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3. Chirurgischer Theil A (1890) Die Verwundungen durch Kriegswaffen bei den Deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71 : Allgemeiner Theil
Entstehung
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II. Kapitel: Wundkrankheiten.

Bandlll. Allgem. Theil

Nach der Beobachtung von v. Beck wurden in dergrossen Gewerbsbaracke in Freiburg, ganz derRichtung eines starken Luftstroms entsprechend,in kurzer Zeit 4 Leute von Rose ergriffen. Zwei warennicht verletzt, bei den andern 2 hatte man Operationenverrichtet: dem einen war eine Balggeschwulst am rechtenoberen Augenlid entfernt worden, dem andern die abgestorbenelinke Hälfte des Unterkiefers resezirt. Der Erstere, welchergegen die ärztliche Anordnung mehrmals ohne Pussbekleidungbei feuchtkaltem Wetter in der Baracke herumgegangenwar, zog sich eine Gesichtsrose zu. Diese breitete sichimmer mehr aus, nahm nach einiger Zeit eigentlich denganzen Körper ein, war zwei Mal im Rückschritt begriffen,kehrte aber wieder und tödtete zuletzt durch ausgebreitetesLungenödem. Bei dem andern Manne nahm die Krankheiteinen günstigen Verlauf.

Mehr dem heutigen Standpunkt, von welchem ausman nicht zuerst und nicht lediglich anErkältung" zudenken braucht, wenn man eine Bedeutung der Witterungfür das Auftreten einer Infektionskrankheit anerkennt,nähern sich die Aeusserungen anderer Beobachter. Sospricht sich Lücke nach seinen Erfahrungen in Darmstadtdahin aus, dass wahrscheinlich irgend welche Witterungs-verhältnisse, z. B. der Barometerstand, der Entwickelungdes Erysipelas zuträglich seien, und Friedreich sagt an-lässlich der Erysipelas-Endemie in der Heidelberger Baracke:

So wenig wir im Allgemeinen die Entstehung vonErysipelas aus Erkältungsursachen in Abrede stellen wollen,so wenig waren wir im Stande, eine solche speziell fürdie in unseren Baracken sich ereignenden Fälle anzu-erkennen. Die zeitlichen Verhältnisse ihres Auftretens,sowie manche andere Umstände deuteten darauf hin, dasses sich nicht um Erkältungen, sondern um epidemisck-infektive Erkrankungsformen handelt, deren Entstehungselbst die grösste Reinlichkeit und die sorgfältigste Venti-lation nicht zu verhüten im Stande waren."

Andererseits konnte H. Fischer in den Lazarethenzu Styringen Forbach, Neunkirchen, Ottweiler,in welchen ebenfalls Rose vorkam, einen Einfluss desWetters überhaupt nicht erkennen.

Epidemische Einflüsse im allgemeinsten Sinne desWortes müssen jedenfalls in Betracht gezogen werdenangesichts der Thatsache, dass sogenannte spontaneErysipele, sowie Wundrosen in Lazarethen und ausserdenselben auf der weiten Länderstrecke von Amiens,Rouen und Chartres im Westen bis nach Stettin imOsten an den verschiedensten Orten zu gleicher Zeit amhäufigsten vorkamen, dass zu derselbigen Zeit, als inRouen Erkrankungen an sogenannten idiopathischenGesichtsrosen und Wundrosen in erstaunlicher Weiseendemisch sich häuften, in Stettin an entfernt von ein-ander gelegenen Punkten leichte Verwundungen und Zug-pflasterstellen von Erysipelas befallen wurden und Re-konvaleszenten von Pocken an Gesichtsrose erkrankten!

Auf gleiche Umstände ist gewiss auch ein grosser Thrillderjenigen Wundrose-Erkrankungen zurückzuführen, welolie Inach längeren, Tage und Nächte dauernden Transporten!beobachtet wurden.

Keineswegs in Widerspruch damit steht die An-|schauung, dass es sich an einzelnen Orten, wie in Stras-burg und Nancy, wo die Erkrankungen nur in einemSaaltleines grösseren Gebäudes vorkamen, um örtlich beschränkt |Infektionsherde gehandelt habe.

Der schon von den ältesten Chirurgen anerkanntet!Ansteckungsfähigkeit und UebertragbarkeitErysipels wird man heut für die Verbreitung der Krank-1heit während des Feldzuges eine noch weit grösseredeutung zuzuerkennen geneigt sein, als damals im All-Igemeinen geschah. Lücke erwähnt, dass im Darm-Städter Lazareth einmal der Nachbar eines an WundroseErkrankten angesteckt und dass die Endemie von Wurose aus dem Spital der Schwestern in eine Baracke ver- 1schleppt wurde. Gleiches ereignete sich nach SocinslBericht in Lazarethen zu Karlsruhe. In das Baracken-lazareth zu Aachen wurde nach der Angabe von Adenai|und von ( Kaven die Rose eingeschleppt und es häuften]sich dann die Erkrankungen.

In dem Berliner Barackenlazareth hat nach ßitz-lmann's Untersuchungen die Kontagiosität eine wesentliche]Rolle gespielt; in der Hälfte aller Fälle, d. h. 70 1erwies sich die Annahme einer unmittelbaren UebertraguMJoder Ansteckung möglich. 21 = '/? derPälle Hessen siel]durch die Wahrscheinlichkeit einer Uebertragung durcl Idie Aerzte erklären. In denjenigen Winter - Baracken!welche mit Erysipel-Kranken oder -Rekonvaleszenten be-lzogen wurden, kam Rothlauf häufiger vor; in anderen,!welche neu erbaut oder wenigstens bis dahin frei!geblieben waren, ereigneten sich auch während JmWinters Arenige oder keine Fälle. Eine bestimmte Verlbreitungsart bei Häufungen von Erysipelas innerhalb einer!Baracke war nicht zu erkennen. Einige Male (6 Falle [wurde eine Erkrankung von Nachbarn Erysipelatöser beob-achtet. Auch das Vorkommniss in Parigne, woWirth eines Gasthofes zuerst an Gesichtsrose darnieder- 1lag und bald danach Verwundete in demselben Hausevon 2- bis 3tägiger Wundrose befallen wurden, kann mit!der Ansteckungsfähigkeit des Erysipelas in Beziehung ge-lbracht werden. In einem Reservelazareth zu Dessau]bekam im Oktober 1870 ein verwundeter Lazaretligehilfi] Schussbruch des rechten Schlüsselbeins währen!|der Visite einen heftigen Schüttelfrost. Am nächsten Tag«zeigte sich ein Erysipel von der Wunde ausgehend, ai|3. Tage stellte sich bei einem gegenüberliegende« FSoldaten Prellschuss gegen die Wirbelsäule heftiger]Schüttelfrost und ebenfalls Erysipel ein; gleich-zeitig aber erkrankte der Wärter an diphtherischer]Mandelentzündung; alle 3 Fälle endeten günstig. 1^]Erysipel des zuerst Erkrankten verbreitete sich fast über]