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3. Chirurgischer Theil A (1890) Die Verwundungen durch Kriegswaffen bei den Deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71 : Allgemeiner Theil
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. Kapitel: Kriegschirurgische Anschauungen zur Zeit des Deutsch-Französischen Krieges u. s. w. Band II [. Allgem. Theil.

Abtrittsgruben die Suevern'sche Mischung (Chlor-inagnesium, Aetzkalk und Steinkohlentheer), für nicht leichtzugängliche Kanäle und Röhrenstärkere" Lösungenvon Karbolsäure oder die durch Verbrennen von Schwefel-fäden erzielte schweflige Säure, sowie Chlorräucherungen.Bei den Feld-, Kriegs- und Etappenlazarethen be-schränkte man sich gewöhnlich auf die Desinfektion durchEisenvitriol, allenfalls suchte man durch Anbringen vonLüftungsvorrichtungen in den Aborten bessere hygienischeVerhältnisse herbeizuführen, meist nicht mit demgewünschten Erfolge, da die eigenthümliche Art derFranzösischen Einrichtungen der Verunreinigung allzu-grossen Vorschub leistete. Man sah sich oft gezwungen.die vorgefundenen Latrinenanlagen zu vernageln, weilein einfaches Verbot der Benutzung sich schwer aus-reichend überwachen Hess. Die vernagelten Abtrittewurden in der Weise ersetzt, dass man für die leichtVerwundeten, welche gehen konnten und für die Mann-schaften des Lazareths in Entfernung von hundert Meternund darüber Gruben anlegte, welche mehrmals täglichdesinfizirt wurden. Fehlte es vorübergehend an dergenügenden Menge von Desinfektionsmitteln, so wurdendie Auswurfstoffe in den Gruben mit Erde, Sand oder Aschebestreut. Nach einigen Tagen schüttete man die Grubeganz zu und hob in einiger Entfernung von ihr eine neueaus. Für diejenigen Kranken, welche zwar das Zimmerverlassen, aber nicht zu den entfernten Latrinen gehenkonnten, stellte man auf den einzelnen Stockwerken indazu geeigneten, mit den Korridorstuben in keiner Ver-bindung stehenden Räumlichkeiten Nachtstühle auf, welchemehrmals täglich desinfizirt und geleert wurden. DieSchwierigkeiten wuchsen natürlich mit der Zunahme derSchwerkranken. Das 2. Feldlazareth V.Armeekorps berichtetaus Versailles in dieser Beziehung Folgendes:Was denRaum anbelangt, um in oder nahe den belegten 21 grossenSälen für mehr oder weniger schwer bettlägerige Krankeeinen Nachtstuhl oder die nicht zu umgehenden Nachteimeraufzustellen, so kann man in vielen der belegten Räumedoch gewichtige Bedenken nicht in Abrede stellen. Nur inwenigen, besonders hohen und luftigen Sälen konnte mansich mit gut verkleideten Verschlagen, welche durch eingrosses Fenster mit der Aussenluft in Verbindung standen,zufrieden geben. In einer grösseren Anzahl von Sälen, welchemit Leichtkranken belegt waren, konnte der Hausflurbenutzt werden, in welchem genügende Lüftung sichstreng durchführen Hess; vielfach aber waren im Zimmerselbst Nischen in der Mauer, ohne jeden Luftzug nachaussen, oder hölzerne Vorbaue mit demselben Fehler,welche benutzt werden mussten."

Auch in den heimischen Lazarethen wählte manmit Vorliebe Eisenvitriol als Desinficiens, aber auch dieSuevern'sche Mischung fand viele Lobredner. MancheLazarethe, wie die ausgedehnten Barackenanlagen auf demTempelhofer Felde bei Berlin, zogen eine Mischung von

Karbolsäure, Zinkvitriol und Chlorkalk vor. Von einer!Englischen Gesellschaft wurde eine Anzahl Nachtstühlelmit Holzkohlen-Desinfektion geliefert, die ihren Zweck]angeblich in vollkommener Weise erfüllten. 1 )

Schlechte Latrinenanlagen klagte man überall als «r-lsächliche oder doch begünstigende Momente bezüglich derEntstehung von Wundkrankheiten an. Professor Sehe]bach, chirurgischer Konsulent im Bezirke des XI. Armee-;korps, berichtet in einem Schreiben an die PreussischeMilitär - Medizinal - Abtheilung über eine HospitalbrandEpidemie im Schiesshause zu Gotha Folgendes:Ein nacklNorden und Osten gerichtetes Eckzimmer des LazarethJwar unausgesetzt mit Verwundeten, die zum Theil sek|stark eiternde Wunden hatten, belegt gewesen; in ibrach der Hospitalbrand aus, in der Nähe desselben beifanden sich die Abtrittsanlagen, von welchen aus der naclildem Zimmer zu abfallende verunreinigte Erdboden dielschädlichen Ausdünstungen diesem Saale zuführte; dabeikonnte dieser Saal eben wie die übrigen Räume des Schieshauses wegen Mangels gegenüberstehender oder wegen ztlhoch angebrachter Fenster niemals hinreichend gelüftet!und mit gesunder Luft versehen werden. Es befanden siclilsomit in diesem Saale fast alle Umstände vereinigt, welche!die Bedingungen für die Entwickelung des Hospitalbrande!darstellen; angesichts dieser Thatsache ist es wohl erwiesen, dass die Wunddiphtherie hier genuin entstanden ist.*!

In dem Kriegslazareth zu Remilly 2 ) brach bei einer!Reihe von Verwundeten, die mit vortrefflich aussehende«Wunden aufgenommen wurden, nachdem sie 8 bis 10 Tage!im Lazareth zugebracht hatten, Pyämie und Septicäinielaus. Man forschte nach der Ursache und glaubte sie itlzwei naheliegenden,bis dahin unbekannten" Abtritten zrlfinden. Die Gruben wurden geleert und zweimal täglidmit Chlorkalk desinfizirt, es trat kein neuer Fall voiPyämie oder Septicämie wieder auf.

Ein weiteres Feld hygienischer Wirksamkeit bot sicilden Lazarethen, wiederum in erster Linie den in Fiaukjreich etablirten, in der Reinigung der Umgebungen!der Lazarethgebäude. Auch hierbei kamen in erster!Linie menschliche und thierische Auswurfstoffe sowie Abifälle aller Art in Betracht. In den Dörfern lag vor dalniedrigen Häusern der Stolz des Bauers, der Mist, an einer!Stelle, welche vielleicht schon Jahrhunderte lang als Abiladesteile für denselben benutzt wurde. 3 ) Dass hierdurdldie Erde von Jauche durchtränkt war, konnte man nicht!bezweifeln. Ein Theil der Lazarethe bemühte sich daher!zunächst, den Dünger fortzuschaffen. Mit den Gespanne«des Lazareths wurde er nach und nach entfernt und anfldie Aecker gefahren; die Orte, wo er gelegen, erfuhml

') Urtheile über einzelne Arten von Klosets siehe im I. IJanildieses Berichtes, insbesondere S. 337 (Müller-Schür'sche Klosets|und S. 359 (Moule'sche Erdklosets).

2 ) Vergl. I. Band dieses Berichtes, 8. 134.

3 ) Vergl. ebendaselbst, z. B. 8. 1"23 (Colliguy).