Druckschrift 
3. Chirurgischer Theil A (1890) Die Verwundungen durch Kriegswaffen bei den Deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71 : Allgemeiner Theil
Entstehung
Seite
97
Einzelbild herunterladen
 

Band III. Allgem. Theil.

I. Abschnitt: Wundrose.

97

Das 2. Feldlazareth III. Armeekorps in St, Privatberichtete im September 1870 über vereinzelte einschlägigeBeobachtungen. InVerneville (6. Feldlazareth IX. Armee-korps), einem langen Dorfe, woselbst die Verwundeten ineiner grossen Zahl von Häusern, aber in meist unheiz-baren Bäumen zerstreut lagen, ereigneten sich in demselbenMonat 2 Fälle von Wundrose; im Oktober bei vorherrschendregnerischer und kalter Witterung steigerte sich die Zahlder Erysipele erheblich; die Endemie erlosch jedoch nachUebersiedelung in das eine Viertelmeile weit entferntliegende Schloss Villers aux Bois, in dessen Räumendie Verwundeten gute Unterkunft fanden.

Zu Pont ä Mousson wurden unter den Verletzten,welche zu Hunderten in der Kirche, den Korridoren undsonstigen Räumen des dortigen Petit-Seminaire (8. Feld-lazareth X. Armeekorps und 12. Feldlazareth IL Armee-korps) untergebracht waren, während der Monate Augustund September viele von Wundrose heimgesucht, einegrössere Zahl unter ihnen schon in der Zeit vom 17. bis31. August. Auch im Hospital St. Charles (4. Feld-lazareth X. Armeekorps) zeigte sich ebenda zu derselbenZeit Wunderysipel. Mit der Verminderung der Kranken-zahl trat die Wundkomplikation zurück, um erst in derzweiten Hälfte des Dezember wieder zu erscheinen, ge-legentlich einer abermaligen vorübergehenden Anhäufungvon Verwundeten.

üeber ihr Vorkommen in Metz selbst findet sich indem Berichte von Chenu folgende Bemerkung:

Lycee de Metz: L'erysipele est venu compliquer les plaieschez neuf de nos blesses; l'erysipele s'est surtout manifestedans un dortoir du petit lycee, d'ont j'ai signale les mauvaisesconditions d'aeration et d'hygiene et il a atteint de preferenceles blesses atteints ä la jambe ou ä la cuisse, qui, ne pouvantquitter leurs lits, etaient obliges de rester plus longtemps queleurs camerades dans l'air malsain de la salle. Le dortoir a eupoiifson compte, ä lui seul, six cas d'erysipele grave. Je noteraiencore que cette cornplication n'est survenue qu'ä la fin dublocus et ä partir du 15 octobre."

In Forbach erschien die Krankheit zuerst im Sep-tember, und zwar sowohl in der zum Kriegslazareth ein-gerichteten Knabenschule als auch in den dortigen Baracken.

Nach der Schlacht bei Sedan beobachtete man sievereinzelt in Floing (7. Feldlazareth XL Armeekorps),häufig in Bazeilles (Bayerisches Aufnahms-Feldspital No. 3),während feuchtkalter Witterung im September, besondershei Schusswunden an den Fingern und bei den Operations-wuuden nach Absetzung einzelner Fingerglieder.

In Nancy häuften sich im Oktober Fälle von Wund-rose in dem als Kriegslazareth dienenden Gebäude derTabaksmanufaktur; im November kamen neue nicht inZugang; im Dezember traten frische Erkrankungen nur ineinem Saale auf, nach dessen Räumung und Desinfektioneine weitere Verbreitung nicht stattfand.

Das Schlosslazareth zu Versailles (12. FeldlazarethV Armeekorps) beherbergte im Dezember-Januar auf

Sanitäts-Bericht Uler die Deutschen Heere 1870/71. DI. Bd. Allgem. Theil.

Station IV verschiedene Verwundete mit Rose; die weitereInfektion hörte auf, als daselbst die Schwämme, wie aufden übrigen Stationen des Lazareths, beim Verbinden weg-blieben. In dem dortigen Militärhospital lenkte einvereinzelter Fall von Wunderysipel im Januar die Auf-merksamkeit auf sich. Hier und da zeigte sich dasselbe auchin St. Cyr bei Versailles (1. Feldlazareth VI. Armee-korps) im Dezember.

Südlich von Paris wurden beim 9. FeldlazarethVI. Armeekorps zu Etampes mehrere Verwundete imOktober von Wundrose ergriffen, und zwar in drei ver-schiedenen Gebäuden; im Januar tauchte das Leiden noch-mals vereinzelt wieder auf.

Wiederholt machte es sich in Le Coudray (6. Feld-lazareth XL Armeekorps) im Dezember bemerklich; nachAbsonderung der Befallenen verschwand es aus dem Lazareth.

Zu Grand-Seraucourt, südlich von St. Quentin,fanden in dem 2. Feldlazareth I. Armeekorps im Januarmehrere Kranke mit sogenanntem idiopathischen ErysipelAufnahme; im Februar w r urden dann Verwundete mit Schuss-brüchen häufig von Wunderysipel befallen, während gleich-zeitig neue Erkrankungen an idiopathischer Rose sichzeigten. Dieselben kamen in ganz entfernt von einanderliegenden Häusern des lang gestreckten Dorfes zum Aus-bruch.

Auch in Amiens wurden im Januar beim 8. Feld-lazareth I. Armeekorps 4 Fälle von idiopathischer Gesichts-rose beobachtet. Um dieselbe Zeit erkrankten ebendaselbstin den anscheinend gesundheitsgemässen Räumen des 8. Feltl-lazareths VIII. Armeekorps während 14 Tagen fast alleSchwerverwundeten in recht erheblicher Weise an Rose.Dieselben hatten zuvor bei grosser Kälte einen sehr weitenTransport zu überstehen gehabt.

Ebenso war in Chartres (10. Feldlazareth XL Armee-korps) Wunderysipel im Januar, besonders in der zweitenHälfte desselben, häufig.

ZuBeaumont en Gatinais (1. Feldlazareth X.Armee-korps) kamen im Januar nach einem Zugang von 45 Ver-wundeten plötzlich mehrere Rosefälle vor; bei wieder-holtem Wechsel der Krankenzimmer griff das Leiden nichtweiter um sich.

Um dieselbe Zeit entwickelte es sich in Blois (6. Feld-lazareth X. Armeekorps) vielfach bei Typhuskranken.

Erheblich war die Anzahl der Wunderysipele inParigne bei Le Mans beim 1. Feldlazareth III. Armee-korps Anfang Februar 1871; die Krankheit verlief in2 bis 3 Tagen; hauptsächlich entwickelte sie sich auf derim dortigen Gasthofe zum Stern eingerichteten Station; derWirth dieses Gasthofes litt zuerst an heftiger Gesichts-rose; bald danach stellte sich Rose bei den Verwundetenein. Vereinzelte von einander unabhängige Fälle ent-standen gleichzeitig auch in Le Mans im 3. FeldlazarethIII. Armeekorps.

13