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3. Chirurgischer Theil A (1890) Die Verwundungen durch Kriegswaffen bei den Deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71 : Allgemeiner Theil
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I. Kapitel: Kriegschirurgische Anschauungen zur Zeit des Deutsch-Französischen Krieges u. s. w. Band III. Allgem. Theil.

entfaltete derselbe einen merkbar verderblichen Einfluss.Das 8. Feldlazareth IV. Armeekorps etablirte sich unterden ungünstigsten äusseren Verhältnissen in Beaumont.')Der Leichengeruch war deutlich zu erkennen, zahlreichePferdeleichen bedeckten das Schlachtfeld; ein BataillonInfanterie biwakirte dauernd auf der Strasse des Städtchens,auf dem Markte fand die Sammlung der erbeuteten Pferdestatt; dabei war jedes Haus mit Verwundeten belegt.Trotz alledem kam mit Ausnahme eines einzigen Fallesvon akuter Pyämie keine Wundkrankheit zur Beobachtung.Bereits an anderen Stellen dieses Berichtes 2 ) ist viel-fach die Schwierigkeit hervorgehoben, welche den Sanitäts-Anstalten ebenso wie den Truppen aus dem Mangel deszur Hilfeleistung sowohl als zur Erfüllung hygienischerForderungen unentbehrlichen Wassers erwachsen sind.So war in Gravelotte eine Zeit lang gar kein Trink-

x ) Vergl. I. Band dieses Berichtes, S. 139.*) Vergl. ebendaselbst, z. B. S. 62, 111, 119, 121 u. a.; desgl.VI. Band, 8. 329.

wasser vorhanden. Die einzige, reines Wasser liefernde!Quelle in der nach Ars sur Marne führenden Schlucht]diente als Tränke, ihr Wasser war daher ungeniessbar undlfür Sanitätszwecke unbrauchbar. Auch wo vor Metz Wassetlsich fand, war es vielfach trübe, von fadem, unangenehuieiJGeschmack, auch Hessen sich darin schon mit unbewaffnetem!Auge organische Substanzen erkennen. Sein Genuss rief!oft schwer zu stillende Durchfälle hervor. Man kochte e!deshalb vor dem Genuss ab, oder versetzte es mit Cognak,Citronensaft u. s. w., auch Kohlenfilter kamen hier und dalin Gebrauch:') andere Lazarethe Hessen trinkbares Wassetlaus ein- oder mehrstündiger Entfernung in Tonnen herbeilholen. 2 ) Auch vor Paris machte Mangel an Wassetlüberhaupt oder der Kalkreichthum desselben besondere!Maassnahmen nothwendig. 3 )

J ) Vergl. I. Band dieses Berichtes, S. 67.2 ) Vergl. ebendaselbst, z B. S. 121 (St. Privat), S. 132 (Ste. Marie*) Vergl. ebendaselbst, S. 75, 8. 162 (Vaujours und AimetiS. 165 (Meaux); 8. 178 (Kvry sur Seine).

III. Innere Einrichtung.

A. Raumvertheilung. l )

Nach getroffener Auswahl der Gebäude ist die richtigeVerwendung der einzelnen Räume für die gesammteLazareth-Hygiene von wesentlichem Belang. Im Kriegs-lazareth Nancy wurde als Leichenkammer ein Baumunmittelbar unter einem mit Verwundeten belegten Zimmerbenutzt. In diesem letzteren traten 10 Fälle von Hospital-brand auf, in den anderen Räumen nicht ein einziger.

Die Benutzung nicht unterkellerter Erdgeschossezur Pflege Verwundeter (namentlich Seh wer verwundeter)soll wiederholt Nachtheile im Gefolge gehabt haben. Indem Kriegslazareth Ars sur Moselle lagen in solchennicht unterkellerten Zimmern Verwundete, deren Wundenohne Ausnahme diphtherisch wurden, in den übrigenRäumen des Lazareths kam kein einziger Fall dieser Artvor. In Liegnitz wurde ein A T erwundeter mit sehr gutbeschaffener und in Heilung begriffener Schusswunde desUnterschenkels in ein nicht unterkellertes Geschoss derKaserne gelegt. Schon nach 24 Stunden zeigte die Wundediphtherische Beschaffenheit. Man brachte hierauf denKranken in einen hellen freundlichen Raum des städtischenLazareths, und nach wenigen Tagen gewann die Wundeihr früheres Aussehen wieder.

Als Normal-Luftraum für jeden Kranken setzte dieInstruktion 1200 Kubikfuss fest. Oft genug aber konnte

l ) Betreffs der Räume, welche die Feld-Sanitäts-Instruktion von1869 für ein regelrecht eingerichtetes Lazareth verlangte, siehe Bei-lage 29 im I. Bande dieses Berichtes.

kaum die Hälfte desselben gewährt werden, und häufigauch das nur bei gleichzeitigem Vorhandensein anderer!ungünstiger, nicht zu beseitigender Umstände. Am Tagider Schlacht bei LoignyPoupry z. B. erhielt das 2. Feld]lazareth XI11. Armeekorps Befehl, sich unverzüglich z|etabliren. Das Dorf Brandeion wurde hierzu bestimmt, dldie dem Schlachtfelde näher gelegenen Ortschaften theil!schon von anderen Lazarethen belegt, theils in Flamme:aufgegangen waren.') Brandeion zählte 49 armselige Hüttenin welchen sich meist nur ein heizbarer Raum befamliwelcher als Koch-, Wohn- und Schlafzimmer diente. Voileiner Belegung von Scheunen oder ähnlichen Gebäude!musste bei einer Temperatur von 6 bis 8° R. gaiclAbstand genommen werden. Man sah sich daher gezwungeJdie Verwundeten, um sie vor dem Erfrieren zu retten, dich:!gedrängt in jene Räume zu legen, in denen trotz der AulWesenheit der Verwundeten gekocht und gewaschen wurdiweil dieses den armen, selbst hungernden Einwohnern iiickiversagt werden konnte. Rechnet man dazu die Amdünstungen des bei jeder Hütte befindlichen Düngerhaufenso erhellt daraus ein verständliches Bild der gesundheitlwidrigen Zustände, mit welchen die Feldlazarethe nacllgrösseren Schlachten keineswegs vereinzelt zu kämpfe!hatten.Ich entsinne mich nicht", so schreibt der Che!arzt des Lazareths,jemals eine so schlechte Wundreaktioifbei fast allen Verwundeten, wie in Brandeion, gesehen zilhaben." Unter solchen Verhältnissen konnte nur ein Mittel

>) Vergl. I. Band dieses Berichtes, S. 207.