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3. Chirurgischer Theil A (1890) Die Verwundungen durch Kriegswaffen bei den Deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71 : Allgemeiner Theil
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I. Kapitel: Kriegschirnrgische Anschauungen zur Zeit des Deutsch-Französischen Krieges u. s. w. Band TIT. Allgem. Theil,

röhren her, welche sich aus einem grossen dreifüssigenHeizcylinder erheben, um oben in einem Sammelcylindermit Rauchabzugsröhren zu endigen. Die erzeugte Wärmewird als eine höchst angenehme geschildert. Im Gänsenlässt sich nach den Mittheilungen im I. Bande diesesBerichtes nicht verkennen, dass eine beträchtliche Zahlder benutzten Baracken wegen mangelhafter Erwärmungs-

fähigkeit als einwandfreier Winteraufenthalt nicht betrachtewerden konnte.

Eine Art Fussbodenheizung (mittels erwärmte?Luft) bestand in der Musterbaracke der Frau Kronprinzenvon Preussen in Homburg. 1 )

») Vergl. I. Band dieses Berichtes, S. 362.

IV. Unterbringung des Einzelnen. Behandlung der Effekten.

Die Peld-Sanitäts-Instruktion von 1SG9 schrieb vor,dass der Chefarzt bei Einrichtung des Lazareths auf dieTrennung der inneren Kranken von den Ver-wundeten und auf die Absonderung der mit an-steckenden Krankheiten Behafteten Bedacht zunehmen habe.

Alle Kriegschirurgen sind darin einig, dass namentlichdas Zusammenliegen von Typhus- und Ruhrkranken mitVerwundeten in hohem Grade ungünstig auf den Wund-verlauf wirkt. Der Krieg von 1870/71 hat auch dieseErfahrung lediglich bestätigt. Schon das Vorhandenseineiner Typhus- oder Ruhrepidemie in einem Orte genügtebereits, die Erfolge kriegschirurgischer Thätigkeit zutrüben, ohne dass ein Zusammenliegen von Verwundetenmit Typhösen oder Ruhrkranken stattgefunden hat. ImKriegslazareth zu Ste. Marie aux Chenes 1 ) war dasBefinden der Verwundeten ein ganz zufriedenstellendesgewesen; da brach im Oertchen eine Typhus- und Ruhr-epidemie aus, und wenige Tage darauf waren Dutzendevon Verwundeten pyämisch. Im Reservelazareth Cassellag unter innerlich Kranken ein Verwundeter; seine Wundewurde von Hospitalbrand ergriffen; nach Trennung vonden übrigen Kranken besserte sich die Wunde zusehendsund war nach vier Tagen wieder rein. Aehnliches be-richtet II. Fischer aus dem Lazareth zu Neunkirchen.

Im Allgemeinen kamen auf Deutscher Seite nur wenigVerstösse gegen den beregten Erfahrungsgrundsatz vor.Die Französischen Aerzte schienen auf die Trennung derinneren von den äusseren Kranken nicht denselben Werthzu legen. Nach den Berichten von Eilert lagen z. B. inden Französischen Hospitälern zu Rouen Schwerverwundetemit Pocken- 2 ) und Typhuskranken zusammen. Ein Feld-lazareth des III. Armeekorps übernahm 140 Franzosen,139 Schwerverwundete und mitten unter ihnen als einzigeninnerlich Kranken einen Pockenkranken. In Nancy lagendie Verwundeten mit Ruhrkranken zusammen; in Forbachhatte man zwar die innerlich von den äusserlich Kranken

1) Vergl. I. Band dieses Berichtes, S. 131 und 132.

2 ) Betreffs der mangelnden Isolirung Pockenkranker in Fran-zösischen Hospitälern und in Frankreich überhaupt vergl. VI. Banddieses Berichtes, S. 55.

getrennt, aber in der Weise, dass z. B. in demselben llaii> tim Erdgeschoss Pockenkranke, im ersten Stockwerk Yer|wundete lagen.

In Oliigem ist die Notwendigkeit der Trennung beide!Kategorien von Kranken lediglich von dem Gesichtspunktaus besprochen, dass die Wunden Verletzter sich zu verlschlechtem pflegen, wenn diese mit Leuten zusamm«liegen, die an inneren Infektionskrankheiten leid«!Hierzu kommt die Gefahr, dass die Verletzten vonbetreffenden Infektionskrankheiten selbst ergriffen weitIm Deutsch-Französischen Kriege haben sich Ruhr urnjlTyphus nach dieser Richtung trotz aller Vorsicht«maassregeln als böse Feinde der Verwundeten gezeigt!Erkrankten die Träger an und für sich unbedeutend«Wunden am Typhus, so trat mehrfach das im Uebrigen iiDeutsch-Französischen Kriege nicht gerade häufig beobadtete akut-purulente Oedem 2 ) auf. Das Reservela/.aretiStettin sah unter diesen Verhältnissen bei einer Anzalvon Leichtverwundeten in wenigen Tagen drei ArmJbrandig werden.

Die Absonderung der mit Wundinfektionskrantheiten Behafteten von den andern Verwundeten hat mlin den Deutschen Sanitäts-Anstalten überall mit Streu«durchzuführen gesucht. In den Feldlazarethen Hess sie]freilich aus naheliegenden Gründen, namentlich inersten Zeit nach der Einrichtung, die Absonderung alle!Septicämischen, Pyämischen, Erysipelas-Kranken nicht elzwingen, selbst dort aber scheint dieselbe wenigstens haeiner Wundinfektion, die zu den gefürchtetsten geziili.lwird, bei dem Hospitalbrande, soweit dies aus delBerichten erkenntlich ist, allerorts ermöglicht zu sein. 3 )

Ueberall stellte es sich als zweckmässig heraus, nicllzuviel Schwerverwundete bezw. Kranke mit stark eiternde!Wunden zusammenzulegen, solche vielmehr mit Leiclitvei|wundeten zu vermischen; am vorteilhaftesten erwiessich, wenn (wie es in einer Anzahl von Reservelazareth«geschah) je ein Schwerverwundeter mit einem Leicht!

') Vergl. die Tabellen im Speziellen Theil dieses Bandes.

2 ) Vergl. das folgende KapitelWundkrankheiten".

3 ) Vergl. das folgende KapitelWundkrankheiten".