Band III. Allgem. Theil.
IV. Abschnitt: Evakuation.
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Evakuation nach den Schlachten um Metz und beiBeaumont —Sedan unterworfen werden mussten.
Tafel VII (zu dem genannten Kapitel) ist schon imVorstehenden (Seite 82) als Beweis dafür herangezogenworden, dass der Transport Schwerverwundeter imAllgemeinen nicht ohne triftige Gründe verlängert wurde.Sinnenfälliger noch tritt die starke Abnahme der in denheimathlichen Lazarethen verpflegten Schwerverwundetenvon Westen nach Osten hin (mit Ausnahme der Lazarethein Berlin) in Figur 1 auf Tafel VI hervor. Beide Tafelnweisen aber gleichzeitig darauf hin, dass allerdings dienachtheiligen Einflüsse des Transportes mit der Weite des-selben sich steigern. 1 ) Während im Bereiche des (derGrenze zunächst gelegenen) VIII. Armeekorps die Todes-fälle nach Gliedabsetzungen und Gelenkaussägungen ,°>4 gder Operirten nicht übersteigen, wächst diese Zahl sowohlnach Norden als nach Osten hin. Oestlich von Berlin (imBereiche des I., II., V. und VI. Armeekorps) sind ver-schwindend wenige (im Ganzen 6) Operationen der in Redestellenden Art vorgenommen und zwar ausschliesslich solche,welche an und für sich eine verhältnissmässig günstigeVorhersage gestatteten; 2 ) dass in diesen Korpsbezirken keinTodesfall bei Operirten vorkam, beweist daher nichts gegendas eben Gesagte.
Diese auf den grossen Zahlen des Gesammtmaterialesfussende Darlegung spricht weder für Ueberhastung nochfür übermässige Ausdehnung der Evakuation im Allgemeinen,noch endlich für eine häufige Schädigung der Transportartendurch die Ueberführung. Damit steht es im Einklang, dassdie amtlichen Lazarethberichte verhältnissmässig, d. h.unter Berücksichtigung der grossen Zahl Evakuirter, seltenunliebsamer, mit dem Transport zusammenhängender Vor-kommnisse erwähnen. Da, wie schon angedeutet, diemeisten Lazarethe diesem Gegenstande volle Aufmerksam-keit zuwandten und weit minder wichtige Dinge gewissen-haft buchten, ist die Annahme berechtigt, dass andere er-hebliche Schädigungen durch den Transport keinesfallshäufig vorgekommen sind.
Was sämmtliche Berichte der mobilen und immobilenLazarethe der Preussischen Armee darüber enthalten,findet sich in Nachstehendem zusammengefasst.
Gefahrdrohende Blutungen während des Trans-portes werden bei 6 Verwundeten erwähnt; bei 2 anderenereigneten solche sich unmittelbar nach Beendigung desTransportes, so dass dieser mit Grund als Ursache derKomplikation angeschuldigt werden kann. Während derReise starb keiner dieser Verwundeten; in den aufnehmen-den einheimischen Lazarethen erlagen 4 theils den un-mittelbaren, theils den mittelbaren Folgen des Blutverlustes.Unter den Verletzungen, welche zu diesen Blutungen
*) Wegen der entsprechenden Verhältnisse bei TyphuskrankenI VI. Band dieses Berichtes, S. 341.2 ) Vergl. Tabelle XXXVII (8. 142*) der Operations-Statistik.
führten, befanden sich 3 Schusswunden des Unterschenkels,2 solche des Oberschenkels, je 1 der Achselhöhle, desOberarmes und der Hand.
Von Krankheiten, welche auf dem Transport bezw.durch denselben entstanden, mit der Verwundung aberkeinen unmittelbaren Zusammenhang erkennen lassen, findensich Lungenentzündung und Pocken mit je einem Falleaufgezeichnet. Mehrfach (ohne bestimmte Zahlenangaben)wurde die Evakuation als Ursache von Lungenkatarrhen,rheumatischen Beschwerden und starken Durch-fällen angeklagt. Oberflächliche Frostschäden kamenhäufig vor (namentlich bei den Verwundeten-Transportenaus der Gegend um Beifort), bei Einigen auch wirklicheErfrierungen einzelner Finger oder Zehen; von nochstärkerer Kälte-Einwirkung erzählt nur ein Lazareth,welches mehrere Verwundete in bewusstlosem Zustande(in Folge von Kälte) aufnahm.
Sehr viel häufiger sind begreiflicherweise die Nach-richten über übles Aussehen der W r unden oder Ver-schlimmerung des Allgemeinzustandes in Folge desTransportes, vielfach freilich mit dem Zusätze, dass nachkurzer Zeit wieder Besserung eintrat und der weitereVerlauf sich günstig gestaltete. Klagen der erwähntenArt ertönten namentlich dann, wenn der Transport einbesonders langdauernder gewesen war. Waren doch inden späteren Zeiten des Krieges nicht wenige von denentferntesten Theilen des Kriegsschauplatzes in heimischenLazarethen eintreffende Verwundete eine Woche, einzelnesogar 8 Tage und 9 Nächte unterwegs geblieben! Uebersolche Verschlimmerungen berichten gelegentlich die Laza-rethe in Aachen, Berlin, Breslau, Bonn, Coblenz,Coburg, Eisenach, Ems, Engers, Frankfurt a. M.,Frankfurt a. 0., Guben, Hannover, Jülich, Lüne-burg, Mühlheim, Neuwied, Oldesloe, Potsdam,Quedlinburg, Reichenbach, Sorau, Schönberg,Schönebeck, Stolp, Weissenburg, Wriezen, Zeitz.Mehrere dieser Lazarethe knüpfen daran Mitteilungen überungenügende Verbände, insbesondere über nachtheiligeWirkung der Gypsverbände. Letztere wurden nicht seltenzerbrochen und mit W 7 undflüssigkeit durchtränkt gefunden,hatten auch (namentlich wenn sie der Watteunterlage ent-behrten) Druckbrand hervorgerufen. Einzelne Todesfällewerden geradezu dem Transport von Verwundeten mitSchussbrüchen im Gypsverbände zur Last gelegt. Anderer-seits wird auch hier und da ungenügende Feststellung nachSchussbrüchen der Gliedmaassen bei langdauerndem Trans-port als Ursache des tödtlichen Ausganges beschuldigt. ImUebrigen beziehen sich die Klagen der aufnehmendenLazarethe über schlecht sitzende oder sonst ungenügendeVerbände 1 ) fast ausschliesslich auf Verwundete aus denAugustschlachten, d. h. auf Verwundeten-Transporte auseiner Zeit, in welcher der Andrang am grössten und die
!) Siehe hierzu auch vorstehend S. 25.
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