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3. Chirurgischer Theil A (1890) Die Verwundungen durch Kriegswaffen bei den Deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71 : Allgemeiner Theil
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Band III. Allgem. Theil.

III. Abschnitt: Handhabung der Lazareth-Hygiene.

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helfen: die bis zur äußersten Grenze des Erlaubten aus-gedehnte Evakuation.

Im Gegensätze zu derartigen Umständen bot das Ver-sailler Schlosslazareth 1 ) (12. Feldlazareth V. Armee-korps) jedem Verwundeten (hauptsächlich allerdings inFolge der aussergewöhnlichen Höhe der Säle) einen Luft-raum von 4000 bis 15 000 Kubikfuss, ganz abgesehen da-von dass der Einzelne denselben nicht einmal Tag undNacht in Anspruch nahm, denn die Verwundeten wurden,wenn die Witterung es irgend gestattete, tagsüber insFreie gebracht.

Eine so dichte Belegung mit Verwundeten, dass derdem Einzelnen verbleibende Luftraum erheblich unter dasoben erwähnte Maass sank, hatte regelmässig eine deutlicherkennbare Verschlechterung der Wunden und bei längererDauer eine erhöhte Sterblichkeit im Gefolge. Nachdemes Mac Cormac über Erwarten gelungen war, die hy-gienischen Zustände in der Kaserne d'Asfeld zu Sedan zuverbessern, wurde plötzlich am 12. September das Hospitalso gewaltig überfüllt, dass auf den Einzelnen nur 360 Kubik-fuss Luft kamen. Es dauerte nur wenige Tage, bis das

j Aussehen der Wunden bei den bis dahin sich wohl be-findenden Insassen sich auffallend verschlimmerte.FastAlle litten mehr oder weniger; auch unter den Aerztenmachte es sich fühlbar; der Eine bekam starke Diarrhöe,der Andere Kopfschmerzen, der Dritte fieberhaften Zustandu. s. w. Zwölf von den ursprünglichen Verwundeten undacht von den Neilhinzugekommenen starben zwischen dem21. bis 27. September an Pyäinie. Wenn man annimmt,dass die Dauer der akuten Pyämie (wie man annäherndschätzen kann) 10 bis 14 Tage beträgt, so fällt der Anfangder Krankheit genau in die Zeit, als unser Hospital mitneuen Kranken überfüllt wurde." Das 10. Feldlazareth desGardekorps hatte sich zu Pont ä Mousson etablirt. Diezu Lazarethzwecken benutzten Räumlichkeiten waren zwar

an und für sich diesen Zwecken nicht besonders günstig,doch genügten die umfangreichen hygienischen Maassregeln,

Jum Infektionskrankheiten zu verhüten.Sobald jedoch

idie Notwendigkeit an uns herantrat, die Räume dauernddicht zu belegen, zeigten sich unsere Maassnahmen ohn-mächtig, und Pyämie und Septicämie war die Folge."Von dem Augenblicke an, als auch die Korridore belegtwerden mussten", berichtet ein Lazareth aus Saarbrücken,trat eine auffallend schlechte Beschaffenheit der Wunden

| ein." Ende Januar wurden nach der Schlacht bei St. Quentindie Lazarethe zu Reims mit Verwundeten überfüllt; sofortverschlechterte sich der Zustand der Verwundeten in auf-fallender Weise, und zahlreiche Fälle von Wundrose tratenauf. (Hüter.)

l ) Vergl. I. Band dieses Berichtes, S. 159, betreffs der Unter-bringung der Lazarethe vor Paris überhaupt ebendaselbst, S. 158.Wegen des Wundverlaufs im Versailler Schloss siehe nachstehendUS. 72).

Die Reserve- und Vereinslazarethe konnten ihrenInsassen fast ausnahmslos den vorgeschriebenen Luftraumund meist noch mehr als diesen gewähren; vielfach konntendaselbst auch Verwundete regelmässig ins Freie getragenwerden. Die Wirkung auf das allgemeine und örtlicheBefinden Hess sich zuweilen schon nach wenigen Tagenbeobachten. Wohl mit Recht betont Schinzinger auchden seelischen Einfluss dieses Verfahrens. In dem Reserve-lazareth Schwetzingen wurden in dem dortigen Scbloss-gebäude untergebrachte Verwundete bei geeignetem Wetterregelmässig mit ihren Bettstellen in den Park gebracht,woselbst sie den ganzen Tag zubrachten.Die Wunden" so schreibt der Genanntenahmen rasch eine guteBeschaffenheit au; Appetit und Schlaf stellten sich besserein. Hierzu trug unverkennbar die durch solche Umgebunghervorgerufene moralische Einwirkung Vieles bei; denn garmancher Verwundete, den wir Tags zuvor einer grösserenOperation unterzogen, wähnte sich schon nahezu gesund,wenn er mit seinen Kriegskameraden mit innigem Be-hagen die köstliche Luft und Farbenpracht des Gartensgemessen konnte."

Segensreich erwies sich überall das vorübergehendeLeerstehenlassen der belegten Räume mit nach-folgender Desinfektion in der Weise, dass nach undnach sämmtliche Krankenräume in bestimmter Reihenfolgevon der Belegung ausgeschlossen wurden. Die alte Er-fahrung, dass die ihrer Anlage und sonstigen Beschaffenheitnach angemessensten Räumlichkeiten durch ununterbrochenanhaltende Belegung mit Verwundeten trotz aller Rein-lichkeit und Desinfektion mit der Zeit zu Infektionsherdenwerden, hat der Deutsch-Französische Krieg von Neuembestätigt. Vorzugsweise waren es die Kriegslazarethe,welche durch die anhaltend starke Inanspruchnahme zuleiden hatten. Im Kriegslazareth Manufacture desTabacs 1 ) zu Nancy waren die Ergebnisse der ver-schiedensten Operationen anfänglich als sehr günstige zubezeichnen; allmälig wurden sie schlechter und zuletzt soschlecht, dass die Aerzte sich im Februar und März gegenjede Operation sträubten, da namentlich von den Amputirtendie meisten an Pyämie starben. Aehnlich lagen die Ver-hältnisse im Kriegslazareth Sacre coeur in Orleans.Drei Monate lang blieb das Lazareth von jeder Infektionfrei, und die Wundbehandlungserfolge waren vorzüglich.Da stellte sich zunächst Wundrose ein, dann kam Pyämie.dann Wundstarrkrampf und schliesslich Hospitalbrand.Es konnte nicht wohl einer anderen Ursache, als einer zulangen Belegung desselben Raumes zugeschrieben werden",meinte der Chefarzt. Am deutlichsten zeigte sich derEinfluss zu langer Belegung in dem Versailler Schloss.Dort herrschten in der ersten Zeit der Etablirung dieallerbesten hygienischen Verhältnisse; 2 ) die Erfolge waren

!) Vergl. I. Band dieses Berichtes, S. 148.*) Vergl. vorstehend (S. 641