Druckschrift 
3. Chirurgischer Theil A (1890) Die Verwundungen durch Kriegswaffen bei den Deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71 : Allgemeiner Theil
Entstehung
Seite
48
Einzelbild herunterladen
 

48

T. Kapitel: Kriegschirurgische Anschauungen zur Zeit des Deutsch-Französischen Krieges u. s. w. Band III. Allgem. Theil.

niisslingt, daher Unterbindung der hinteren Sehienbeinschlagader

am Stamm. Trotzdem kehrte die Blutung nach etwa zehnMinuten wieder und stand erst endgiltig, nachdem auch die vordereSehienbeinschlagader am Stamm unterbunden war. Heilung.')

5. Musketier E.: Schussbruch der linken Unterschenkel-knochen und Fleischschuss durch den linken Unterschenkel am2. Dezember 1870. Vom 10. Januar 1871 ab Blutungen ausder inneren Wundöffnung des rechten Unterschenkels, durchDruckverband und Hochlagerung nur vorübergehend ge-stillt. Am 11. Januar: behufs Aufsuchung des Gefässes Er-weiterung der Wunde; das überströmende Blut macht jedochdie Unterbindung in der Wunde unmöglich. In Folgedessen Unterbindung der Schenkelschlagader in derMitte des Oberschenkels. Keine weitere Blutung. Heilung. 2 )

6. P. Gr., vom 4. Garde-Grenadier-Regiment Königin:Gewehrschuss durch den rechten Unterschenkel mit Ab-splitterung des Schienbeinkamms am 18. August 1870. Am

26. August Blutung. Vergeblicher Versuch einer Unter-bindung in der Wunde, daher Anlegung eines Druck-verbandes. DieBlutung stand bis zum folgenden Nachmittag,trat jedoch alsdann beim Verbandwechsel von Neuem und mitgrosser Heftigkeit auf. Nochmals Druckverband, durchwelchen in der Nacht ziemlich viel Blut durchsickert. Am

27. August Morgens beim Verbandwechsel abermals heftigearterielle Blutung. Doppelte Unterbindung der Schenkel-schlagader in der Mitte des Oberschenkels mit Durch-schneidung zwischen den Unterbindungsstellen, desgleicheneines noch blutenden Seitenastes. Am 2. September: Hospital-brand. Anwendung von Glüheisen. Vollkommene Heilung. 3 )

7. N., Lieutenant: Gewehrschuss durch den linken Unter-schenkel zwischen den beiden Knochen am 14. August 1870.Zwölf Tage nach der Verwundung Blutung. Druckverband,welcher drei Tage liegen blieb. Bei Abnahme desselben faust-grosses, stark pulsirendes Aneurysma an der dicksten Stelleder Wade. Fing er druck auf die Schenkelschlagader an dreiaufeinander folgenden Tagen von Morgens früh bis zum spätenAbend. Nach einigen Ruhetagen spitzwinklige Beugung desKnies, fünf Tage lang ununterbrochen durchgeführt. BeideVerfahren blieben ohne Einfluss auf das Aneurysma, ebensoweiterhin täglich erneuerte, regelmässige Einwickelung desBeins mit Druck durch Leinwandkompressen auf das Aneurysmaund längs des Gefässstammes. Am 17. September: heftigearterielle Blutung. Doppelte Unterbindung der Schenkel-schlagader in der Mitte des Oberschenkels und Durchschneidungdes Gefässstückes zwischen den Unterbindungsstellen. Aneu-rysma schrumpft. Am 23. Oktober: erneute heftige Blutung ausder Eingangsöffnung. Erweiterung der Wunde. Isoliruugder hinteren Sehienbeinschlagader in dem narbigenGewebe unmöglich; das Gefäss wurde daher sammt einerbegleitenden, bei der Operation eröffneten Vene oberhalb undunterhalb der verletzten Stelle umstochen und sounterbunden. Vollständige Heilung. 4 )

8. H., vom 2. Garde - Regiment zu Fuss: Kniegelenk-schuss mit Splitterung am 18. August 1870. Absetzung desOberschenkels am 8. September 1870. Nachblutung. Nachzweimaliger erfolgloser Unterbindung des Stammesder Schenkelschlagader am 12. September 1870 centraleKompression. Die Blutung steht, kehrt jedoch am 18. Sep-tember wieder. Kompression erfolglos, daher Unterbindung

i) Vergl. V. Band dieses Berichtes, S. 632, No. 3. 2 ) Vergl. ebendaselbst S. 103, No. 4.

3 ) Vergl. ebendaselbst S. 103, No. 7.

4 ) Vergl. ebendaselbst S. 605, No. 23 und S. 633, No. 6.

der Schenkelschlagader in der Wunde. Schon ;20. September hat der Unterbindungsfaden durch-,geschnitten. Abermalige Blutung und abermalige Unter-bindung in der Wunde. Blutung steht. Pyämie. Tod at23. September 1870. 4 )

9. H, vom 2. Nassauischen Infanterie-Regiment No. 88!Schuss in die linke Schenkelbeuge am 6. August 1870. An15. August im Laufe des Tages mehrere schwache BlutungenAbends 10 Uhr starke Blutung, durch Fingerdruck umAderpresse nur vorübergehend gestillt. Mehrere neu»Blutungen, die stärkste am 16. August. Nachmittags Unterbindung der Schenkelschlagader in der Wunde. DiBlutung hörte jedoch erst auf, nachdem die ganze blutendStelle umstochen war. Tod am 17. August 1870. 2 )

10. R. A., Unteroffizier vom Brandenburgischen Füsilier-Regiment No. 35: Zerschmetterung des linken Unterschenke,durch Gewehrschuss am 16. August 1870. Am 25. Augnifrüh massige, Nachmittags starke Blutung. Wegen Schwellun,der Weichtheile Unterbindung in der Wunde nielmöglich, daher Unterbindung der Sehen kelschlag-.ader in der Mitte des Oberschenkels. Am 10. September: Blutung aus der Unterbindungswunde. Die-selbe stand vorübergehend nach Druck auf die Schenkel-Schlagader dicht unterhalb des Poupart'schen Bandes, kehrtjedoch immer wieder. Anwendung von Eisenchloridlösung. Starke Durchfälle. Tod am 15. September 1870. : )

11. A. E., vom Bayerischen 3. Infanterie - RegimentSchuss durch den rechten Oberschenkel am 11. Oktober 187Bei Einlegung eines Drainrohres in den Schusskanal aul14. November arterielle Blutung, welcher in verschiedeneiTZwischenräumen noch drei andere folgten. Dieselben wurdeijedesmal durch Druck und Anwendung von Eisenchlorid-Ilösung gestillt. Am 26. November: sehr beträchtliche BlutungUnterbindung des Hauptstammes. Am 25. DezemberSchüttelfröste. Tod am 26. Dezember 1870. Befund: Tieft,Schenkelschlagader arrodirt und eingerissen. 4 )

12. G. D.: Weichtheilschuss in das mittlere Drittel dellinken Oberschenkels am 6. August 1870. Am 14. AugustsBlutung. Unterbindung der Schenkelschlagader dichtunter dem Poupart'schen Bande. Am 12.September: BlutunJaus der fast verheilten Unterbindungswunde. Dieselbwird gestillt durch Druckverband (Blase, mit Eis udSchrot gefüllt). Nach sechs Stunden wiederholte BlutuniFingerdruck. Neue Blutungen am 14. und 15. SeptembetlUnterbindung der äusseren Darmbeinschlagader, naeiwelcher die Blutung stand. Hochgradige Blutleere. Tod auf17. September 1870. '")

13. Französischer Soldat M.: Weichtheilschuss 8 cm untefdem Knie. Am 29. August: Blutung. Erweiterung de:Schusskauais. Die verletzte Gefässstelle nicht zu finden. Ei:Charpietampon wird in die ausserordentlich tiefe WunAgebracht und ein Druckverband angelegt. Am 31. Augtbneue starke Blutung. Unterbindung der Schenkelschlaglader unter dem Poupart'schen Bande. Am 3. Septemhetnochmals starke Blutung aus der Stelle der Verletzung. PyämiiTod am 8. September 1870. 6 )

1) Vergl. V. Band dieses Berichtes, S. 611 No. 46 und S.No. 217.

*) Vergl. ebendaselbst, S. 612, No. 47

3 ) Vergl. ebendaselbst, S. 607, No 4.

4 ) Vergl. ebendaselbst, S. 609, No. 22.s) Vergl. ebendaselbst, S. 599, No. 2.6) Vergl. ebendaselbst, S. 629. No. 30.