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3. Chirurgischer Theil A (1890) Die Verwundungen durch Kriegswaffen bei den Deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71 : Allgemeiner Theil
Entstehung
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BandHI. Allgem. Theil.

I. Absclmitt: Wundrose.

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Eröffnungsstelle eines Parotisabszesses ausgehendes, undbereits am 14. April bei dem Typhuskranken B. (auf-genommen am 29. März) ein von einem Druckbrand-eeschwür an der linken Hüfte beginnendes, sich weit ver-breitendes Erysipel.

Vereinzelt wurde über Wundrose ausserdem aus denLazarethen Saarbrücken und Umgebung, aus Benrath,Frankenstein, Marburg, Naumburg, Dessau, Son-dershausen, Neustadt a. W. und Stargard i. P. biszum Oktober, im November und Dezember aus Frank-furt a. 0., Hamm, Cassel, Gotha, im Januar und Fe-bruar aus Neuhaus, Eisenach und Eichstedt, von dabis zum Mai aus Hanau, Oldenburg und Wolfenbüttelberichtet.

Zeitliches Auftreten.

Wenn man nun zusieht, wie sich das Auftreten derWundrose vom August 1870 bis Juli 1871 in den durchganz Deutschland und den nördlichen Theil Frankreichsbis zur Loire herab zerstreut liegenden Lazarethen derZeit nach vertheilt, so ergiebt sich, dass in jedem ein-zelnen Monat Erkrankungen vorgekommen sind, dass eineZunahme derselben in den Monaten September und Oktoberstattfand und eine noch grössere Steigerung vom Dezember1870 ab bis gegen Ende Februar 1871 eintrat, mit demHöhepunkte im Januar 1 ); auf die Wintermonate entfallensowohl die meisten zerstreuten Erkrankungen in sonst

') Diese zeitliche Vertheilung entspricht im Wesentlichen (nament-lich hinsichtlich des Höhepunktes im Januar) den Schwankungen,welche die Erkrankungen an Rose im Laufe des Jahres bei der

erysipelfreien Lazarethen, als auch die grösseren Epi-demien an einzelnen Orten im okkupirten Theile Frank-reichs und in Deutschland. Von diesem Zeitpunkte annimmt die Häufigkeit stetig ab.

Im Monat August zeigte sich Erysipel bei einigenLazarethen vor Metz in Les Etangs, Gorze, Pont äMousson und Courcelles, und im Inlande zerstreut inLazarethen zu Potsdam, Naumburg, Frankenstein(VI. A. K.), Engers, Marburg. Während der MonateSeptember und Oktober steigerte sich die Zahl der Er-krankungen in Pont ä Mousson und Les Etangs,ausserdem traten neue hinzu in St. Privat, Verneville,Styringen Forbach, Nancy, Floing, Bazeilles,Etampes: im Inlande machte sich eine Krankenzunahnu'in Potsdam, Frankfurt a. 0., Sondershausen, Dessau,Benrath, Hannover, Göttingen, Aachen, Coblenz,Lazareth Ziehwald bei Neunkirchen, Darmstadt, Mann-heim bemerklich. Im Januar und Februar ereigneten sichEpidemien in Amiens, Kouen, Grand-Seraucourt,Chartres, Orleans, Reims, Parigne, Strassburg, eineZunahme der Erkrankungen in Berlin, Potsdam, Stettin,Bremen, Frankfurt a. M., Eisenach, Schwetzingen.Fast gleichzeitig mit der im April in Frankreich vor-gekommenen epidemischen Ausbreitung in Beauvaiswurde Erysipelas in dem Heidelberger Baracken-lazareth und in dem bis dahin erysipelfreien Lazarethin Fulda beobachtet.

Friedensarmee aufzuweisen pflegen. (Vergl. II. Bd. dieses Berichtes,Tabelle III auf Seite 32 ff'., Spalte 14.)

II. Entstehung und Weiterverbreitung.

Ueberblickt man vom heutigen Standpunkte derChirurgie, welche die Wundrose als eine spezifische, durchMikrokokken verursachte Infektionskrankheit betrachtet, dieVerhältnisse, unter welchen sie zur Kriegszeit auftrat, sokann es sich nur darum handeln, die Bedingungen zuerforschen, welche ihreEntwickelung begünstigen konnten.Keine derselben vermag für sich allein Erysipelas zuschaffen, ebensowenig alle vereint, sobald man den wesent-lichen Faktor in der Anwesenheit des Pilzes erkennt;wohl aber mögen äussere Umstände auf dessen Ent-wickelung befördernd oder hemmend einwirken.

Als Hilfsursache im eben erörterten Sinne erscheinenzunächst atmosphärische Einflüsse, wie solche beson-ders die Winterzeit mit sich bringt. Vielfache Berichtestimmen darin überein, dass rascher Temperaturwechsel,grosse Kälte, nasskalte, regnerische Witterung und beson-ders die Einwirkung von Zugluft die Infektion begünstigten.Nach Virchow und v. Steinbera; fiel in Berlin das

Häufigerwerden des Erysipelas in mehreren Lazarethen inder Stadt und in den Baracken mit dem Eintritt derstärkeren Fröste zusammen; ausserdem beobachtete dererste Gewährsmann, dass die Krankheit in den Barackenauf dem Tempelhofer Felde bei Berlin im Winter 1870/71dann auftrat, wenn behufs besserer Ventilation einigeKlappen in den wegen des kalten Wetters sonst ge-schlossenen Dachreitern geöffnet wurden und die kalteLuft sich wie ein Wasserfall auf die Verwundeten ergoss.Auch Ritzmann bestätigte den wesentlichen Einfluss derkälteren Jahreszeit auf das häufigere Auftreten der Wund-rose; er erwähnt 6 Fälle aus dem Berliner Baracken-lazareth, bei denen eine stattgehabte Erkältung sichernachweisbar war, und diese fallen alle auf das Spätjahroder auf die Frühlingsmonate. Es waren Verwundete,zum Theil solche mit Kopfwunden, die entweder hinaus-gingen oder dem Durchzug besonders ausgesetzt waren, dabeiKälte empfanden und bald nachher unter Frost erkrankten.