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I. Kapitel: Kriegschirurgische Anschauungen zur Zeit des Deutsch-Französischen Krieges u. s. w. Band III. Allgem. Theil,
dementsprechend gute. Aber mit der Zeit wechselte dasBild, obwohl sich nachweislich in den äusseren und innerenVerhältnissen des Lazareths nichts geändert hatte. Mansprach es schliesslich offen aus, „dass die Pyämie nichtdurch Lüftung, auch nicht durch die peinlichste Sauberkeithintangehalten werden könne", und suchte nach den Gründendieser betrübenden Wahrnehmung. Der Chefarzt (Ober-stabsarzt Kirchner) hielt es für wahrscheinlich, dass dieim Schlosse hängenden Oelbilder zur Ansammlung undNistung organischer Keime dienen, und klagte ausserdemdrei Umstände an: 1) Grösse des Gebäudekomplexes unddadurch bedingte Gefahr der Krankenanhäufung (trotz15 000 Quadratfuss Luftraum); 2) mangelhafter Abschlussder Räume untereinander; 3) erschwerte Lüftung. Derlvorps-Generalartz Chalons reichte die Aeusserung desChefarztes mit folgenden Bemerkungen weiter: „Der Ver-fasser hat nur nach äusseren Ursachen für die Erklärungdes oft ungünstigen Verlaufs der Wundheilung und derOperationsergebnisse gesucht, aber nach meinem Dafür-halten vollkommen vergeblich. Es sind innere Ursachen,welche hierüber Aufklärung geben. Der Vorpostendienstist körperlich und geistig in höchstem Grade anstrengendund spannend, er hat eine nervöse Abspannung hohenGrades zur Folge, die nicht selten zur vollkommenenParalyse führt. Diesen Charakter zeigen die innerenKrankheiten, 1 ) er macht sich selbstverständlich auch imVerlauf des Wundprozesses bemerklich. Es ist dieserparalytische Charakter, welcher wie die inneren Krank-heiten, so auch den Wundverlauf gefährlich gestaltet; erist es, der die schlechten Eiterungen und die Resorptions-Septicämie bedingt, auf Grund des Mangels an Turgornach der Peripherie des Körpers." Auch diese Erklärungmag nicht gänzlich von der Hand zu weisen sein; dieHauptsache aber dürfte mit wenigen Worten der Armee-Generalarzt Boeger zutreffend bezeichnet haben, indem erdem Obigen seinerseits hinzufügte: „In dem besten Hause,welches so grosse fehleiternde Wunden beherbergt (wiedas Versailler Schloss), bildet sich mit der Zeit eineiniizirende Luft, das ist die einfache Erklärung."
Nach den Berichten der Chefärzte genügten meist12 bis 24 Stunden, um die leerstehenden Räume ausreichendzu desinfiziren und von Neuem belegbar zu machen.Gestatteten es die Raumverhältnisse, so blieb in manchenLazarethen ein besonders stark desinfizirtes Zimmer zurAufnahme von infizirten Verwundeten von Beginn derEinrichtung des Lazareths an vorbehalten.
B. Lüftung. 2 )
Der grösste, dem Einzelnen zugemessene Luftraum kannnicht dauernde Reinheit der Innenluft gewährleisten, wenn
•) Vergl. hierzu das Kapitel „Typhus" im VI. Band diesesBerichtes.
2 ) Betreffs Lüftung der zum Krankentransport benutzten Rhein-und Moseldampfer siehe I. Band dieses Berichtes, S. 23, betreffs
nicht für genügenden Luftwechsel entsprechend Sorgtgetragen wird. Dieser hygienischen Forderung ist Deutscher-seits in mindestens ausreichendem Maasse nachgekommen,Einige den Luftwechsel begünstigende Umstände fandensich überall in Frankreich; das waren die allerortsschlecht schliessenden Fenster und Thüren und die offenenKamine. Die vormarschirenden Deutschen Heere fandenüberdies in den berührten Ortschaften Fenster und Thürenvielfach zertrümmert vor, so dass für ausgiebigste Lüftungauch ohne weiteres Zuthun gesorgt war. Ueberhaupt abernahm man auf Deutscher Seite keinen Anstand, Fensterund Thüren während der wärmeren Monate Tag und Nachtoffen zu halten, um eine dauernd gute Luft in den Kranken-räumen herzustellen. Schlecht zu lüften waren — nüberall — die aus Noth stark belegten Kirchen, da ihreFenster zu hoch über dem Boden lagen und zum Theilsich gar nicht öffnen Hessen. In solchen Fällen suchteman sich dadurch zu helfen, dass man die Fenster einschlug, ohne indess selbst hierdurch eine ausreichendeLufterneuerung in den todten Winkeln, den Ecken und)Nischen der grossen Gebäude herstellen zu können. De:Lüftung durch Kamine, die begreiflicherweise erst in de:kälteren Jahreszeit eine ausgiebigere sein konnte, wird viel-fach ein schwerlich ganz verdientes Lob gespendet. „Wieausgezeichnet diese Kamine die Ventilation besorgen", be-richtet das 5. Feldlazareth IL Armeekorps, „konnten viin unserm Hause recht beobachten. In einem sehr groeinfenstrigen Zimmer des ersten Geschosses, das ziemlicl!stark belegt war, herrschte stets eine bessere Luft, als indem entsprechenden Zimmer des Erdgeschosses, welchesan Stelle des Kamins einen kleinen Porzellanofen besas,und in welchem trotz seiner zwei Fenster und schwach«Beleuchtung stets ein so unangenehmer Geruch herrschte,dass wir, sobald die Umstände es erlaubten, voi|seiner Belegung Abstand nahmen." Andere Lazarethe zeigtsich von dem Werthe der Kaminheizung für die Ventilatioi|weniger überzeugt. „Es ist nicht gerade", so heisst es iieinem Berichte des 1. Feldlazareths XIII. Armeekorps, „eilneue Wahrnehmung, die aber bei der vielfachen UebeijSchätzung der einfachen Kamine für den Luftwechimmerhin zu erwähnen sein dürfte, dass die erheblieli'|Luftmenge, welche durch einen geheizten Kamin beständiiabgeführt wird, zum grössten Theile durch die gegebene!,]Oeffnungen des betreffenden Wohnraums von aussen heiin umschriebenen Strömen den Kaminen auf kürzeste«Wege zufliesst, ohne für die Reinheit der Innenluft nutzbarzu werden." Ein grosser Uebelstand bei Benutzung daKamine für die Lüftung, der allerdings nicht den Kamine«an sich zur Last gelegt werden kann, war das Raucherjund Qualmen bei der in Ermangelung trockenen Material.- 1oft nothwendigen Benutzung nassen, eben gefällten Holzes.Die hierdurch hervorgerufenen Unzuträglichkeiten warei
Lüftung der Krankenwagen der Sanitätszüge ebendaselbst|S. 27(3 u. ff.
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