Druckschrift 
3. Chirurgischer Theil A (1890) Die Verwundungen durch Kriegswaffen bei den Deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71 : Allgemeiner Theil
Entstehung
Seite
52
Einzelbild herunterladen
 

52

I. Kapitel: Kriegschirurgische Anschauungen zur Zeit des Deutsch-Französischen Krieges u. s. w. Band III. Allgem. Theil.

Einen mit Holzbrettehen hergestellten Verbandstoffempfahl Schnyder.') In doppelte Leinewand oder starkesBaumwollentuch (Sarseiiet) wurden Nussbaumschienen,2'/a um breit, 3 mm dick, eingenäht. Aus diesem Stoff,der sich gut schneiden läset und sich den gebrochenenGliedern gut anschmiegt, verfertigte er besonders einenVerband für den Oberschenkel, der das ganze Bein umf'assteund mit einem Fortsatz an das Becken herauf ging. DieserVerband ist nur 1 kg schwer, misst aufgerollt 9 cm in derBreite, 11 cm in der Dicke und kostet nur (> bis 7 Franks.Der Hiiftfortsatz wird mittelst eines Gürtels um das Beckenbefestigt. Etwaige Lücken in dem über die Kleider an-zulegenden Verbände werden mit einer einfachen Schieneausgefüllt. Das Aufbinden und Auseinanderklappen desVerbandes zum Reinigen der Wunde lässt sich leicht be-werkstelligen, ausserdem können an jeder Stelle Fenstereingeschnitten werden. Als besonderer Vorzug diesesVerbandes wird die Möglichkeit hervorgehoben, durch einam unteren Ende quergelegtes Holz mittelst Heftpflaster-zügel Streckwirkung auszuüben, wobei die Gegenstreckungdurch den etwa noch mit Leder überzogenen oberen Randoder besonderen Gurt ermöglicht wird.

Dieses von Schnyder angegebene Material entsprichtganz dem von Esmarch empfohlenen schneidbaren Sehienen-stoff, bei welchem 3 cm breite, 1.5 mm dicke Holzrouleaux-späne, welche in Zwischenräumen von 5 mm parallel neben-einander zwischen zwei Stücke ungebleichten Baumwollen-stoffs (Stouts) gelegt und durch Bestreichen mit Wasserglasbefestigt werden. Auch G 0 0 c h verwendete dünne Fichten-bretter, welche durch seichte, nicht ganz durchdringendeEinschnitte in 1 cm breite parallele Streifen geschnittenund auf Leder oder Leinewand geklebt werden. (Fischer.)Aehnliche Schienen wurden unter der BezeichnungEnglischeSchienen" bei den Preussischen Sanitätsdetachements undLazareth-Reservedepots mitgeführt.

Aehnliche hohlrunde, 3 bis 4 cm breite Holzstab-schienchen, mehrere je nach Bedarf auf Tuch gespannt,leisteten im Bayerischen Aufnahms-Feldspital No. 2. be-sonders beim Transport von Leuten mit Brüchen der oberenGliedinaassen, gute Dienste. Sie schmiegten sich gut an,drückten bei geringer Polsterung mit Englischer Wattenicht im Mindesten und gewährten in Verbindung mit einemdreieckigen Tuch in Schlingenform die grösste Ruhe.

Zu besonderen Zwecken dienend, kamen Esmarch'scheund Stromeyer'sche Resektionsschienen für das Ellen-bogengelenk, sowie v. Langenbeck'scke für das Hand-gelenk, bereits in den Feldlazarethen zur Verwendung, zuderen Etat sie gehörten; ausserdem die Assalini'sehenSchienen: aus zwei Brettern bestehend, die durch Draht-bügel verbunden sind.

] ) Schnyder, die Tuchschiene für Oberschenkelverband undderen Verwendungsweise. Bern 1874.

Die Blechschienen wurden theils in der Forui derlEnglischen Holzschienen als schmale Ebenen, überwiegend Iaber als hohle Rinnen gebraucht. Das Material war vor-wiegend verzinntes oder auch lackirtes Eisenblech. l ) Häufigbenutzte man mit Erfolg bei Brüchen der unteren Glied-maassen einfache ineinander verschiebbare Blechschienen,so im Bayerischen Aufnahms-Feldspital No. 12.

Aus Siebdrahtgewebe schnitt man Schienen in derlForm der Englischen und befestigte eine bis drei au derverletzten Gliedmaasse. Um Verletzungen an den scharfen ISpitzen der durchschnittenen Drähte sowie Durchreibungenlder schliessenden Binde zu vermeiden, wurden diese Schienenvor dem Gebrauch fest mit Binden umwickelt. Bei derLeichtigkeit der Zubereitung für den einzelnen Fall, derlguten Anschmiegung an das verletzte Glied, der Reinlich-keit und Billigkeit eignen sich dieselben besonders fürden ersten Transport.

Weiter sind die aus Eisendraht hergestellten Hohl-schienen in der von Mayer, Bonnet und Bell angegebenenForm reichlich auf amtlichem Wege wie durch die Privat-hiife den Lazarethen zugeführt und angewendet worden.Man inachte dabei die Erfahrung (nach dem Bericht dttl10. Feldlazareths des Gardekorps), dass die grossmaschigeiilDrahtschienen von Roser zweckmässiger als die mit- 1gebrachten waren, welche wegen des dünnen dazu ver-wendeten Drahtes die Feststellung nicht immer genügeml|gewährleisteten.

Sehr getheilt waren die Meinungen über den WertLldieser Verbände. Während die Blechrinnen fast nngetheilten Beifall fanden und Billroth 2 ) auch die Vorzüge!der Drahtrinnen betonte, hielt Port die Mayer'sehetDrahtladen für blosse LagerungsVorrichtungen und daruaunzureichend, und v. Beck 3 ) zog beim Oberarm beidenVerbandarten seine Strohschienen vor. Auffällig erscheint!die Angabe Rupprecht's 4 ), dass er die im Feldzuge voll1866 so häufig gebrauchten Blechschalen im DeutschiFranzösischen Kriege so selten habe anwenden sehen,sehr zweckmässiger Weise erhöhte derselbe die feststellende!Wirkung dieser Rinnen, indem er an verschiedenen StelleiilKlappen oder Vorsprüuge anbringen Hess, mit welchen dielSchienen auf der Unterlage fest aufruhten, ohne von ehier|Seite auf die andere fallen zu können.

Ueber die in früherer Zeit noch viel mehr alsKriege 1870/71 angewendeten Bonnet'schen Drahthotsenlberichtet v. Langenbeck, dass sie aus zu dünnem Drahllgearbeitet und daher wenig brauchbar gewesen seien.!

!) Die Verwendbarkeit des Zinkbleches von verschiedener ^ütärkelwurde erst später von van Hoeter, Schon und Weissbach betont IBlechschienen entsprechen in ihrem Material allen Anforderungen derlantiseptischen Methode, sind leicht zu reinigen und dauerhaft. Ihre!Fortschaffung in gebogenem Zustande beansprucht aber viel Platz,]doch hat diesem Bedenken Paul Hartmann zu begegnen gewusst (

2) Billroth, a. a. O. S. 155.

3) v. Beck, a. a. 0. S. 650.*) Kupprecht, a. a. ü. S. 27.