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I. Kapitel: Kriegschirurgische Anschauungen zur Zeit des Deutsch-Französischen Krieges u.s.w. Band III. Allgem. Theil
Organisation der gesanimten Krankenzerstreuung noch amwenigsten durchgebildet war. 1 )
Ueber einige hauptsächliche Wundkrankheiten(Wundrose, Hospitalbrand, Pyämie), welche bei Trans-portirten beobachtet worden sind, enthalten die einzelnenAbschnitte des nächsten Kapitels alle überhaupt vorliegen-den Nachrichten. Es darf angenommen werden, dass dieseKrankheiten bei den Befallenen mit seltenen Ausnahmen,wobei besondere Verhältnisse die Fortführung bereits Er-krankter veranlassten (vergl. S. 81), erst auf dem Trans-porte selbst zum Ausbruch gekommen sind.
Das Auftreten von Wundstarrkrampf wird in26 Fällen dem Transporte zur Last gelegt; 21 mal wurdeer schon unterwegs beobachtet, 5 mal unmittelbar nachBeendigung der Reise. Nur bei 11 dieser Verwundetenfindet sich der Sitz der Verletzung angegeben: 4 malhandelte es sich um Schüsse in die Hand, 2 mal umSchusswunden am Unterarm, je 1 mal um solche am Kopf,am Ellenbogengelenk, am Gesäss, am Oberschenkel undam Unterschenkel.
In welcher Weise im Einzelnen ein Transport nach-theilig wirken kann und thatsächlich gelegentlich gewirkthat, ist aus zahlreichen Krankengeschichten im SpeziellenTheile dieses Bandes ersichtlich. Nur auf einige derselbensei hier besonders hingewiesen.
Von hochgradiger Erschöpfung durch mehrtägigenTransport berichten z. B. die Krankengeschichten S. 445No. 74, S. 689 No. 78, S. 694 No. 141, S. 822 No. 89,S. 869 No. 124, S. 963 No. 268, S. 1085 No. 371. Beizwei der betreffenden Verwundeten (S. 689 No. 78 undS. 694 No. 141) ist der tödtliche Ausgang durch dieAnstrengungen der Reise wohl mindestens beschleunigtworden.
Eine grosse Rolle bei dem Zustandekommen der Er-schöpfung sowohl als bei anderen Transport-Schädigungenspielt ohne Zweifel die anhaltende mechanische Er-schütterung des gesammten Körpers, welche namentlichauf Landwegen und in gewöhnlichen Eisenbahnwagen einebedeutende ist, aber selbst in wohleingerichteten Sanitäts-zügen keineswegs völlig vermieden wird. Dass die An-nehmlichkeit und verhältnissinässige Ungefährlichkeit desWassertransportes zum Theil der geringeren Erschütterungzuzuschreiben sein dürfte, wurde schon im I. Bande (S. 231)angedeutet. Im VII. Bande (S. 124 ff.) finden sich nähereAusführungen hinsichtlich der Bedeutung, welche den Er-
| schütterungen auf dem Transport für den Ausbruch v (Wundstarrkrampf zugeschrieben werden muss. Ein Iweiteres Beispiel dafür bietet die Krankengeschichte No. 38auf Seite 1136 im Speziellen Theil dieses (III.) Bande?.Zweifelloser noch sind Blutungen und sekundäre Ver-letzungen (durch Knochensplitter) während einer Ueber-führung den Erschütterungen zur Last zu legen. Vor-kommnisse der letzteren Art werden namentlich \m\Schussbrüchen der Gelenke (Spez. Th., S. 746 und S. 751 1No. 19) erwähnt. Beweisend betreffs der Blutungen ist Ivor allen der Fall No. 136 auf Seite 1165 (Blutung durch Iden Stoss beim Anfahren des Zuges). Dass selbst inSanitätszügen die Loslösung von Splittern durch die Er-schütterung zu Stande kommen kann, scheint die Kranken-1geschichte 4 auf Seite 53 zu lehren.
Viel zahlreicher sind diejenigen Einzelbeobachtungen, Iwelche lediglich Verschlechterung des Aussehens der Wunde,Zunahme der Schwellung und Eiterung, oder auch Ent-stehung von Brand, Druckbrand u. s. w. während längeren ITransportes erwähnen, ohne dass allerdings das schliess-liche Behandlungsergebniss dadurch immer wesentlich be-nachtheiligt erscheint. Unter den einschlägigen Kranken-geschichten im Spez. Th. siehe insbesondere Seite 755 1No. 55, S. 801 No. 223, S. 853 No. 56, S. 854 No. 58,S. 862 No. 92, S. 863 No. 97, S. 872 No. 135 und 137. [S. 877 No. 156, S. 945 No. 143, S. 955 No. 211, S. 10531No. 203 u. a.
Hinsichtlich des Einflusses, welchen die Evaluationen |auf die Zustände in den die Verwundeten-Transporte aufnehmenden Lazarethen ausgeübt haben, Ikommt vornehmlich die Frage in Betracht, ob bezw. inwelchem Umfange durch die Transportirten Wundkrank-heiten verschleppt und weiter verbreitet worden sind. Dasdies namentlich hinsichtlich des Hospitalbrandes 1 ) ider Pyämie theilweise geschehen ist, muss nach den be- 1züglichen Mittheilungen im folgenden Kapitel (Wundkrank-heiten) ohne Weiteres zugegeben werden. Aus eben diesenMittheilungen, auf welche hier lediglich verwiesen werdenkann, geht aber gleichzeitig hervor, dass nur an wenigenOrten die Einschleppung von Wundkrankheiten Veralassung zu grösseren oder kleineren Epidemien gegeben Ihat, dass es vielmehr weitaus in der Mehrzahl der Fälle Igelang, eine Weiterverbreitung der Ansteckungsstoffe und Ieine allgemeine Verschlechterung der hygienischen Be-^dingungen in den aufnehmenden Lazarethen zu verhindern.
] ) Yergl. IV. Kapitel im I. Bande dieses Berichtes.
!) Betreffs des in Anmerkung 2 auf S. 26 erwähnten Vorkomm-nisses siehe ebenfalls den Abschnitt „Hospitalbrand".