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3. Chirurgischer Theil A (1890) Die Verwundungen durch Kriegswaffen bei den Deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71 : Allgemeiner Theil
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m. Theil. Band III. Allgeni. Theil. EL Abschnitt: Behandlung' der Wunden, insbesondere der Schusswunden, im Allgemeinen.

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Schmerzen. Eben, als man diesem Bourdonnet noch mit demFinger etwas nachhalf, um es fester zu legen, schluchzte D.einmal auf und hörte plötzlich auf zu athmen. Das ganzeGesicht nahm sofort eine dunkel bläuliche Färbung an. Sogleichwurde die Zunge ergriffen und hervorgezogen, der Körper auf-gerichtet und mit Wasser besprengt, die Brust mit nassenHandtüchern geschlagen und durch Druck auf das Hypochon-driunr die Einleitung künstlicher Athmung versucht, da jedeSpur von Athembewegung im selben Augenblick aufgehörthatte. Die Herztöne sind während der ersten Wiederbelebungs-versuche nicht untersucht worden. Mittels eines sehr raschherbeigeschafften Athmungsapparates wurde künstliche Ein-athmung mit ausgiebigen Bewegungen des Brustkorbes erreicht,auch der elektrische Strom kam zur Anwendung. Die Elektrodenwurden zuerst auf den linken Zwerchfellnerv und die Herz-gegend, dann auf beide Zwerchfellnerven, schliesslich auf denZwerchfellnerv und die Gegend des Zwerchfells gesetzt. Währendder ersten halben Stunde der Anwendung der Elektrizität er-folgten noch kräftige Zusammenziehungen der äusseren Hilfs-Athemrnuskeln, dann aber hörte jede Reaktion auf. Es scheint,dass der Tod im ersten Augenblick des Zufalls erfolgt ist. BeiVornahme der Betäubung war keine Vorsicht vernachlässigtworden, und alle Wiederbelebungsversuche sind schnell undsachgemäss vor sich gegangen. Den Grund des Zufalls suchteman in dem verabreichten Chloroform. Es wurde festgestellt,dass eine Fabrik dasselbe als Probe verabfolgt hatte und dasszwei Betäubungen, welche mit demselben Präparat vorher aus-geführt waren, viel Chloroform erfordert hatten; auch sollendiese Narkosen sehr unruhig verlaufen sein. Die am 18. No-vember von Colin he im ausgeführte Leichenöffnung ergabFolgendes:

In der Verheilung begriffener Schussbrueh desOberarms im unteren Drittel. Chloroformtod. Blut-überfüllung der Lungen, Nieren und Leber.

Ausserordentlich kräftiger Mann mit blasser Hautfärbung,starkem hellgelben Fettpolster und blassrother Muskulatur.Am rechten Oberarm sitzt am inneren Umfange, 8 cm unter derAchselhöhle, eine frische Narbe, vermuthlich von einer Schuss-öffnung herrührend. Ferner befindet sich eine mit Blutgerinnselnangefüllte, 4 cm lange Schnittwunde in der Ellenbeuge, die jedochnicht in das Ellenbogengelenk hineinreicht, und eine zweiteebenso grosse gleichfalls mit Blutgerinnseln gefüllte, tiefe Wunde5 cm höher am äusseren Umfang des Oberarms, 6 cm oberhalbdes äusseren Knorrens. Der ganze rechte Oberarm ist umfang-reicher als der linke, jedoch im Vergleich zu letzterem ver-kürzt, indem die Entfernung vom Schultergelenk bis zumKnorren r. 32, 1. 31 cm beträgt, In der Tiefe der über demoberen äusseren Knorren befindlichen Wunde gelangt der Fingerauf unregelmässige, höckrige Kallusbildungen, die rings um-geben sind von schwieligen, theils ödematösen, theils auchblutig getränkten Bindegewebsmassen. Es sitzt an dieserStelle ein Schrägbruch des Oberarmknoohens, aber durchKallusmassen wenigstens am inneren Umfange ganz überbrücktund verwachsen. Abgesehen von dieser Stelle sind dieBruchflächen nicht miteinander vereinigt, sondern von einerschwammigen röthlichen Granulationsmasse überzogen undselbst gegeneinander abgeschliffen. Jedoch umwachsen blatt-förmige und knollige Kallusmassen auch an der vorderen,äusseren und hinteren Seite die Bänder der Bruchfläche, sodass schon dadurch deren freie Verscbiebbarkeit gehindert ist.Durch das untere Bruchende erstreckt sich an der hinterenWand, 1 cm neben dem inneren Bande, demselben parallel ver-laufend, eine geheilte Spalte, welche indess das Ellenbogen-Sanitats-Bericht über die Deutschen Heere 1870/71. III. lid Allgem. Theil.

gelenk nicht erreicht. Letzteres wie das Schultergelenk frei.Blutgefässe ohne Veränderung. Die serösen Höhlen leer. DasZwerchfell steht rechts in der Höhe der vierten, links derfünften Bippe. Herz gross und kräftig. Ueber der vorderenWand der linken Kammer ein thalergrosser Sehnenfleck. DerInhalt des Herzens besteht nur aus geringen Mengen dunklen,flüssigen Bluts ohne irgend einen auffälligen Geruch. Einegrössere Menge ebenso beschaffenen Bluts fliegst aus den Hohl-venen. Beide Lungen sind vollkommen frei, durchweg luft-haltig, die Schnittfläche durchgehends dunkelroth. Die Bron-chialschleimhaut schwach bläulich. Die Blutgefässe ganz frei.Beide Mandeln, ebenso die Follikel des Zungenrückens starkgeschwellt. Die Schleimhaut der Halseingeweide blass. erstunten in der Luftröhre beginnt eine rosige Färbung. Läugs-ovales, sehr regelmässig geformtes Schädeldach von mittlererDicke und verhältnissmässig wenig und blutarmer Zwischen-masse. Zu beiden Seiten der Furche für den grossen Längs-blutleiter einige tiefe Gruben von Pacchionischen Granulationen.Die Nähte wohl gebildet und kenntlich. Die Blutleiter enthaltenlediglich dünnflüssiges Blut. Die harte Hirnhaut ist von normalerDicke, mittlerer Spannung. Die Innenfläche vollkommen glatt.In der weichen Hirnhaut massige Füllung der gröberen Venen,die Haut selbst ist zart, aber ohne Schwierigkeit von den Win-dungen trennbar. Die Hirnhöhlen, von mittlerer Weite, ent-halten ganz wenig klare Flüssigkeit. Das Ependym zart. DieHirnsubstanz von guter Festigkeit und mittlerer Feuchtigkeit.Die graue Substanz überall etwas dunkel; in der weissen zeigensich auf der Schnittfläche zahlreiche und grosse Blutpunkte.Nirgends eine Herderkrankung. Milz ein wenig grösser alsnormal. Das Gewebe schlaff, blassgrau-violett. Follikel ver-waschen. Beide Nieren gross, Gewebe derb und fest. BeideSubstanzen blutreich, in der Rinde von dunkelgrauer, im Mark vondunkelblaurother Färbung. Im Magen grosse Mengen säuerlichriechender, theils flüssiger, theils breiiger Speisereste; Schleim-haut besonders im Magengrunde rosenroth, überall glatt. Leberist gross; durch die ganz glatte und dünne Kapsel schimmernüber der Konvexität des rechten Lappens eine Anzahl etwaserweiterter kleiner Venen. Gewebe selbst ist fest und derbe:die Bläschen von gleichmässig dunkelbraunrother Färbung. Ausden durchschnittenen Venen entleert sich viel dunkelflüssigesBlut. Der Darmkanal enthält massige Mengen breiiger, dunkel-gelb gefärbter Fäkalmassen. Die Schleimhaut im ganzenDünn- und Dickdarm vollkommen glatt. Harnblase ist ganzzusammengezogen und leer, Schleimhaut blass. LeichterWasserbruch beiderseits. Hoden selbst ziemlich gross, Gewebesehr blass.

Rückblick.

Das Vorstehende lässt erkennen, wie ungemein ver-schieden man bei Behandlung der Schusswunden verfuhr,wie man alle bekannten Arten der Wundbehandlung' heran-zog, ganz nach der jeweiligen Anschauung der behandelndenAerzte, denen in dieser Beziehung der allergrösste Spiel-raum gelassen war. Manche Berichterstatter erwähnen vonder Wundbehandlung im Allgemeinen gar nichts; Andere be-gnügen sich mit der Bemerkung, dass die von Löffler inseinem BucheUeber die Behandlung der Schusswunden"aufgestellten Grundsätze als maassgebend angesehen undbefolgt wurden. Ein einheitlicher Grundsatz tritt nicht her-

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