m. Theil. ' Band ITT. Allgem. Theil. IT. Abschnitt: Behandlung der Wunden, insbesondere der Schusswunden, im Allgemeinen.
Irischem
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VI. Entfernung von Geschossen, anderen Fremdkörpern und Knochensplittern.
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fersehrte 1 ^ e Herausnahme von Geschossen gehörte in
>nde auf- I früheren Kriege' 1 zur Haupt- und Lieblingsbeschäftigungder Truj)penärzte auf dem Schlachtfelde und den Noth-I Verbandplätzen und nahm meist ihre volle Thätigkeit aufche wies denselben in Anspruch. Je mehr Kugeln der Chirurg inder Tasche hatte, desto zufriedener pflegte er mit seinerLeistung zu sein und desto lauter ertönte der Ruhm seinerGeschicklichkeit. Vor Ausbruch des Krieges von 1870 71waren — nach den Ausführungen H. Fischer's in derersten Auflage seiner Kriegschirurgie, welche für dieMehrzahl der Aerzte im Wesentlichen die Richtschnurihres Handelns abgab — die Meinungen der leitendenChirurgen über den Werth der primären Entfernung,möglichst schon auf dem Schlachtfelde, noch getheilterArt. Für letztere hatte Stromeyer sein gewichtigesWort in die Wagschale geworfen, und Demme rieth,selbst auf die Gefahr hin, trepaniren zu müssen, dasGeschoss schon auf dem ersten Verbandplatze zu entfernen.An und für sich entsprangen diese Anschauungen ganzrichtigen Grundsätzen. Jedermann wusste, dass die in derWunde' befindlichen Fremdkörper häufig genug die Ver-anlassung zu ausgebreiteter Entzündung und Verjauchunglaben, dass -ihre Anwesenheit in der Wunde für denOrganismus gefährlicher sein konnte, als die Wunde ansich. Dazu kam noch die für die primäre Herausnahmesprechende Erwägung, dass der Schusskanal in Folge derErschütterung noch verhältnissmässig unempfindlich unddurch die nachfolgende Entzündung noch nicht verengt ist,so dass die Untersuchung der Wunde auch ohne Chloroformverhältnissmässig leicht und fast schmerzlos für den Ver-wundeten, dem überdies die Entfernung des Geschosses eineinnere Beruhigung gewährt, von statten ging. Ferner zogman den Umstand in Rechnung, dass viele Verwundeteunmittelbar vom Schlachtfelde in entfernt liegende Laza-rethe, oft 50 Meilen und mehr, geschafft wurden. Hierbeikonnte die Anwesenheit eines Fremdkörpers in der Wunde,wegen Reizung der Weichtheile, nicht als gleichgiltig be-trachtet werden. Für die sekundäre Herausnahmesprachen Simon, Lücke und namentlich Pirogoff aufGrund seiner grossen Erfahrung. Die Kugelherausziehungei eine so kunstvolle und zeitraubende Operation, dass sieür den überfüllten Verbandplatz nicht passe; mache manie kunstgerecht, so könne ein einziger Verwundeter eineolle Stunde und mehr in Anspruch nehmen, was natürlichur zum grössten Schaden der anderen auf dringende' ärzt-iche Hilfe Wartenden geschehen könne; mache man sieicht ganz sachgemäss, w r as bei der bekannten Unruhe undast, die auf jedem Verbandplatz nach einer grösserenchlacht herrscht, nur zu leicht eintrete, so schade manäufig mehr als man nütze. H. Fischer selbst nahm inieser Frage eine vermittelnde Stellung ein. Er sagt:
Sanitäts-Bericht über die Deutschen Heere 1870/71. III. Bd. Allgem. Theil.
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„Mir scheint hier wiederum die Mittelstrasse der besteWeg. Es ist jedenfalls gerathen, Kugeln, welche leicht zuentfernen sind, sofort herauszunehmen. Doch soll dieExtraktion derselben keine Operation sein, welche umjeden Preis vorgenommen werden inuss. Wenn die Kugeldaher nicht nach den ersten leichten Versuchen folgt, sosoll man von weiteren abstehen, doch kann man einenvorsichtigen Versuch jedes Mal wagen, weil man dieHindernisse der Entfernung erst bei der Ausführung der-selben kennen lernt." Im Grossen und Ganzen haben dieDeutschen Aerzte im Sinne Pischer's gehandelt. Manbeschränkte die primäre Herausnahme mit nicht ins Gewichtfallenden Ausnahmen auf jene Fälle, bei denen das Geschossohne jeden weiteren chirurgischen Eingriff leicht zu ent-fernen war oder dicht unter der Haut lag, so dass eineinfacher Schnitt genügte: im Uebrigen wartete man diePeriode der Eiterung ab, in welcher unter günstigerenVerhältnissen das meist schon gelockerte Projektil sichentfernen liess. Daher erfolgte das Herausziehen der Kugelnin überaus zahlreichen Fällen erst in den Lazarethen desInlandes. Und selbst in diesen Hospitälern schob manvielfach den Zeitpunkt der Entfernung noch hinaus. „DerGrundsatz", so heisst es z. B. in einem Berichte eines Reserve-lazareths zu Potsdam, „die sich abstossenden Knochen-stückchen, Tuchfetzen, selbst die Kugel und Bleistückchen,nicht gewaltsam zu entfernen, nicht zu lockern und zulösen, sondern ihre Herausbeförderung der Natur allein zuüberlassen, hat sich bewährt. Diese fremden Körper tretenallmälig von selbst an die Wundöffnung." Aehnliche An-sichten finden sich in einer grossen Anzahl von Berichtenausgesprochen.
Zur Herausnahme diente vor Allem die Kornzangeund die amerikanische Kugelzange. Erstere hat, wiein den voraufgegangenen Fcldzügen, so auch 1870/71, sichwiederum als ein sehr brauchbares und in einigermaassengeschickter Hand auch als ein verhältnissmässig ungefähr-liches Instrument erwiesen. Zangen dieser Art mit demLewkowitz'sehen Gewinde erfreuten sich besonderer An-erkennung. Nicht so allgemein zufrieden war man mit deramerikanischen Kugelzange, die besonders von Heine nachdem Schleswig-Holsteinschen und von Tueske nach demBöhmischen Feldzuge als vorzüglichstes Instrument für denin Rede stehenden Zweck gepriesen war. Die Vortheileder Zange, welche sowohl in ihrer schlanken Form, alsauch darin liegen, dass sie gestattet, die Kugel herauszu-ziehen, ohne sie in ihrem ganzen Durchmesser fassen zumüssen, wurden überall bereitwillig anerkannt, jedochfehlte es auch nicht an Klagen über das Verbiegen derHaken oder mangelhafte Festigkeit des Schlosses, wodurchdie Zange, wie begreiflich, ganz unbrauchbar wurde; auchscheint ein Durchreissen des Bleies bei tangentialer Fassung
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