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T. Kapitel: Kriegschirurgische Anschauungen zur Zeit des Deutsch-Französischen Krieges u. s. vv. Band III. Allgem. Thei
auch Billroth's Beifall fand. Zwei aus Tannenholz zu-sammengeschlagene und mit Fussbrettern versehene, obenoffene Laden sind an ein mit Analöffnung versehenesRückenbrett in einem Winkel befestigt, welcher so grossist, dass am kranken Bein die Richtung des oberen stetsnach aussen gezogenen Bruchendes innegehalten und auchdas gesunde Bein in die gleiche Lage zur Mittellinie desKörpers gebracht ist. Je nach den Erfordernissen des Fallessollen diese beiden Beinladen in die nöthige Winkel-stellung zu einander gebracht und nach der Lage derWunde zurückzuklappende Thürchen seitlich oder hinteneingeschnitten werden. Der Apparat wurde mit Watte insechsfacher Lage gepolstert, ein starker Wattebausch in denoberen Winkel für den Damm gelegt und beide Beinemittelst Schlingen an den Fussbrettern befestigt. Mehrfachangebrachte Füsse erlaubten das bequeme Oeffnen derThürchen zum Verband der hinten gelegenen Wundensowie das Unterschieben der Bettschüssel.
Billroth erklärte den Verband für richtig ersonnenund sehr zweckentsprechend. Es gelingt hiermit zunächstdie völlige Einrichtung und dauernde Richtigstellung derKnochenenden. Durch die ganze symmetrische Lage undgleichartige Feststellung des gesunden Beines wird inwirksamer Weise der Beckenverschiebung vorgebeugt undein dauernder Nutzen der Streckung gewährleistet. Vielleichtkönnte die Wirkung der letzteren noch gesteigert und derauf den Damm ausgeübte Druck erheblich verringertwerden, wenn man die beiden Beinladen ausser derdurch die Richtung des oberen Bruchendes bedingtenSpreizung noch eine ebenfalls der gewöhnlichen Neigungdes oberen Bruchendes nach oben entsprechende Richtunggäbe. Es käme dabei nur derselbe einfache Grundsatz zurAnwendung, welchen Billroth mit so grossem Erfolgebei dei Erhebung des unteren Bettrandes geübt hat,nämlich das Gewicht des Körpers zur Streckung mitwirkenzu lassen.
Stabsarzt Wilckens berichtet über den günstigenErfolg, welcher bei einem Preussischen Ulanenofhzier inTours mit einer abgeänderten Desault'schen Schieneerreicht wurde. Der betreffende Offizier zog sich bei einemRennen einen einfachen Oberschenkelbruch zu und fandin dem nächstgelegenen Französischen Lazareth Aufnahme,welches den Deutschen Truppen zur Verfügung stand.Fast ohne Schmerz und ohne Bewegung wurde dem Ver-letzten eine gepolsterte Holzschiene von der Achselhöhlebis über den Fuss hinausreichend an die äussere Seite an-gelegt. Um die Brust kam ein locker gelegter Brustgürtel,der die Athmung keineswegs behinderte, über das Beckenherabsteigend ein Gegenstreckungsgürtel, während dieStreckung mittelst aufgeklebter Heftpflasterstreifen, queremFussbrett und durch Schrauben verstellbarer Haken inleichtester Weise bewirkt ward.
F. Durch erhärtende Verbände.
Von erhärtenden Verbänden kam im Deutsch-Fran-zösischen Kriege vornehmlich der Gypsverband zur An-wendung, daneben der Dextrin-, Wasserglas- umlGuttaperchaverband.
Bei Weitem die hervorragendste Stellung unter diesen,ja unter allen überhaupt gebrauchten Verbänden, nimmt derGypsverband ein 1 ). Ueber die Vortheile, welche dieBehandlung der Schussbrüche mittels Gypsverbandes hweiter rückwärts gelegenen ständigen Lazarethen bietetin denen gutes Material. Zeit und genügende Unterstützungzu Gebote stehen, war man allerorts einig. GeheimratLRothmund berichtet ans München, dass die in Betreff!des Gypsverbandes gemachten Erfahrungen nur zu Gunst«desselben sprachen, und ähnlich lauten die Urtheile aufast allen anderen Orten des Inlandes.
Nicht ebenso übereinstimmend waren die Ansichten ider Feldärzte. Die meisten derselben erklärten zwaJebenfalls, dass der Zweck, die gebrochenen Knochen sicherfestzustellen, am besten durch einen Gypsverband er-lreicht werde, der. allen Erhöhungen und Vertiefungen!der Körperfläche folgend und sich anschmiegend, auijwirksamsten der Verschiebung widerstehe, zugleich durclden gleichmässigen Druck entzündungswidrig selbsteiner gewissen Freiheit der Bewegungen einwirke. Beisonders betont wurde ferner die Erleichterung beiaTransport und Umbetten der Verwundeten, die Ruhe undlErsparung an Schmerz, die er denselben gewährte. EilFeldlazareth berichtet: „Wenn man als hauptsächlichst?!Forderung bei der Behandlung von Knochenbrüchen dieSicherung und möglichst vollständige Ruhe der Bruchstücke]und Festhaltung der ursprünglichen Gestalt des gebrocheneilGliedes aufstellt, so wird wohl kein Verfahren dieser Auf!gäbe in gleichem Maasse gerecht als die Anlegung eine!Gypsverbandes." Auch Heineke nennt die mit deu|Gypsverband gemachten Erfahrungen nur günstige umlweiss sich keiner durch denselben herbeigeführten Nach-Itheile oder Uebelstände zu entsinnen. Das AufnahmslFeldspital No. 9 glaubte, dass der Gypsverband in derlKriegschirurgie durch nichts zu ersetzen sei. Am enl-jschiedensten sprach sich Port aus: „Wer heutzutage nocllVorwürfe gegen den Gypsverband erhebt, bricht den Stilüber seine eigene Unkenntniss", wie auch v. Nussbaunlden Gypsverband für einen unerreichbaren Transportverbamilerklärte. Pirogoff rühmte die Erfolge der erhaltende«Behandlung der Schussverletzungen der Knochen ÜBGelenke im Deutsch-Französischen Kriege, die erst dureEinführung des Gypsverbandes in die Behandlung in Iausgedehntem Maasse ermöglicht worden sei, und hob die
l ) Auch betreffs des Gypsverbandes siehe im Spez. Th. diese!Bandes die vorstehend (S. 54) in Anmerkung 2 zu E. dieses Abschnitfcl
angegebenen Stellen.