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T. Kapitel: Kriegschirurgische Anschauungen zur Zeit des Deutsch-Französischen Krieges u. s. w. Band III. Allgem. Theil. 1 ß., n( 3 ni
des Projektils, desgleichen das Mitfassen von Weichtheilennicht ganz selten gewesen zu sein. Kugellöffel warenwenig in Gebrauch; über Kugelhaken, Kugelbohreru. s. w. enthalten die Berichte Nichts. Komplizirtere odereigenartig ersonnene Instrumente, die in irgend einerRichtung von der gewöhnlich benutzten Form der Zangenabwichen, sind hier und da von Fachmännern in Anwendunggezogen. Diese Fälle sind indess selten und die Be-schreibungen solcher Instrumente nicht genau genug, umein klares Bild von ihrer besonderen Gestaltung zu geben.
Einem gewaltsamen Herausziehen war man im All-gemeinen abgeneigt, indess finden sich doch ab und zuMaassnahmen verzeichnet, die darauf hindeuten, für wiegefährlich man die Anwesenheit des Geschosses an sich inder Wunde hielt, auch wenn dies keine besonderen gefahr-drohenden Erscheinungen hervorrief, und dadurch denZweifel an der Möglichkeit der Einheilung kennzeichnen.Meist suchte man in diesen Fällen das in den Knocheneingekeilte Geschoss dadurch zu entfernen, dass man zu-nächst durch Pressschwamm den Wundkanal erweiterteund nun kräftige Hebelbewegungen ausführte. Gelang dieAbsicht, das Projektil zu lockern, nicht, so glättete manden den Knochen überragenden verunstalteten Theil des-selben, „um Reizungen der Weichtheile zu vermeiden",oder man trepanirte, wie z. B. v. Volkmann im 4. Feld-lazareth IX. Armeekorps, um ein in der Markhöhledes Schienbeins sitzendes Geschoss zu entfernen, oder re-sezirte Rippen bezw. deren Knorpel, um den Wundkaualzu erweitern und für das Geschoss durchgängig zu machen.
Grossen Schwierigkeiten begegneten nach den Er-fahrungen vieler Lazarethe die Versuche, in die Fuss-oder Handwurzelknochen eingedrungene und dort ein-gekeilte Geschosse herauszuziehen.
Die alte Erfahrung, dass nach Entfernung derselbender Wundverlauf sich häufig verschlimmerte, hat — wiezahlreiche Krankengeschichten im Spez. Th. dieses Bandesdarthun 1 ) — der Deutsch-Französische Krieg wieder voll-auf bestätigt.
Von besonderem Interesse und schwer genügend zuerklären ist das Auftreten von Wundstarrkrampf im un-mittelbaren Anschluss an die Herausnahme eines Ge-schosses, 2 ) wie dies vom 6. Feldlazareth IX. Armee-korps in einem Fall von Weichtheilschuss des Ober-schenkels, bei welchem am 17. Tage nach der Verwundungdie Kugelentfernung ausgeführt wurde, beobachtet worden ist.
Mittelbare Geschosse, namentlich Tuchfetzen, suchteman jedes Mal, sobald man ihre Anwesenheit erkannt hatte,herauszunehmen.
*) Einige Beispiele für üblen Einfluss des Kugelsuchens sieheim Spez. Th., insbesondere auf S. 575 No. 3 und 5 und S. 590 No. 31;wegen Blutungen nach Versuchen, Kugeln u. s. w. oder Knochen-splitter zu entfernen, ebds. S. 918 u. a. — Betreffs Kugelentfernungbei Schusswunden der Blase siehe ebds. S. 597.
2 ) Vergl. VII. Band dieses Berichtes, S. 154.
Zuweilen setzten sie, selbst wenn sie sichtbar waren.der Entfernung erheblichen Widerstand entgegen. In einemFalle durchbohrte das Geschoss 2 7* cm unterhalb derlinken Kniebeuge die Weichtheile und blieb im Schienbeinfest eingekeilt sitzen; die Länge des Schusskanals betrug3 cm. Aus der Mitte der „schmutzig zerfressenen" Wunde Iragten starke Tuchfetzen, welche das Projektil mit sichgerissen hatte, hervor und widerstanden gänzlich allenHerausnahmeversuchen; erst nach einigen Wochen gelanges, beide Fremdkörper — Projektil und Tuchfetzen — zuentfernen. (Kriegslazareth Charleville.)
Bei der Frage, ob man Knochensplitter besser Jprimär oder sekundär herausziehe 1 ), waren vor dem Feld-1zuge 1870/71 ganz ähnliche Erwägungen in Geltung wiebei der Frage der Kugelentfernung. Während das Projektildurch sein verhältnissmässig hohes Gewicht bei den unvermeidlichen Erschütterungen beim Transport der Verwundeteivom Schlachtfelde ins Lazareth oder aus einem Lazareth inein anderes Reizungen der Weichtheile, namentlich der zer-rissenen Nervenfasern, verursachen kann, liegt noch eine lgrössere Gefahr in der Reizung durch Knochensplitter Jwegen ihrer scharfen Bruehzacken. Die einflussreichstenFranzösischen Chirurgen waren deshalb unter allen Um-ständen für die primäre Herausnahme. Nicht so ängstlicliwar man in Deutschland, wo vornehmlich Stroineyer unt JEsmarch sich gegen die primäre Splitterentfernung aus-Sgesprochen hatten. Man glaubte in den feststellendenVerbänden, namentlich im Gypsverbände, ein Mittel zu }haben, um die beregten Reizungen, wenn nicht zu ver-hindern, so doch auf ein sehr geringes Maass beschränkerzu können. 2 )
Zu Gunsten der Sekundär-Herausnahme führte mar |auch die wohlbekannte Thatsache an, dass selbst fa.«gelöste Knochensplitter wieder anheilen können, und da«auch die gegen die primäre Kugelentfernung sprechendeiGründe, der grosse damit verbundene Zeitverlust beiBUeberhäufung des Verbandplatzes mit Verwundeten u. s. v.für die Splitterherausnahme maassgebend seien. Man neigteauf Grund dieser Erwägungen Deutscherseits vor Ausbrucldes Krieges ganz allgemein der sekundären Herausnalrrmzu und handelte demgemäss auch während des Feldzuge^Nur ganz lose, ohne Reizung der Weichtheile leicht ziflentfernende Splitter wurden primär entfernt, das Auszieheder Uebrigen auf eine spätere Zeit verschoben; die auhaftenden Weichtheile wurden dabei mit stumpfen hstrumenten oder dem Finger vom Splitter getrennidessen Beinhaut man in schonendster Weise zu erhaltei Isuchte. Auch Pirogoff bestätigt in seinem öfter er 1wähnten Berichte über die Militär-Sanitätsanstalten di
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x ) Vergl. zu dem Folgenden im Spez. Th. dieses Bandes Imbesondere S. 915 und 1002.
2 ) Dass diese Beizungen durch Anwendung des Gypsverbandrals Transportverband keineswegs immer verhütet werden können, istan späterer Stelle (im IV. Abschnitt dieses Kapitels) liervorgehobtt
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