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I. Kapitel: Kriegschirurgische Anschauungen zur Zeit des Deutsch-Französischen Krieges u. s. w. Band III. Allgem. Thei] |
Frage aufgeworfen werden, ob die Erfolge der Wund-behandlung in jenen Lazaretten so verhältnissmässig be-friedigende gewesen wären, wenn man eben nicht durchEntfernung Vieler, darunter auch zahlreicher Schwer-verwundeter, die Heilungsbedingungen für die Zurück-bleibenden gebessert hätte.
Dass namentlich anmittelbar nach den grossen August-Schlachten die Menge der Hilfsbedürftigen grösserwar als der Leistungsfähigkeit des Sanitätspersonals auchbei Aufbietung aller Kräfte desselben entsprach, ist imI. Bande dieses Berichtes durch deutlich redende Zahlendargethan.') Zeitweilig kam erschwerend der Umstandhinzu, dass Krankheiten auch das Personal der mobilenSanitätsanstalten bedenklich lichteten.-)
Diese Andeutungen von Umständen mannigfacher Art,welche zu umfangreichen Evaluationen mehr oder wenigerzwangen, lassen ausreichend erkennen, dass für die ab-sendenden Lazarethe sehr häufig keineswegs nur die Fragein Betracht kam, ob die Rücksendung voraussichtlich fin-den Transportirten selbst keine Verschlimmerung im Ge-folge haben werde. Auf welche technischen und organisa-torischen Fortentwickelungen vorzugsweise sich das Augen-merk zu richten haben mag, damit die Feldärzte möglichstselten in die Lage gorathen, in die Rücksendung Ver-wundeter gegen ihre wissenschaftliche Ueberzeugung willigenzu müssen, ist in der Vorbemerkung zu diesenf Abschnittund an mehreren Stellen des I. Bandes dieses Berichteshervorgehoben. 8 ) Kurz gefasst aber wird gesagt werden Imüssen, dass unerwünschte Evakuation überall da unver-meidlich bleiben wird, wo aus irgend einem Grunde derHilfsbedarf grösser ist als die Hilfsbereitschaft oder wodie auf dem Kriegsschauplatze bestehenden, rascher Besse-rung nicht zugängigen hygienischen Verhältnisse die Ver-wundeten mehr bedrohen als ein selbst unter ungünstigenBedingungen ausgeführter Transport.
Was die Art des Transportes anlangt, so hat die-selbe, soweit der Eisenbahntransport in Betracht kommt,im V. Kapitel des I. Bandes dieses Berichtes ausführlicheDarstellung gefunden. Nachrichten über den Wasser-transport sind in das IV. Kapitel des I. Bandes, S. 230und 231 eingefügt. Auch hinsichtlich des Landtrans-portes ist den kurzen Bemerkungen auf Seite 227, 241)und 251 des 1. Bandes nichts Wesentliches hinzuzufügen.
Sieht man, wie es wohl gerechtfertigt sein dürfte, dieZahl der in den heimischen Lazarethen der einzelnenArmeekorps-Bezirke vorgenommenen grösseren Operationen,insbesondere der Gliedabsetzungen und Gelenkaussägungen,als maassgebend an für die Zahl der in diese Bezirke ge-
!) Siehe insbesondere I. Band, S. 234 und 254 ff.
2 ) Vergl. ebendaselbst, S. 123.
3 ) Siehe ebendaselbst, insbesondere S. 260, 261, 311.
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langten Seh wer verwundeten, so thut Tafel VII zuHI. Kapitel (Grössere Operationen) dieses Bandeszeugend dar, dass mit zunehmender Entfernung vom Krieischauplatze immer weniger Seh wer verwundete zu verpflegwaren,') d. h. dass im Grossen und Ganzen — denSchriften gemäss — der Transport nicht über das nowendige Maass hinaus verlängert worden ist undwundete, deren Zustand sich unterwegs verschlimmertfrühzeitig ausgeladen wurden. 2 ) Offenbar kann nur soauf der erwähnten Tafel zum Ausdruck gebrachte Thatsaclgedeutet werden, dass während in dem dem Kriegsschaplatze am nächsten gelegenen Bezirke des VIII. Armeekoi203 Amputationen und Gelenkresektionen zur Ausfühnikamen, schon im Bereiche des XL Armeekorps nur n101, in dem des IV. nur 24, in dem des IL nur n2 derartige Operationen vorgenommen zu werden brauchlim Bereiche des I. Armeekorps endlich keine. In ähnliclWeise vermindern sich die Zahlen vom BezirkeV11I. Armeekorps aus in der Richtung nach Norden (dmden Bezirk des VII. und X. Armeekorps nach dem des Iund nach dem Bereiche des V. und VI. Armeekorps. EiAusnahme in dieser nach Norden und Osten hinschreitenden Verminderung schwerer Verwundungen matlnur die Provinz Brandenburg (Bezirk des Garde-III. Armeekorps) mit einer verhältnissmässig grossenvon Operationen (107). Die naheliegende Erklärungdiese Erscheinung ist darin zu finden, dass die umfai!reichen Lazaretheinrichtungen in Berlin zu zahlreichei'Kranken- und Verwundeten-Transporten nach diesem .Mit;punkte der Kriegs-Krankenpilege Anlass gaben, als ledigder geographischen Lage des Ortes entsprach.
Immerhin sind unzweifelhaft auch hinsichtlichW eite des Transportes Missgriffe vorgekommen. Zu gutTheil hatten dieselben ihren Grund in zu weit gelieoiRücksichtnahme auf Wünsche der Transportirten, welifast ausnahmslos nach ihrer engeren Hoimath dränglAuch Verwaltungsrücksichten machten es wünschensveidass die zurückgelangenden Kranken und Verwuuthunlichst den Lazarethen ihres Armeekorps-Bezirkes üliwiesen wurden. 3 )
') Betreffs der ganz ähnlichen Sachlage bei der EvakulTyphuskranker siehe VI. Band dieses Berichtes, Tafel VII zu S.äl
a ) Als Zeichen, mit wie geringer Erwägung der in JSetn.kommenden Verhältnisse gelegentlich Vorwürfe erhoben worden idarf es wohl angesehen werden, dass man gelegentlich auch alsweis ungerechtfertigter Evakuation den Umstand anführt, dass uselten Verwundete, welche für weiter rückwärts gelegenebestimmt waren, auf Zwischen-Haltepunkten zurückbehalten seiDie Sichtung der Transporte und Ausladung Derjenigen, für w|eine weitere Reise nicht räthlich erschien, gehörte geradewesentlichen Aufgaben der Etappenärzte.
3 ) Siehe hierzu I. Band dieses Berichtes, S. 226.