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3. Chirurgischer Theil A (1890) Die Verwundungen durch Kriegswaffen bei den Deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71 : Allgemeiner Theil
Entstehung
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Band III. Allgem. Theil.

III. Abschnitt: Handhabung der Lazareth-Hygiene.

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schlecht scliliessenden Fenster und Thüren, sondern auchdurch die ausserordentlich dünnen Wände freien Zugangfand. ,Auf der einen Seite wird man gebraten, auf derandern friert man", so heisst es in zahlreichen Berichten.Dazu kam, wie schon oben erwähnt, der Mangel trockenenHolzes- man musste fruchtlos eben geschlagenes benutzen,welches, ganz abgesehen von dem Uebelstande des Qualmens,nicht den Heizwerth des trockenen haben kann. Die an-dauernd starke Heizung der Kamine hatte an manchenOrten noch weitere böse Folgen: theils brannten dieBalken unter dem Kamine durch, so dass der Boden auf-gerissen werden musste und hierdurch die Zimmer für dieBelernmo - verloren gingen, theils sammelte sich bald einebeträchtliche Menge Russ in den Schornsteinen an, so dassbei gewissen Windrichtungen oder nebliger Luft derartigerRauch einzelne Zimmer füllte, dass eine Verlegung derKranken stattfinden musste. Selbst wo man Luftheizungin Verbindung mit Kaminen als Heizvorrichtungen antraf,genügten sie bei dem mangelhaften Schluss der Thürenund Fenster nicht, eine erträgliche Temperatur herbei-zuführen. So war es z. B. im Fetit Seminaire zu[Versailles, in welchem diese Einrichtungen auch be-standen, in den kalten Tagen des Dezember trotz bestän-diger Heizung kaum möglich, mehr als 8°R. zu erzielen.Auch betreffs der Heizung kamen mannigfache Impro-' visationen mit mehr oder weniger Erfolg zur Ausführung.')Dass in den während des Feldzuges errichteten leich-Iteren Baracken, den mit Verwundeten belegten Exerzir-behuppen, Reitbahnen und ähnlichen Gebäuden einer aus-reichenden Erwärmung grosse Schwierigkeiten entgegen-trat ni, wird Niemand überraschen. In den Baracken desLagers von Chälons (Mourmelon le Grand) gefror derInhalt der Medizinflaschen, 2 ) ebenso in den Baracken beiNürnberg trotz dauernder Heizung durch grosse guss-HSerne Oefen das Wasser in den Gefässen, w r elche unterden Fenstern standen. 3 ) Die von vornherein in Hinblickauf etwaigen Wintergebrauch eingerichteten Baracken be-reiteten in dieser Hinsicht weniger Verlegenheiten, dieleichter erbauten mussten bei Eintritt der kälteren Jahres-zeit zum grössten Theil geräumt werden. Eine nicht un-erhebliche Anzahl auch der letzteren wurde zwar für denIPintergebrauch hergerichtet, in einigen konnte indessenselbst bei stärkster Heizung die unumgänglich nothwendigeTemperatur nicht erzielt werden, so dass man sie verlassenmusste. Andere blieben zwar belegt, boten jedoch wegen[mangelhafter Erwärmungsfähigkeit eine missliche Winter-; Unterkunft. 4 )

') Vergl. z. B. im I. Bande dieses Berichtes, S. 161, die Her-

| -Stellung eiserner Oefen aus Gartenstühlen im Aufnahms-Peldspitalpo. 12 des IL Bayerischen Armeekorps.

2 ) Vergl. I. Band dieses Berichtes, S. 325.

3 ) Vergl. ebendaselbst, S. 366.

4 ) Die Einzelheiten siehe im VII. Kapitel sowie in Beilage 98und 99 des I. Bandes dieses Berichtes.

Von den Feldbaracken blieben übrigens ausser denbereits erwähnten in Mourmelon le Grand nur die-jenigen in Gorze, Bonsecours, Corbeil und Cbaumontbis in den Winter hinein oder während der ganzen Dauerdesselben in Gebrauch. 1 ) In Neuwied 2 ) und Cöln s )wurde auch eine Ueberwinterung in Zelten mit Erfolgversucht.

Wie schon angedeutet, erlangten die gleich für denWintergebrauch eingerichteten Baracken im Allgemeinengenügende Heizergebnisse. So hatte das Friedrichs-Barackenlazareth zu Karlsruhe, 4 ) bei welchem dieHeizung durch eiserne Steinkohlenöfen stattfand, beieiner Aussentemperatur von 12 bis 14° R. eine Innen-wärme von -4- 14 bis 16° R.; Aehnliches ward auchaus Heidelberg 5 ) berichtet. Dagegen erzielte man inHomburg vor der Höhe 6 ) bei ganz ähnlichem Heiz-verfahren bei einer Durchschnitts - Aussentemperatur von 3.i ° R. im Januar 1871 nur eine Durchschnitts-lnnen-temperatur von -f- 4.3 ° R. Man schob hier die Haupt-schuld auf die Kohlen. In den aptirten DüsseldorferBaracken 7 ) stellte man Vergleiche zwischen Füll-Regulir-öfen und grossen eisernen Trommelöfen an, sie fielen zuGunsten der letzteren aus. In den Baracken bei Leipzig s )erfolgte die Heizung durch grosse eiserne Steinkohlen-Füllöfen mit einem gemauerten, oben offenen Mantel nachKellin g'schem System; man fand die Handhabung zuverwickelt und die Temperaturschwankungen zu gross,dieselben bewegten sich im Januar zwischen 3 bis 18 ° R.

Dass die sogenannten Zeltbaracken 9 ) oder die un-mittelbar auf dem Boden stehenden Baracken 10 )eine genügende Heizung ganz besonders erschwerten,während das Fehlen des Dachreiters 11 ) und der be-sonderen Ventilationsvorrichtungen überhaupt die Erwär-mung erleichterten, ist ohne Weiteres verständlich. Zuder letztgenannten Art von Baracken gehört u. A. auchdie Baracke von Speier. 12 ) Hier fand die Erwärmungdurch sogenannteBlech-Mitrailleusenöfen" statt; dieserAusdruck rührt von den sieben parallel laufenden Blech-

!) Vergl. I. Band dieses Berichtes, S. 320 ff.*) Vergl. ebendaselbst, S. 367 und 368.

3) Vergl. ebendaselbst, S. 332 und 333.

4 ) Vergl. ebendaselbst, S. 349.& ) Vergl., ebendaselbst, S. 350.

6) Vergl. ebendaselbst, S. 353.

7 ) Vergl. ebendaselbst, S. 364.

8 ) Vergl. ebendaselbst, S. 348.!l ) Vergl. ebendaselbst, S. 380.

10 ) Vergl. ebendaselbst, 8. 377 ff. Bei den Baracken mit Boden-erhöhung wurde der Zwischenraum zwischen der Erde und dem Puss-boden der Baracke bei Eintritt des Winters fast ausnahmslos ganzoder theilweise vermauert oder durch Bretterverschalung verschlossen. Näheres siehe im I. Bande dieses Berichtes.

n ) Vergl. I. Band dieses Berichtes, S. 377.

12 ) Vergl. ebendaselbst, S. 378.

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