Band III. Allgem. Theil.
III. Abschnitt: Handhabung der Lazaretli-Hygiene.
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Räume etwa 12 Stunden unter der Einwirkung des Chlor-tases das dann durch Oeffnen von Thüren und Fensternentfernt wird."
Für Desinfektion von Räumen, in welchen Infektions-krankheiten vorgekommen waren, bestand noch eine be-sondere Vorschrift:
,Je nach der Infektionsfähigkeit der in den Räumenvorgekommenen Krankheiten sind Fassböden und Wändesorgfältig mit Lauge, Chlorkalk oder Zinkvitriollösung zureinigen, unter Umständen mit neuem Anstrich zu ver-sehen."
Es darf angenommen werden, dass diese Vorschriftenlim Allgemeinen als Richtschnur befolgt wurden: unmittelbarersichtlich ist es aus den amtlichen Berichten nicht, dennnur verhältnissmässig wenige bringen ausdrückliche An-gaben über die Desinfektion geschlossener Räume. Indenjenigen Lazarethen auf dem Kriegsschauplatz, welchelängere Zeit etablirt blieben und nicht dauernd mit Ueber-füllung zu kämpfen hatten, ebenso in den allen Aufgabendieser Art ungleich günstiger gegenüberstehenden heimischenLazarethen wurden die Fussböden, wie alles in den ZimmernI befindliche Holzwerk mit Karbolsäure, Zinklösungen, auchmit verdünnter Schwefelsäure, mit Soda u. s. w. gescheuert;Bettstellen mit Chlorkalk, Zinkvitriol (1:80) oder Chlor-Izink (1: 60) und später mit Seifenwasser abgewaschen.wände und Decken erhielten im Inlande einen hellenKalkanstrich, bei welchem der Vorsicht halber hier und[da der erste Kalkanstrich mit einem Zusätze von Chlor-jkalk versehen wurde. Konnte ein Neuanstrich aus diesemoder jenem Grunde nicht stattfinden, so rieb man dieWände mit verdünnter Eisenvitriollösung oder verdünnten[Säuren ab. Viel Mühe machten die nicht gehobelten[Dielen, welche trotz sorgfältiger Reinigung den Schmutzso reichlich aufnahmen, dass dem Entstehen von „Lazareth-iluft'' nur mangelhaft entgegengewirkt werden konnte; das[Scheuern des Fussbodens mit Chlorkalk brachte hierin•keine gründliche Besserung, welche erst eintrat, nachdem[die Dielen geölt waren.
In den Kasernen richtete man u. A. besondere Auf-lerksamkeit auf die in den Mannschaftszimmern befindlichenr andschränke. Nach gründlicher Reinigung mit Chlor-talkwasser wurden sie durch Ueberkleben von starkemjipier luftdicht verschlossen.
Die Erfahrung, dass Tapeten als Bekleidung derBände von Krankenräumen unzw r eckmässig seien, ist auchKriege 1870/71 mehrfach bestätigt worden. So berichtetB. das Reservelazareth Neuhaus, dass bei einigen Ver-wundeten, die in sonst sehr gesunden, aber tapezirtenBannern untergebracht waren, sich bald ein fest anliegen-der weisslicher Belag der Wunden zeigte. Nach Verlegungier Verwundeten auf frisch geweisste, bisher noch nichtaelegt gewesene Zimmer verlor sich der diphtherischeSelag bei Allen sehr bald.
In denjenigen Lazarethen, welche mehr oder wenigerals Durchgangsstationen für Kranke und Verwundetebenutzt wurden, pflegte man in der Art zu verfahren, dassMorgens, nachdem die Verwundeten das Lazaretli verlassenhatten. Wände und Dielen mit Karbolsäure gescheuert undMittags die belegten Räume mit Chlor durchräuchertwurden; Abends standen die Räume zur neuen Belegungbereit. 1 )
Mit sehr beträchtlichen Schwierigkeiten hatten diemobilen Lazarethe hinsichtlich der Aborteinrichtungenund der Beseitigung der Abfallstoffe zu kämpfen. OhneUebertreibung darf behauptet werden, dass die schlechtenLatrinenanlagen Frankreichs einen der erheblichsten Miss-stände bei Lazaretheinrichtungen darstellten und eine grosseGefahr für die Verwundeten in sich schlössen. In manchenkleineren Ortschaften fand man überhaupt keine derartigenEinrichtungen; in grösseren Dörfern oder kleineren Städtennur solche ursprünglichster Art, welche Allen, die ihreBekanntschaft gemacht haben, unvergesslich geblieben sind.Im besten Fall lagen sie dicht bei den Wohngebäuden aufdem Hofe, aber auch zuweilen in den Wohnräumenselbst. So befanden sich z. B. in dem sonst vortrefflicheingerichteten Institut der Barnabiter zu Gien 2 ) an einemEnde jedes Saales im Fussböden die bekannten gemauertenLöcher von 15 bis 20 cm Durchmesser, von welchen auseine einfache eiserne Röhre von ebenfalls geringem Durch-messer in eine gemauerte Grube führte.
Selbst in manchen grösseren und reicheren Städtenwar die Einrichtung keine wesentlich bessere. Das 2. Feld-lazareth V. Armeekorps berichtet aus Versailles, dassdie Latrinen in den von ihm belegten Räumen aus einerAnzahl kleiner, wie ein Preussisches Schilderhaus aus-sehender Gebäude bestanden, in welchen sich gleichfallskeine Sitz Vorrichtung, sondern nur die erwähnten Löcherbefanden. Die Unsauberkeit war so gross, dass ohneBeschmutzung der Füsse die Falltrichter gar nicht erreichtwerden konnten. In einem wesentlichen Punkte stand esin Versailles aber besser, als in den kleineren Ortschaften,insofern die Abfallstoffe durch eine metallene Röhre ineinen mit Tonnen versehenen Raum gelangten, welcheletztere allwöchentlich abgefahren wurden, während ander-wärts die Auswurfsstoffe in Jahre lang nicht geleerten,einfachsten Senkgruben lagerten. 3 )
Die Feld-Sanitäts-Instruktion von 1869 empfahl zurDesinfektion von Abfallstoffen 4 ) vornehmlich Eisen-vitriol (in Lösung von 1 : 30 bis 40), zur Desinfektion von
*■) Betreffs Desinfektion der zum Krankentransport benutztenSchiffe siehe S. 231 des I. Bandes, betreffs Desinfektion der Sani-tätszüge ebendaselbst S. 292.
-i Vergl. I. Band dieses Berichtes, S. 190.
3 ) Vergl. hierzu auch III. Kapitel des I. Bandes dieses Berichtes,z.B. S. 217 (Kaserne St Charles zu Orleans). — Desgleichen siehe beiMac Cormac betreffs der Zustände in der Kaserne d'Asfeld zu Sedan.
') Vergl. Beilage 44 und S. 79 des Textes des 1. Bandes diesesBerichtes.
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