Band III. Allgem. Theil.
II. Abschnitt: Behandlung der Wunden, insbesondere der Sehusswunden, im Allgemeinen.
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während im Gegentbeil in anderen Preussischen Lazarethengefunden wurde, dass sie aus zu starkem Draht angefertigtwaren, sich nicht anschmiegten und für den Transport nicht"■enügende Sicherheit darboten. Ihrer Mitnahme in dieFeldlazarethe in grösserer Zahl stand die Schwierigkeit derVerpackung entgegen; dagegen haben sie in stehendenLazarethen vielfach gute Dienste gethan.
Bei Wunden der oberen Gliedinaassen sind die ausDraht geflochtenen Kapseln, gut gepolstert, mehr zumTragen des verletzten Gliedes denn als eigentlich fest-stellende Verbände vielfach in den weiter zurückliegendenLazarethen benutzt worden.
Der grössten Beliebtheit, namentlich auf den erstenllilfs- und Hauptverbandplätzen, erfreuten sich die Papp-deckel schienen. Die Möglichkeit, das Rohmaterial,welches sich bequem verpacken lässt und wenig Platzeinnimmt, in reichlichen Mengen mitzuführen, die Raschheitder Herrichtung für beliebige Zwecke, die Genauigkeit,mit welcher die mit warmem "Wasser getränkte Pappe sichden Körperformen anschmiegt, machten die Pappschienen,besonders für die Zwecke des ersten Transports, werthvoll.Häufig liess man sie, wenn keine bedrohlichen Erscheinungen,Schmerz, Schwellung oder Blutung unter ihnen auftraten,bis zum Beginn der Eiterung, also bis etwa zum drittenTage, ohne Schaden liegen.') Mussten diese Schienen auchbei absondernden Wunden wegen Durchtränkung wiederholterneuert werden, so ist doch eine grosse Zahl namentlichan den oberen Gliedmaassen Verwundeter mit solchenVerbänden transportirt worden. Völlig ausreichend, sogarbis zur endgiltigen Heilung, hält sie Rupprecht bei nichtkoinplizirten Brüchen der oberen Gliedmaassen sowie desUnterschenkels. Im Bayerischen Aufnahms-Feldspital No. 3wurden auch Brüche des Oberschenkels mit hinteren Papp-rinnen und äusseren Desault'schen Schienen erfolgreichbehandelt. Die Methode der Anlegung bestand darin, ent-weder das Glied mit Watte zu umhüllen und dann die er-weichten Pappschienen unter starkem Anziehen der Zirkel-binde zu befestigen, oder aber die Pappe vorher mit Wattezu umgeben und dann anzulegen. Häufig wurde, nament-lich zum Transport, hierzu eine stark gekleisterte odereiugegypste Binde genommen und hierdurch natürlich dieHaltbarkeit des Verbandes beträchtlich gesteigert.
Eine besondere Verwendung fand die Pappe in Forinvon Papier-mäche', das nach Port's Vorschlag überModelle von Gliedern geformt war. Die Wirkung solcherSchienen wird vom Bayerischen Aufnahms-Eeldspital No. 2sehr gelobt, doch scheinen sie in grösserem Umfange nichtangewendet zu sein. So zweckmässig sie auch sein mögen,theilen sie doch mit allen vorher unveränderlich fertig ge-machten Vorrichtungen den Nachtheil, dass sie sich demgegebenen Falle nicht immer anpassen lassen; ausserdem
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beanspruchen sie auf dem Waagen einen ziemlich grossenRaum. Immerhin gehören sie, wenn nicht zu vertieft an-gefertigt, zu den recht brauchbaren Mitteln für den erstenTransport und können als dauernde Verbände verwendetwerden, wenn man in der Lage ist, aus einer grösserenZahl das passende Stück herauszusuchen.
Mit grossem Erfolge wurden in mehreren süddeutschenKorps die vom Generalarzt v. Beck empfohlenen Stroh-schienen verwendet, welche recht eigentlich für die erstenVerbände sich eignen. Aus dem gerade auf dem flachenLande, wo es am häufigsten an anderen Hilfsmitteln fehlt,fast stets zu Gebote stehenden Strohmaterial liess v. BeckSeile, Kränze, Matten, Schienen, Rollen, Roste und Ladenanfertigen, wozu es nur nöthig ist, den zum Knüpfennöthigen Bindfaden in grösseren Mengen mitzuführen.Am meisten sind wohl Strohmatten, Schienen und Rollenzur Verwendung gelangt. Die Herstellung der beidenletzten Verbandstücke in verschiedener Stärke und Längeist ausserordentlich rasch auszuführen. Durch die Ver-bindung längerer und kürzerer Strohrollen entstehen vor-treffliche Lageruugsapparate für Unter- und Oberschenkel,auch lassen sich schiefe Ebenen daraus anfertigen. Etwasmühsamer ist die Herstellung der Strohmatten, indessenkönnen dieselben vorher an Ruhetagen oder selbst anMarschtagen in der für den grössten Verband, nämlichfür den Oberschenkel passenden Grösse im Vorratk an-gefertigt und mit Leichtigkeit hieraus mit der Scheere diefür den jeweiligen Fall passende Grösse herausgeschnittenwerden. Unbestreitbare Vorzüge dieser Verbände sindneben dem Angeführten noch das geringe Gewicht desStoffes, seine Schmiegsamkeit und Elastizität bei gleich-zeitiger genügender Festigkeit, die bei grösseren Verbändendurch ein in die Strohmatte hineingerolltes oder auf der-selben befestigtes Holzstück leicht noch gesteigert werdenkann. Die Matten sind beliebig als Rinne oder um-schliessender Verband zu verwenden, dabei jeden Augen-blick leicht durch Auseinanderschlagen oder Einschneidenvon Fenstern die Wunden sichtbar zu machen. Die An-legung wie die Abnahme solche)' Verbände erfordert wenigZeit, die Befestigung ist durch Tücher oder Binden leichtzu bewirken, ohne dass ein schädlicher Druck zu be-fürchten wäre. Ein besonderer Vortheil besteht noch in derDurchlässigkeit des Strohes, so dass man im Stande ist,eine etwa eintretende Blutung oder Eiterung schon vonaussen an dem festliegenden Verbände zu bemerken.Freilich liegt eben darin auch die schwache Seite derStrohverbände, da sie nach solchem Vorkommniss un-brauchbar sind, nicht wieder verwendet werden könnenund weggeworfen werden müssen. Allein bis zu diesemZeitpunkt ist der Verwundete meist bereits transportirtund einer mehr vorbereiteten Hilfe zugeführt worden. DieStrohverbände können daher mit Recht als eine sehr werth-volle Bereicherung der ersten Hilfe auf dem Schlachtfelde