Band III. Allgem. Theil.
III. Abschnitt: Handhabung der Lazareth-Hygiene.
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zuweilen derartig, dass man von dem Gebrauch der Kaminegänzlich Abstand nahm.
In der späteren Kriegszeit, als die rauhe Witterungdas Oeffnen der Fenster und Thüren nur in unzureichendemMaasse gestattete, brachte man zur Verbesserung mehroder weniger einfache Vorrichtungen an: man nahmdie oberen Fensterscheiben heraus und ersetzte sie durchBlechkästen, man setzte Luftscheiben ein, brachte stellbareJalousien oder Gitterwerk in der Thürfüllung an; Fenster-scheiben wurden durch feinste Drahtgaze ersetzt, einfacheLöcher in die Thüren geschnitten; man stiess Oeffnungenin das die Zimmer von dem Korridor trennende Mauerwerkoder in die Schornsteinmauer, brachte auch, wo es möglich
jwar Flammen vor diesen Oeffnungen an; hier und dawurde auch die Zimmerdecke durchstossen. Um dieschlechte Luft aus den Korridoren abzuführen, wurdemanchmal das Dach des Treppenhauses durchbrochen undmit einem Luftsauger in Form eines durchbrochenenThuriues versehen. Es würde viel Raum in Anspruch
t nehmen, sollte an dieser Stelle Alles aufgezählt werden,was Deutscherseits gelegentlich geschah, um genügende
[Lufterneuerung in den mit Verwundeten belegten Räumenherzustellen. Man suchte sich eben zu helfen, so gut man
[konnte, aber man half sich unter allen Umständen, dennhe Lüftung hielt man mit Recht für eines derrichtigsten Glieder in der Kette der hygieni-schen Maassnahmen. Daher rühmten Freund und Feindhe gute Luft der Deutschen Lazarethe.
Recht schwer waren die zu Lazarethz wecken benutzten
Französischen Kasernen l ) zu lüften. Meist befand sich in
[inen eine kleine, durch eine Klappe verschliessbare Oeffnung
unter dem Fenster und eine ebensolche in dem Mauerwerk
[des Schornsteins. Häufig aber hatten 5 bis 6 Stuben zu-sammen nur einen Eingang vom Korridor aus, so dass
von (i Stuben immer nur in einer (durch Offenhalten von
[Fenster und Thür) zweckentsprechende gegenüberliegende
I Oeffnungen zu Gebote standen, während in den übrigen die
■beiden erwähnten, oft nahe bei einander liegenden Oeffnungenfür die Luftverbesserung der Räume nur wenig ins Gewicht
[fielen. Auch die Deutschen Kasernen Hessen bezüglichder Ventilation Manches zu wünschen übrig. In Hild-nirghausen wurde ein altes Schloss zur Kaserne benutzt,dessen Zimmer nur zum Theil mit dem Korridor in unmittel-barer Verbindung stehen. Diese Kaserne wurde mit Ver-wundeten belegt, unter denen bald derllospitalbrandausbrach.„Die Infektion", so berichtet der Provinzial - GeneralarztRoth, „brach in den Zimmern aus, welche am schwierigstenzu lüften waren, während die Zimmer, vor denen sich ein
| Korridor befand, verschont blieben."
In den Lazarethbaracken wurde der Luftwechsel ganzIberwiegend durch Dachreiter bewerkstelligt, sowohl bei
') Vergl. vorstehend S. <>2.Samläts-Bericht über die Deutschen Heere 1870/71. III. Bd. Allgem. Theil.
den Feldbaracken als bei denen im lnlande.') Einigeanderweitige Vorkehrungen sind im ersten Bande diesesBerichtes theils bei den Feldbaracken 2 ), theils in dersechsten Gruppe 3 ) der heimischen Baracken geschildert.Für den Winter sah man sich allerdings genöthigt. dieseDachreiter mit stellbaren Holzklappen zu versehen, mitStrohmatten zu behängen, auch theilweise zu vernageln 1 )und die Lüftungsvorkehrungen mit den Heizeinrichtungenin Verbindung zu bringen. 5 )
Im Gegensatz zu den Anschauungen der DeutschenAerzte schien man Französischerseits von einer ausgiebigenLüftung mehr Schaden zu fürchten als Nutzen zu hoffen.Auch neutrale Beobachter, wie Mac Cormac, sprachensich missbilligend aus über die schlechte Ventilation derFranzösischen Hospitäler, welche Wundrose und Pyämiemit verhältnissmässig grosser Sterblichkeit unter denOperirten zur Folge habe. Mac Cormac schreibt: „Wiramüsirten uns Alle, als der Französische Generalintendantuns (Kaserne d'Asfeld in Sedan) eine Inspektionsvisitemachte, welch' ein saures Gesicht der Mann zog, als erbei uns die offenen Fenster sah. Er meinte, wir würdenalle unsere Pfleglinge durch Zugluft umbringen, und gingdann mit bedeutungsvollem Achselzucken seines Wegs."
Ein Preussisches Feldlazareth berichtet in dieser Be-ziehung: „In Bapaume befanden sich 157 verwundetePreussen und 145 Franzosen, welche letzteren von Fran-zösischen Civilärzten behandelt wurden. Das Lüften derZimmer unterliessen diese so gut wie ganz; stets war dieLuft unrein und ein starker Eitergeruch vorhanden. DieVorkehrungen für eine genügende Ventilation in demstädtischen Hospital zu Bapaume, in welchem ebenfallsFranzosen lagen, wurden nicht benutzt. Es klagten daherdie mit den Franzosen zusammenliegenden PreussischenVerwundeten über üble Luft in den Zimmern. Von unsererSeite Hess sich nichts Anderes thun, als bei unseren Be-suchen Thüren und Fenster zu öffnen, die aber bald nachhervon Französischen Lazarethgehilfen und von dem weiblichenWartepersonal dieses Spitals hermetisch wieder verschlossenwurden."
Mussten Deutsche Aerzte Französische Verwundete über-nehmen, so fand man letztere nicht selten in übelriechendenRäumen bei fest geschlossenen Thüren und Fenstern, 6 ) zu-weilen in Betten förmlich verpackt und in Folge der Wärmein erschöpfendem Schweiss gebadet; daneben wurde durchdie in Frankreich üblichen Bettgardinen ein Luftwechsel
') Nämlich bei sämmtlichen im III. Abschnitt des VII. Kapitelsdes I. Bandes unter Gruppe 1 bis 5 aufgeführten Baracken.») Vergl. I. Band dieses Berichtes, S. 317 ff.
3) Vergl. ebendaselbst, S. 372 ff.
4 ) Siehe z. B. I. Band dieses Berichtes S. 344 (Baracken aufdem Tempelhofer Felde).
5 ) Vergl. auch nachstehend S. 75.
6 ) Vergl. vorstehend S. 63.
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