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3. Chirurgischer Theil A (1890) Die Verwundungen durch Kriegswaffen bei den Deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71 : Allgemeiner Theil
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I. Kapitel: Kriegschirurgische Anschauungen zur Zeit des Deutsch-Französischen Krieges u. s. w. Band III. Allgem. Theil.

Heidelberg und Schwetzingen transportirt; bei einem an-deren von Wörtli nach Mannheim gesandten Verwundetenreichte ein gut angelegter Kompressen-Verband bei einemSchuss durch die Schenkelarterie gleichfalls aus, um dieBlutung bis zur Ankunft im Lazareth zu stillen. Frischedurchbohrende Schusswunden der Brust vertrugentagelangen Transport, z.B. von Orleans nach Etampes;hier fand die Beförderung sogar auf Landwegen statt(9. Feldlazareth VI. Armeekorps). Von den Schlacht-feldern um Metz wurde eine grosse Anzahl Verwundeternach Gotha evakuirt, darunter viele mit durchbohrendenBrustschüssen.Von irgend welchem schädlichen Einflussdes Transportes auf die Wunden wurde nichts bemerkt."

Nach übereinstimmenden Berichten vertrugen ambesten den Transport die bei Weissenburg, Wörthund Spicheren Verwundeten. Die nach diesen Schlachtenauf dem ersten Verbandplatze angelegten Verbände warenin den meisten Fällen für mehrere Tage also für längereZeit, als der Transport gewöhnlich beanspruchte aus-reichend.

Nach den vorliegenden amtlichen Berichten lassen sichohne Zwang drei verschiedene Perioden bezüglich derWiderstandskraft der Verwundeten gegenüber den Schädlich-keiten des Transportes unterscheiden.

Am besten ertrugen denselben die in der ersten Hälftedes August 1870 Evakuirten. Die Thatsache ist um soauffallender, als gerade in dieser Zeit vor Einsetzungder Evakuations-Kommissionen die gesammte Kranken-zerstreuung am wenigsten geregelt war.') Man geht wohlnicht fehl, wenn man der damals noch wenig durch Stra-pazen und Entbehrungen geschwächten Körperkraft undder durch die Deutschen Siege gehobenen Stimmung einenwesentlichen Antheil an diesem Ergebnisse zuschreibt.Ausserdem war die Gesammtzahl der Verwundeten damalsnoch keine übergrosse; die Schwerverwundeten konntendaher noch nach kurzem Transporte in den heimischenLazarethen der westlicheren Theile Deutschlands verbleiben.In den weiter nach Osten gelegenen Provinzen befandensich dementsprechend bis in das letzte Drittel des MonatsAugust hinein fast nur Leichtverletzte.

Am nachtheiligsten wirkte der Transport auf die vonMitte August bis gegen Mitte September 1870 Evakuirten.Zweifellos sprachen allerlei Umstände dabei mit: vorAllem die ungeheure Zahl der Verwundeten, welche in derkurzen Spanne Zeit vom 14. August bis 1. September zu-strömten und nach nothdürftiger Versorgung zu grossemTheil unabweislich auf wenigen Evakuationsstrassen untererschwerenden Umständen und ungünstigen Bedingungenaller Art heimwärts befördert werden mussten, wobeihäufige Stockung der Züge auf den gleichfalls überlastetenBahnen die schon durch die grössere Entfernung derSchlachtfelder von der Grenze bedingte Verlängerungdes Transports noch vermehrte. Aber auch die voraus-

!) Vergl. I. Band dieses Berichtes, S. 232 ff.

gegangenen ungeheueren Anstrengungen und Entbehrungeider Truppen dürfen dabei nicht ausser Acht gelassen Iwerden. Widersteht doch bekanntermaassen der durch Iungewöhnliche Arbeit, bei gleichzeitig vermindertet!Nahrungszufuhr geschwächte Organismus Schädlichkeiten!jeder Art weniger als der ungeschwächte. Vielfache ]obachtungen lehren, dass Wunden bei heruntergekommenen!Leuten besonders leicht stürmischen Zersetzungsvorgängenunterliegen (Stromeyer). Vom heutigen Standpunkte answird man sagen müssen: Der geschwächte Organismusbietet den Mikroorganismen leichter geeigneten Nähr-boden. Aus dem Zusammentreffen aller dieser Umstände |in Verbindung mit der Thatsache, dass von Mitte Augustab Typhus und Ruhr bedrohlich um sich griffen, erscheintes leicht verständlich, dass die meisten Klagen überschlechten Zustand der Verwundeten bei ihrer Ankunft in |immobilen Lazarethen sich auf die in Eede stehende Zeit,d. h. auf die Transporte -von den Schlachtfeldern um Metzund Sedan, beziehen. Das Reservelazareth Schöneheckhatte im Monat August seinen ersten Verwundeten-Transporterhalten; allen war die lange Fahrt gut bekommen.Grelltrat der Unterschied des zweiten Transportes gegen diesenersten hervor, als in der ersten Hälfte des September dieVerwundeten und Kranken unmittelbar von Sedan her|eintrafen. Der Kräftezustand dieser Verwundeten war er-bärmlich; durch die ausgehalteneu Strapazen, namentlich!aber durch den mehrere Tage und Nächte fortgesetztenTransport bis zum Tode ermattet, lagen sie in den ersten36 Stunden in einem benommenen Zustande, ohne selbstdurch ihre körperlichen Bedürfnisse zum Aufrichten sichbewegen zu lassen. Mit dem Ausdrucke gänzlicher Gleich-giltigkeit fügten sie sich in Alles, was da kommen mochte;nur, wenn sie eine Andeutung von Weitertransport hörten,baten sie:Nur nicht wieder auf die Eisenbahn, liebersterben." Viele litten an unstillbaren Diarrhöen. I>ieMehrzahl hatte Weichtheilschüsse erhalten, nur bei wenigenfanden sich Schussbrüche." Ungeachtet dieses düsterenBildes hatte das Lazareth übrigens nur 1 Todesfall (anRuhr) zu beklagen.

Besser gestalteten sich wieder die Verhältnisse in derspäteren Kriegsperiode, von Mitte September ab, trotzder oft bitteren Winterkälte und trotz der grossen räum-lichen Entfernungen, welche z. B. die an der Loire Ver-wundeten zurückzulegen hatten, bevor sie in einenheimathlichen Lazarethe landeten. Zum grossen Theil istdiese Thatsache der sorgfältigen Regelung aller dieEvakuation betreffenden Maassnahmen zuzuschreiben.weiterhin auch dem (im Vergleich zu den August-Schlachten) verhältnissmässig geringen Verwundeten-Zu-gang, nicht am wenigsten endlich der ausgedehnten In-dienststellung von Sanitätszügen.

Genaueren ziffernlässigen Anhalt für Erörterung desUmfanges, in welchem die Rücksendung von Schwer-verwundeten bis in heimathliche Lazarethe stattgefundenhat, desgleichen der seit der Verwundung verflossenen