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3. Chirurgischer Theil A (1890) Die Verwundungen durch Kriegswaffen bei den Deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71 : Allgemeiner Theil
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Band Tir. Allgem. Theil.

IV. Abschnitt: Evaluation.

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H. Einfluss der Evakuation auf das Befinden der in mobilen Sanitätsanstaltenverbliebenen Verwundeten, auf die Transportirten selbst und auf die hygienischenZustände in den aufnehmenden (einheimischen) Lazarethen.

Dasß die durch umfassende Rücksendung von Ver-wundeten nach der Heiniatli bewirkte Entlastung dermobilen Sanitätsanstalten für die in letzteren zurück-behaltenen Verwundeten lediglich segensreich gewesenist wegen Verminderung der Infektionsgefahr, welche mitder Anhäufung eiternder Wunden wächst, und wegen derin jeder Hinsicht sorgfältigeren Pflege, welche den auf demKriegsschauplatze Verbliebenen gewidmet werden konnte,j s t wie schon erwähnt kaum jemals bestritten wordenund liegt in der That so klar zu Tage, dass es eines Be-weises dafür nicht bedarf. Von den mannigfachen daraufbezüglichen Aeusserungen in den amtlichen Berichten seidaher eine einzige angeführt. Im Lazareth zu Chartreshielt, nachdem zahlreiche Schwerverwundete sich daselbstangehäuft hatten, der Tod an Pyämie und Septicämie einereichliche Ernte. Am 12. Februar 1871 bot sich Gelegen-heit zu umfangreicher Evakuation. Die Räume warendanach nur halb so stark belegt als vorher, der Eiter-geruch schwand aus den Zimmern, das Aussehen derWunden gewann von Tag zu Tage, die Wundabsonderungverlor den üblen Geruch, das Fieber schwand, kurz es tratsolche Besserung in dem gesammten Befinden der zurück-behaltenen Verwundeten ein, dass 14 Tage später Alle bisauf Einen nunmehr ebenfalls ohne jedes Bedenken heim-wärts gesandt werden konnten, obwohl bei der erstenEvakuation nur Solche von dem Transporte ausgeschlossenworden waren, bei welchenselbst die Beförderung ineinem mit Betten versehenen Sanitätszuge durchaus unzu-lässig erschien. Die Mehrzahl derselben hatte Schüttelfröstegehabt, alle fieberten stark, waren appetitlos, und ihreWunden entleerten übelriechenden Eiter."

Auch bei Erörterung der in der Vorbemerkung zudiesem Abschnitt als Kernpunkt dieser Betrachtungen hin-gestellten Frage, wie die Evakuation auf die Trans-portirten gewirkt hat, darf von vornherein als feststehendangenommen werden, dass Letztere durch die Rücksendungin günstigere äussere Heilbedingungen versetzt worden sind,als ihnen bei Belassung auf dem Kriegsschauplatze hättenbereitet werden können. Schon daraus erklärt es sich,dass fast in allen amtlichen Berichten, welche überhauptdiese Frage berühren, der Werth, welchen die Evakuationauch für die Transportirten besitze, laut gepriesenWird. Die Anzahl der Fälle, in denen nachweislich derTransport nicht bloss vorübergehende Leiden, sonderndauernden Nachtheil hervorgerufen oder gar den Tod ver-anlasst hat, ist, wie sogleich näher erörtert werden soll,vci'hältnissmässig sehr gering, daher für die Beurtheilung

der Gesammtfrage, auch bei voller Würdigung des W^erthesvon Leben und Gesundheit des Einzelnen, nicht von weit-tragender Bedeutung. Aus den sehr zahlreichen Mit-theilungen, welche den günstigen Einfluss der Evakuationauf die heimwärts gesandten Verwundeten betonen, seienebenfalls nur einige wenige herausgegriffen. So berichtetdas I. Reservelazareth zu Frankfurt a. M.:Der Heilungs-vorgang an den Wunden ist meist ein günstiger. Es zeigtsich hier recht schlagend die segensreiche Wirkung derauf dem Kriegsschauplatze getroffenen energischen Maass-nahmen namentlich hinsichtlich der Evakuation in die ein-heimischen Lazaretbe." Freilich liegt Frankfurt a. M. derDeutschen Westgrenze nahe; die dort verpflegten Ver-wundeten hatten also nur kürzere Wege zurückgelegt; aberauch aus den östlichsten Provinzen lauten die meisten Nach-richten nicht anders. Das Beservelazareth Schneidemühl(in der Provinz Posen) schrieb:Der vortheilhafte Einflussder P]vakuation auf die Verwundeten war überraschend gross.Die Reinigung der Wunden erfolgte ungemein rasch; dieiu vielen Fällen reichliche und sehr schlechte Eiterungnahm rasch eine gute Beschaffenheit an."

Aus der Gesammtheit der vorliegenden Mit-theilungen geht zweifellos hervor, dass im Allge-meinen der Transport sehr gut ertragen wurde.Selbst Evakuationen sogleich vom Schlachtfelde aus undauf weite Entfernungen hin übten wider Erwarten meistkeinen ungünstigen P]influss aus. Das ReservelazarethHannover erhielt gleichzeitig 208 Verwundete, zumgrössten Theil unmittelbar vom Schlachtfelde oder dochaus den demselben zunächst etablirten Lazarethen. Ob-wohl sie die weite Reise ohne Unterbrechung zurückgelegthatten, war ihr Befinden ein sehr befriedigendes; dieW T unden hatten ein gutes Aussehen, obgleich einzelne seitmehreren Tagen nicht neu verbunden waren. Es befandensich darunter Leute mit durchbohrenden Höhlenschüssenund Solche mit Schussbrüchen. Das Reservelazareth inder Jäger-Kaserne zu Potsdam empfing 61 Verwundeteunmittelbar aus Amiens, darunter mehr als 30 Schwer-verwundete.Das Aussehen der Wunden war vortrefflich".Schon im IL Abschnitt dieses Kapitels (S. 43, Anmerk. 1)findet sich erwähnt, dass ein Verwundeter, welchem ein Ge-schoss die Aorta verletzt hatte, von Wörth nach Karlsruhegebracht wurde, ohne dass der Transport eine Blutung ver-anlasste; erst mehrere Tage später erfolgte der tödtlicheAusgang durch Verblutung. Zwei Verwundete, bei welchendie Schenkelschlagader unter dem Poupartschen Bandedurchschossen war, wurden ohne Schaden von Wörth nach

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