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3. Chirurgischer Theil A (1890) Die Verwundungen durch Kriegswaffen bei den Deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71 : Allgemeiner Theil
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II. Kapitel: Wundkrankheiten.

Band III. Allgeni. Theil I

zelnen Lazarethen. In den Rcservelazarethen zu Karls-ruhe erkrankten an Wundrose von den

am Kopf Verletzten..... 7 £

am Rumpf Verletzten .... 1.6an den oberen Gliedmaassen 12.6an den unteren Gliedmaassen 6.1

Für diese ganz ungewöhnliche Häufigkeit bei Wundender oberen Gliedmaassen vermochte So ein keinen aus-reichenden Grund zu finden. In dem Berliner Baracken-lazareth nahm die Wundkrankheit verhältnissmässig amhäufigsten ihren Ausgang von den unteren Gliedmaassenund zwar überwiegend vom Oberschenkel. Ueber dieHälfte, 59 $, der Erysipele gingen von Wunden der unteren,ein Viertheil, 25 -jj-, von Wunden der oberen Gliedmaassen,9 § von Kopf- und 7 $ von Rumpfwunden aus, währenddas Zahlenverhältniss der Verwundungen an den betreffen-den Körpertheilen ungefähr folgendes war; Kopf 8.4 §,Rumpf 13.8$, obere Gliedmaassen 34.4$, untere Glied-maassen 43.2$; wenn somit in dem in Rede stehendenLazareth die Verletzungen der unteren Gliedmaassen gegen-über denen der oberen unzweifelhaft bedeutend überwogen,so wurde doch nicht das Verhältniss der Wundrose von59:25 erreicht. Auch in Mannheim waren es nachCzerny's Bericht Schussbrüche des Oberschenkels, welcheeine besondere Neigung zur Komplikation mit Wundroseverriethen. Im Reservelazareth Ludwigsburg zeigte sichdie Wundkrankheit vorwiegend an den Gliedmaassen.

Nicht selten wurde sie beobachtet bei Verbleib vonKugeln oder anderen Fremdkörpern, Tuchfetzen u. s. w.in der Wunde; nach Herausnahme derselben trat dasErysipel oftmals schnell zurück. So wurde z. B. beim10. Feldlazarett in Cheuvy bei Metz im August eineWeichtheilwunde am Oberarm bereits am 2. Tage vonErysipelas ergriffen, während bei allen übrigen Wundender Heilungsverlauf ein normaler war; am 3. Tage wurdedie in der Wunde befindliche Kugel entfernt; am 4. TageHess das Fieber bereits nach, das Erysipel wurde rück-gängig.

Ferner zeigte sich Wundrose vielfach bei Anwesen-heit von Knochensplittern in der Wunde und beiEiterverhaltung. Von den zahlreichen Mittheilungen dieserArt sei nur Folgendes hervorgehoben:

In dem Reservelazareth zu Coblenz wurde beob-achtet, dass die Entleerung von Knochenstücken beimehreren Verwundeten mit dem Verschwinden des Erysi-pels unmittelbar zusammenfiel; Schinzinger betont, dassim Reservelazareth Schwetzingen die Wundrose zur Zeitder lebhafteren Sequester-Losstossungen häufiger auftrat.Im Berliner Barackenlazareth handelte es sich unter denKnochenverletzungen, welche von Erysipelas befallen wur-den, meist um verwachsene Schussbrüche, bei denen nochSequester in Abstossung begriffen waren. Wo bei kleinenWunden in der Tiefe noch abgestorbene Knochenstücke

sassen, wurde auch eine auflallende Neigung zu rückfälligen!Erysipelen wahrgenommen. Fischer berichtet aus seineilLazarethen vor Metz:Ein Theil der Rosen hatte seine!offenbaren Grund in Eiterverhaltungen; diese sahen fjt|schnell weichen nach Beseitigung der Ursache."

Andererseits folgte Rose oft auf chirurgische Ein-Igriffe, sowohl bei frischen als auch bei alten Wunden.auf ganz unbedeutende Untersuchungen und Operationen!Fast aus jedem grösseren Lazarethe werden Beispiele dieserlArt berichtet. Im Speziellen Theile dieses (HI.) ]>aml-|ist eine Reihe hierhergehöriger Erfahrungen niedergelegt, 1Welche Rolle neben der Infektion auch die individuellEmpfänglichkeit spielt, dafür giebt unter Anderen &MKrankengeschichte 412, S. 1095, lehrreiche Auskunft. h|Wundverlauf eines Oberschenkelschussbruches wurden wege!Eiterveihaltung häufige Einschnitte und Splitterentfernnngeilnothwendig.Auf jeden Eingriff folgte heftigelangandauernde Rose."

Wegen der Häufigkeit der Rose nach grössere«!Operationen siehe Tabelle XXII (auf Seite 95* ff.) dalOperations-Statistik.

Die im Berliner Barackenlazareth gemachten Er-|fahrungen gestalteten sich nach Ritzmann's Zusammen!Stellung folgendermaassen:

Von 142 Wunderysipelen entstanden:

1) nach chirurgischem Eingriff....... 48 Fälle,

2) ohne vorausgegangenen chirurgischenEingriff .................. 46 Fälle.

(Keine Angabe ist gemacht bei 48 Fällen.)

Die Zeit des Eintritts der Wundrose nach den chirui-jfrischen Eingriffen war verschieden; zuweilen zeigtder Beginn bereits nach 6 bis 24 Stunden, bei Aierst am 3. bis 4. Tage. Dass es sich dabei fast durchnJum unmittelbare Infektion durch Instrumente oder Igehandelt hat, wird heute Niemand bezweifeln.

Bei bestehender Wundrose wurden, so weittheilungen darüber vorliegen, operative Eingriffe nunternommen. Seite 812 des Speziellen Theiles dieaiBandes ist zwar erwähnt, dass bei dem Franzosen G. IRose mehr brandiger Natur gewesen sei und die Ahsetznmdes Unterschenkels nothwendig gemacht habe, allein daleigentliche Anlass zur Operation war wohl, wie aus deilAngaben in der Kasuistik des V. Bandes des Berichtes |schliessen ist, in der Karies des Fussgelenks zu suchen. 2 )

In welchem Maasse die Art der Wundbehandlun»!das Hinzutreten von Erysipelas beeinflusste, ist nicht fcjzustellen. So viel ist sicher, dass Wundrose auftrat sowoi

i) Vergl. III. Band, Spezieller Theil, S. 137 No. 17, S. 4Tl|No. 76, S. 570 No. 2, S 847 No. 23, S. 858 No. 77, S. 868 Ko.lllS. 895 No. 246, S. 936 No. 84, S. 976 No. 358, S. 1041 No.|S. 1055 Fall 194, S. 1172 Fall 161, S. 1200 Fall 295.

2 ) Vergl. V. Band, S. 354, No. 54.