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3. Chirurgischer Theil A (1890) Die Verwundungen durch Kriegswaffen bei den Deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71 : Allgemeiner Theil
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Band III. Allgem. Theil.

II. Abschnitt: Behandlung der Wunden, insbesondere der Schusswunden, im Allgemeinen.

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Deutschen Sanitäts-Anstalten. Nur vereinzelt kam sie daherin den Feldlazaretten, häufiger in den im Inlande errichtetenLazarethen zur Anwendung. Aus den vorhandenen Berichtenist zu entnehmen, dass die damit gemachten Erfahrungennur "Mistige waren. Die Verwundeten befanden sich dabeiwohl, die Knochen heilten mit der geringsten Verschiebungund fast völliger Gebrauchsfähigkeit. Im BayerischenAufnalims-Feldspital No. 4 wandte Heineke die Streckungbesonders bei Oberschenkel-Schussbrüchen im oberen Dritt-theil während der ersten 14 Tage, so lange bedeutendeAbsonderung bestand, an. während er bei weniger eiternden

I Verletzungen mit erheblicher Verschiebung und Beweglich-keit der Bruchstücke einem vollkommen feststellendenGvpsverbande den Vorzug gab. Der Erfolg der Streckungwar manchmal geradezu ein blendender. Im Reservelazareth1. Garde-Regiments zu Fuss wurde ein Verwundeter miteinem am 7. Oktober erlittenen Oberschenkel-Schussbrucham 20. November, also etwa sechs Wochen später, miteinem Gypsverband aufgenommen, der sehr fest lag. Alsder Verband am 10. Dezember abgenommen wurde, standendie Bruchenden in stumpfem Winkel und 2'/a cm weitübereinander. Die Wunde war verjaucht, keine Spur vonCallus vorhanden. Da die vorgeschlagene Amputation ver-

| weigert wurde, machte man Gewichtsstreckung mit 30 Pfundund getheiltem Gypsverband. Es gelang, die Bruchendenaneinander zu bringen, und schon nach 14 Tagen zeigtesich reichliche Knochenneubildung. Nicht immer freilich

[leistete die Streckung so Vorzügliches. Im 12. FeldlazarethV. Armeekorps beobachtete man einen Oberschenkel-Schussbruch im oberen Dritttheil, bei welchem sich imStreckverbande eine Art falschen Gelenkes gebildet hatte,indem zahlreiche und ausgedehnte Knochenwucherungen, in

! welchen grössere und kleinere, mit dem Oberschenkelknochennicht mehr zusammenhängende und vollständig abgestorbene

j Knochensplitter wie eingekeilt sassen, um eine ziemlich

[grosse Knochenhöhle eine unregelmässig starke Kapselbildeten. Innerhalb der letzteren hatten sich die ab-igestorbenen Knochenstücke mechanisch aneinander glatt-geschliffen. Die zahlreichen Knochenwucherungen aber warender Grund der durch Streckung nur sehr mangelhaft zuerreichenden Ausgleichung der Verkürzung.

Zur Streckung verwandte man gewöhnlich die Ameri-kanische Methode des Heftpflastersteigbügels, dernieder durch einen schraubenförmig herumgelegten Heft-pflasterstreifen befestigt wurde. Frühere Versuche v.Langen-

Ibeck's und Billroth's, 1 ) die Befestigung am Bein durchGummiringe oder Bandagen zu erreichen, hatten stets

[Druckwirkung an den Knöcheln hervorgerufen und warenieshalb verlassen. Durch den Mangel an gut klebendem

(Pflaster gedrängt, legte Billroth in Weissenburg um denUnterschenkel einen gut gepolsterten Gypsverband, nachlessen Trocknung oberhalb der Ferse ein Querholz ein-

») Billroth, Chirurg. Briefe, S. 254.

gegypst wurde, das auf zwei prismatischen Hölzernschleifte. Statt dieser ursprünglich durch v. Volkmannangegebenen Holzprismen wurde zur Verminderung derReibung im Kriegsspital Landau, einem von Dumreicherausgegangenen Vorschlage zufolge, der Fuss sammt Heft-pflasterverband in eine Hohlrinne einbandagirt, welche mitvier Rädern von 5 cm Durchmesser auf einer stellbarenEisenschiene lief. Die Schnur, welche die Gewichte trug,lief über Rollen, welche v. Volkmann an dem gleich zubeschreibenden Unterlegrahmen; Billroth') dagegen anbesonderen, vor dem Bett aufgestellten und nach der Grössedes letzteren verstellbaren Rahmen befestigte. Um dieLeibesentleerung zu ermöglichen, legte v. Volk mann dieKranken auf einen Rahmen, mit festem Segeltuch bespannt,das in der Mitte mit einer runden Oeffnung versehen war.Mit diesem Kahmen konnte der Verwundete durch zweiMann hochgehoben und durch daruntergeschobene Klötzein dieser Lage erhalten werden. Indessen fand Billroth,dass die Ränder des Ausschnittes Druckbrand verursachten.Die Gegenstreckung wurde gewöhnlich durch eine über denDamm geführte und am oberen Bettende befestigte dickeSchlinge erreicht. Allein auch diese machte häufig Druck-erscheinungen, auch wenn sie sorgfältig gepolstert war.Billroth empfahl nach Amerikanischem Vorgang Erhebungdes unteren Bettrandes, wozu Klötze von 20 cm Höhe ge-nügten. Den Kranken blieb der unbequeme, drückendeDammgürtel erspart, während das Verbinden selbst an derhinteren Seite gelegener Wunden durch Umlegen desKranken auf die Seite ohne Schmerz und Blutung möglichwar. Ebenso konnte mit Hilfe eines über das Bett ge-stellten starken Galgens das Untersetzen der Bettschüssel,selbst das Umbetten auf ein anderes Lager mit Leichtigkeitausgeführt werden.

Für besondere Verwundungen wurden entsprechendeA T orrichtungen eigens ersonnen. Im Bayerischen Aufnalims-Feldspital No. 4 kam ein Schussbruch des Schienbeins inquerer Richtung handbreit unter dem Kniegelenk zurBeobachtung, bei welchem die Wunde sich auf der vorderenSeite befand. Um die Wunde stets frei zu behalten,wurden zwei Holzstücke, von der Mitte des Oberschenkelsbis zum Fuss reichend, in ein gleich langes Stück Lein-wand parallel eingewickelt, so dass eine Rinne mit festenSeitenwänden entstand. Der Unterschenkel kam auf einmit Guttapercha umwickeltes, in der Mitte zu einer Rinneeingedrücktes Spreukissen. Beide zusammen legte man indie beschriebene, mit zusammengewundenen Tüchern obenund unten befestigte Lade; der Fuss wurde ausserdemdurch einen Steigbügel festgestellt.

Für diejenigen Fälle von Oberschenkel-Sckussbrüchen,bei welchen sich die Gradrichtung und Erhaltung derBruchenden in dieser Lage nur schwer erreichen lässt, er-fand v. Renz 2 ) im August 1870 seine Spreizlade, die

i) Billroth, Chirurg. Briefe, S." 255.

2) v. Renz, Die Spreizlade. Wildbad 1875. S. 10.