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3. Chirurgischer Theil A (1890) Die Verwundungen durch Kriegswaffen bei den Deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71 : Allgemeiner Theil
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II. Kapitel: Wundkrankheiten.

Band III. Allgem. Theä.1

In Plessis-Bouchard (6. Feldlazareth IV. Armee-korps) gesellte sich im Februar Erysipelas zu einem Furunkelan der Oberlippe; unter massigen Fiebererscheinungen bliebdie Hautröthe zunächst auf die linke Gesichtshälfte be-schränkt und war bereits im Abblassen, als sie plötzlichunter Schüttelfrösten und gefahrdrohenden Hirnhaut-Er-scheinungen von Neuem auftrat und erysipelatöse Ent-zündung über beide Gesichtshälften sich ausdehnte. Weiterederartige Vorkommnisse wurden daselbst nicht beobachtet.

Die Lazarothe in Orleans, in welchen im Februarfast gleichzeitig 4 Fälle vorkamen, 3 im Lazareth Sacre-Coeur, 1 im Kloster de la Visitation waren bis dahinvon der Krankheit verschont gewesen.

In Pontarlier (12. Feldlazareth IL Armeekorps)wurden im Februar unerwartet mehrere Verwundete vonWundrose befallen; zur Zeit war Pontarlier mit Ver-wundeten überfüllt.

Das Militärlazareth zu Strassburg hatte im Novemberund Dezember einige Verwundete mit leichtem Wund-erysipel in Verpflegung; als im Januar und Februar sichohne nachweisbare Ursache die Wundrosen häuften (imGanzen 21 Fälle, darunter 6 von ausserhalb aufgenommen),errichtete man eine Absonderungsstation. Ein bereits imJanuar Erkrankter wurde im Februar nochmals ergriffen.Im Monat März kamen 3, darunter 2 ausserhalb des Laza-reths aufgetretene Erkrankungen hinzu. Dann folgten imMai wieder mehrere Fälle gerade bei unbedeutendenWunden in einem und demselben Saale. Die Erkrankungenwaren leichter Art, begannen aber mit heftigem Schüttel-frost; nach Räumung des Saales geschah keine Weiter-verbreituug. Als Quelle der Infektion wurden mit Unrathgefüllte Fugen des Bodens im Krankensaale angesehen.

Nach dem Berichte des konsultirenden Chirurgen,Professor Dr. Hueter, ereigneten sich zu Reims im Ver-laufe des Februar in allen Lazarethen zahlreiche Erkrankungen,nachdem Ende Januar nach der Schlacht bei St. Quentinplötzlich eine Anhäufung von Verwundeten eingetreten war.

In Rouen, dem Etablirungsorte des 11. FeldlazarethsI. Armeekorps, beobachtete man im Januar 1871 drei Fällevon Wundrose im Hospice general, zwei weitere im HotelDieu, gleichzeitig mit drei sogenannten idiopathischenGesichtsrosen; die 5 eigentlichen Wundrosen traten untermehr als 200 Verwundeten in zwei ungefähr % Stundenvon einander entfernten Häusern auf. Nach Verminderungder Belegung der Hospitalräume hörte die Rose auf, bisAnfang Februar in Folge massenhaften Zugangs von Schwer-kranken die zwingende Nothwendigkeit wiederkehrte, denLuftraum von Neuem zu beschränken. Unmittelbar danachwar auch Wundrose und mit ihr das sogenannte Erysipelasidiopathicum, welches übrigens ausnahmslos ausserhalb desLazareths entstand, wieder da. Im Ganzen kamen währenddes Monats Februar 22 Mann mit Wundrose in Zugang,11 im Hotel Dieu und 11 im Hospice general, währendmit spontanem (?) Rothlauf 8 Mann im Hotel Dieu, 9 im

Hospice general und 2 in dem Lazareth der Käse:Martinville Aufnahme fanden. Die 22 Wundrosen erauf eine Gesammtzahl von 80 Verwundeten und vertheiltdsich so, dass 2 Verwundete 2 mal kurz nach einandJErysipelas überstanden; es erkrankten also 25 J darajSofortige Einrichtung eines neuen Lazareths in eineiTneuen Hause und zahlreiche Rückwärtssendungen schafftetLuftraum und ermöglichten systematische ReinigungDesinfektion der Säle und Betten; eine wesentliche Abnahm!der Erkrankungen wurde bald danach mit Sicherheit fe;lgestellt; die letzte Woche des Februar brachte nur not!eine neue Erkrankung. Der Charakter der Epidemie warinlAllgemeinen ein gutartiger. Unter den 41 Rosen (22 Wunil19 idiopathische Erysipele) blieben 36 mehr oder wenigeJörtlich begrenzt, nur 5 entwickelten sich als Enmigrans, darunter zwei eigentliche Wundrosen; dieletzteren Fälle verliefen tödtlich; die Sterblichkeit betnJsomit 4.87 § aller an Rose überhaupt Erkrankten, oder, wemman die beiden Todesfälle auf die Wundrosen allein Irechnet, 9.09 {}. Aber auch dieses Verhältniss war imdnoch ein günstiges zu nennen, da alle von der Eojbefallenen Verwundeten vom 4. Januar stammten und duidlvorangegangene langwierige Eiterungen an Widerstand!kraft merklich eingebüsst hatten.

In Beauvais, dem Etablirungsorte des 10.lazareths I. Armeekorps, griff diese Wundkrankheit klApril 1871, nachdem sie schon in früheren Monat«endemisch im dortigen Hotel Dieu geherrscht hatte, raiNeuem in solcher Ausdehnung um sich, dass fast keinajder Verwundeten ihr entging; auch hier war der Verlaein günstiger; weder die Höhe des Fiebers noch die ii|breitung der Entzündung gaben mit Ausnahme eines Falvon Wanderrose zu Besorgniss Anlass; letztere geselsich zu der Einschnittswunde einer durch Stoss mit einetGewehrkolben verursachten Blutgeschwulst am linken UffSchenkel und verlief trotz grosser Gaben Chinin undkalBäder unter sehr hohem Fieber.

B. In Lazarethen des Inlandes.

In der überwiegend grösseren Zahl der durch gaiDeutschland zerstreuten Reserve- und Vereinslazarettltraf man während monatelanger Belegung auf Wundrose ndin vereinzelten, von einander unabhängigen Fällen; einigenHospitälern blieb sie gänzlich fern, so z. B. dem Eeser^lazareth Solitude bei Stuttgart trotz mehrmonatlBelegung. Eine verhältnissmässig grössere VerbreiddJerlangte sie zu gewissen Zeiten in LazarethenBerlin, Potsdam, Stettin, Sagan, Breslau, Cobleu:|Engers, Cöln, Aachen, Göttingen, Frankfurt a.)ljHanau, Marburg, Darmstadt, Mannheim, KarlenSchwetzingen, Augsburg; an einzelnen Orten zeigt«!sich gleichzeitig mit der grösseren Häufigkeit von Wuni

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