Band III. Allsem. Theil.
III. Abschnitt: Handhabung der Lazareth-Hygiene.
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verwundeten zusammenlag, welch' letzterer zugleich dasWartepersonal unterstützen konnte.
Pie Vorschrift besagte, dass für jeden Kranken, sofernnicht Bettstellen vorgefunden wurden, dergleichen ge-zimmert werden sollten. Für den Verwundeten ist dieseForderung, abgesehen von dem seelischen Kindruck, vonLoher sanitärer Bedeutung. Zuweilen fand man in Frank-reich eine genügende Anzahl passender eiserner Bettstellenin Erziehungs-Anstalten, Klöstern oder dergleichen vor; 1 )meist, aber sali man sich einer kleinen Anzahl der bekannten■französischen Betten mit grossen hölzernen, schwer ent-fernbaren Gerüsten, mit Betthimmel und Seitengardinengegenüber, die wegen erschwerter Lüftung, ihrer Breiteund ihrer zu viel Raum beanspruchenden Grösse überhauptzu Lazarethzwecken untauglich sind. Den meisten Feld-lazarethen gelang es, gelegentlich mit Unterstützung vonPionier-Mannschaften, schon in den ersten Tagen nachihrer Etablirung, die erforderliche Anzahl hölzerner Bett-stellen herzustellen und die Verwundeten auf ihnen zulagern. 2 )
Per Wechsel der den Verwundeten gereichten Wäsche,Ili'iinlcn, Handtücher, Bekleidung u. s. w. hatte nach der Feld-[Sanitäts-Instruktion von 18(>9 im Allgemeinen alle achtTage, unter Umständen auch öfter, stattzufinden.
Pie Pesinfektion der Leib- und Bettwäsche er-folgte durch Waschen mit starken Laugen. Pie Wäsche vonHospitalbrandkranken wurde instruktionsmässig zunächstin eine Lösung von Chlorkalk, auch von Zinkvitriol (1 : 120)oder von Chlorzink (1 : 240) einige Zeit hindurch (12 bis|3G Stunden) aufbewahrt und dann in starken Laugen ge-waschen; ebenso verfuhr man mit den Hüllen der Stroh-säcke und Matratzen, während das Stroh verbrannt und dieHaare gesotten wurden. Pie Neustopfung der Strohsäcke[scheint hinter geordneten Verhältnissen durchschnittlich amRfnften Tage stattgefunden zu haben (es geben jedoch nur[wenige Berichte darüber Aufschluss). Für die Aufbewahrungder unreinen Wäsche wurden überall besondere Räumeverfügbar gemacht.
Hinsichtlich der Pesinfektion von Kleidungs-stücken besagte die Instruktion: „Kleidungsstücke werdenI am sichersten durch Hitze im Ofen (75 bis 90 ° R.)lesinfizirt, in Ermangelung eines Brennofens, Backofenss. w., wird die Pesinfektion derselben durch längeresBelassen in schwächeren Lösungen (von Zinkvitriol oder
1 ) So namentlich vor Paris. — Vergl. I. Band dieses Berichtes,S. 168.
2 ) Zahlreiche Bemerkungen darüber befinden sich im III. Kapiteldes I. Bandes dieses Berichtes. — Betreffs der Bayerischen Peldbett-
I laden siehe ebendaselbst 8. 50 und 51 sowie 221.
Chlorzink; und nachkeriges Waschen, oder auch durchSchwefel- bezw. Chlorräucherungen je nach den Stoffenausgeführt. Pie Anwendung von (trockener) Hitze bliebjedoch im Wesentlichen auf die Reserve- bezw. Vereins-lazarethe beschränkt; auf Französischem Boden war esnur ausnahmsweise möglich, Desinfektionsöfen in Gebrauchzu setzen.') Um so grösser war mehrfach das Verlangendanach. So heisst es z. B. in einem Berichte aus Colinar:„Pas langgefühlte Bedürfniss eines Pesinfektionsofens be-hufs Pesinfektion der Kleidungsstücke, der Bett- und Leib-wäsche, trat am lebhaftesten beim Zuwachs an Krankenvon der Bourbaki'schen Armee hervor, welche eine grosseMenge von Ungeziefer mitbrachten. Per Ofen entsprachin vollstem Maasse den gehegten Erwartungen." Meistbeschränkte man sich nothgedrungen auf Räucherungenmit Chlor oder Schwefel.
Die noch in ausserordentlichen Mengen verbrauchteCharpie und alte Leinewand, ebenso Kompressen und Bindenwurden verbrannt, wenn sie bei ansteckenden Krankheitengedient hatten; bei nicht infizirten Wunden verwendete Kom-pressen und Binden verwendete man nach Desinfektion mitKalilauge meist von Neuem und verbrannte sie nach mehr-maligem Gebrauche oder vergrub sie nach Uebergiessungmit übermangansaurem Kali, Kalkpulver, Karbolsäure u. s. w.
Es bleibt noch übrig, der Reinigung des Körpersder Verwundeten zu gedenken. Pie Dienstanweisung für dieKrankenwärter bei den Feldlazarethen bestimmte, dass derVerwundete bei seiner Ankunft ins Lazareth zu reinigenund mit frischer Wäsche zu versehen sei. In welcherWeise diese Reinigung stattfand, ob man immer nurWasser, oder auch Desinfizientien, wie Kalilauge und der-gleichen, dabei verwendete, wie man sich bei dieser Reini-gung in Bezug auf die Umgebung der Wunde verhielt —und das ist das Wichtigste — ist aus keinem der Berichtezu erkennen. Indessen kann nach früher Gesagtem 2 ) mitSicherheit angenommen werden, dass eine Säuberung derdie Wunde umgebenden Haut in der Weise, wie die anti-septische Wundbehandlung sie fordert, nur ausnahmsweisestattgefunden hat.
Vollständige Badeeinrichtungen waren auch aufdem Kriegsschauplatze in den günstiger gelegenen Lazarethenkeineswegs selten; auch unter schwierigen Umständenstrebte man mit aller Energie danach, solche zu erlangenoder zu improvisiren. 3 )
*) "Vergl. I. Band dieses Berichtes, S. 80, Anmerkung 3.
2 ) Vergl. S. 27 dieses Bandes.
3) Vergl. [. Band dieses Berichtes S. 153 (Maugis), 161 (Corbeil),170 (Igny); desgl. VI. Band, S. 329.