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I. Kapitel: Kriegschirurgische Anschauungen zur Zeit des Deutsch-Französischen Krieges u. s. w. Band III. Allgem. Theil.
und in der Nähe desselben gelten. Auch Fein -1 ) rühmtdie (nach dem Kriege allgemein zum Gegenstand desUnterrichts der Krankenträger gemachten) Strohschienennach seinen Erfahrungen im 2. Badischen Feldlazareth fürdie erste Zeit als vorteilhafter denn alles Andere.
Die Hauptverwendung fanden die Strohverbände zumTransport in den ersten Tagen, und zwar bei Brüchen so-wohl der oberen wie der unteren Gliedmaassen. Wo sieangewendet sind, lauten die Berichte günstig. Die 1. Baye-rische Sanitäts-Kompagnie (Stabsarzt Dr. Port) fand siebesonders während der Winterszeit für die Verwundetenwohlthätig, und v. Beck stellte fest, dass die mit solchemVerbände Zurückbeförderten in jedem Fall in gutem Zu-stande im Lazareth ankamen. Letzterer behandelte auchOberschenkel-Schussbrüche ganz allein mit Strohverbändenund liess bei Kommiuutivbrüchen des Unterschenkels dieStrohschienen wochenlang mit schönstem Erfolge liegen. 2 )
C. Durch schiefe Ebenen, Beinladen, Kissen.
Doppelt geneigte schiefe Ebenen, von denen diePreussischen Feldlazarethe 2 stellbare, die Lazareth-Reserve-depots 10 Stück ebensolche mitführten, sind von dem Preussi-schen Kriegsmiuisterium 3 ) noch mehrfach (im Ganzen 120)als Ersatz nachgesandt worden; auch die BayerischenSanitäts-Kompagnien führten 3, die Aufnahms-Feldspitäler10, die Haupt-Feldspitäler 16 mit. Sie sind bei manchenOberschenkelverletzungen in Anwendung gekommen, beidenen die Wunde nicht an der hinteren Seite und dieBruchstelle im oberen Dritttheil lag.
In vielen Lazarethen beobachtete man von dieser Be-handlung einen sehr günstigen Einfiuss. Das 10. Feld-lazareth des Gardekorps berichtet, dass die Kranken dabeisich wohl fühlten, die Anschwellung und Eiterung abnahmen.Dasselbe fand das (>. Feldlazareth I. Armeekorps, selbstwenn die Verschiebung nicht ausgeglichen war. Im 7. Feld-lazareth VI. Armeekorps wurden sie stets zur anfänglichenBehandlung der Obersehenkelbrüche verwendet. Auchbei Beckenbrüchen hat man sie neben einfacher Lagerunghier und da in Gebrauch gezogen. Im Allgemeinen bliebihre Anwendung im Felde beschränkt, weil sie zum Trans-port sehr wenig geeignet waren. Einen Vorzug bildet dieLeichtigkeit, mit der man sie aus einfachen Brettern nachden Maassen des betreffenden Verwundeten jederzeit zu-sammenschlagen lassen kann.
Ebenfalls nur für die Behandlung in stehenden Laza-rethen geeignet sind die alten, für den Unterschenkel be-stimmten Heister'schen Beinbruchladen, von denenjedes Preussische Feldlazareth 1, das Lazareth-Reserve-
1 ) Fehr, Ueber die Behandlung der Schussverletzungen imAllgemeinen. Archiv für klinische Chirurgie. 1873 XV.
2 ) v. Beck, a. a. 0. S. 719.
3 ) Beilagen zu Band I dieses Berichtes, S. 41*. Anmerkung, undS. 53*, Anmerkung.
depot 6 erhielt. Im Ganzen sind von dem PreussischenKriegsministerium 348 Stück für die Armee beschafft.Für die erste Periode der Schwellung und Eiterung wurden 1sie von vielen Berichterstattern sehr bevorzugt; Stromeyerund v. Wegner klagten über Mangel an denselben. Im6. Feldlazareth 1. Armeekorps litten die Verwundeten mitSchussbrüchen des Unterschenkels, welche im Gypsverbandlagen, fast alle an Druckschmerzen, während die H eist er-sehen Beinladen allen Anforderungen entsprachen, dochfand Stromeyer, 1 ) dass man es verlernt habe damit um-zugehen und dass sie durch den Gypsverband aus der Modigekommen seien.
Für die oberen Gliedmaassen sind von ähnlichenLagerungsapparaten Middeldorpf'sche Dreiecke, Stro-meyer' sehe und Esmarch'sche Kissen in Anwendunggekommen, welche für die Zeit der Schwellung und Eiterunggute Dienste geleistet haben.
D. Durch Aufhängung.
Die Aufhängung verwundeter und gebrochener Glied-maassen wurde häufig vorgenommen, theils um den Zufluss Ides Blutes und damit die Entzündung und Eiterung zu be-schränken, theils um den Kranken eine gewisse Beweglich-keit im Bett zu gestatten. Hierzu standen den Preussischen jFeldlazarethen je 1, den Lazareth-Reservedepots 10 Stück!Faust'sche Schweben zu Gebote. Bei der Leichtigkeit!indessen, mit der sich Vorrichtungen zum Aufhängen anfesten Verbänden anbringen lassen, kamen sie in A r erbinduuj;mit solchen allenthalben zur Anwendung, und zwar besonderJbei Brüchen des Unterschenkels. Das (5. Feldlazareth de-Gardekorps behandelte aber auch Brüche des Oberschenkels-in der Nähe des Rollhügels auf diese Weise. Es wurcauf der vorderen Seite des Gliedes eine aus Telegraphen- Idraht zurechtgebogene Smith'sche Schiene befestigt, darandas Glied aufgehängt und zugleich gestreckt. Die Wirkmigjwar eine sehr gute.
Auch im Garnisonlazareth München (GeheimratlilRothmund) erschien die Aufhängung der mit festem!Verbände versehenen Gliedmaasse zur erhaltenden Behand-lung der komplizirten Brüche des Fusses und Unterschenkel:!von grosser Bedeutung.
E. Durch Streckung. 2 )
Die zuerst von Josia Crosby in Amerika geübte!später besonders durch v. Volkmann in Deutschland aus-lgebildete und eingebürgerte Streckung war während deslFeldzuges noch nicht so Allgemeingut der Deutschen Feld- 1ärzte, wie z. B. der Gypsverband. Demgemäss fehlten auchjdie dazu nöthigen Erfordernisse in der Feldausrüstung der|
') Stromeyer, a. a. Ü., S. 154.2 ) Vergl. hierzu im Spez. Th. dieses Bandes insbesondere S. 74(1(Hüftgelenk), S. 775 (Kniegelenk), S. 1003 (Oberschenkel).