle von einem Schussbruch
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