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Band III. Allgeni. Theil. Anhang zum I. Abschnitt: Blinde Schusskanäle und Einheilung von Geschossen.
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es keine Beschwerden machte und ganz in der Nähe desEllenbogengelenks lag, mithin die Herausnahme gefahrvollschien, auch die Wunde ohne Weiteres zuheilte, nahm manvon der Operation Abstand. Der Mann wurde als geheiltentlassen. Das Reservelazareth in Hannover berichtetvon einem Soldaten, welcher am 16. August einen Schussin den rechten Oberarm und den rechten Oberschenkelerhalten hatte. Die Wunde am Oberarm war im Mai 1871noch nicht vernarbt, die Sonde drang mit Leichtigkeitimmer noch bis in die Markhöhle des Knochens. Zu dieserZeit lag er neben einem Pyämischen; auch er wurdepvamisch und starb. In der Markhöhle des Oberarm-knochens fand man, umgeben von osteomyelitischen Herden,einen Theil des Geschosses, in der Leber zahlreiche undgrosse Abszesse, im rechten Oberschenkel ein vollkommeneingekapseltes Chassepotgeschoss. In einem Vereins-lazarethe Berlins (Leipziger Strasse) lag ein Verwundeter,welcher einen Schuss von oben her in die Schulter erhaltenhatte. Der zwischen Schulterblatt und Rippen liegendeblinde Schusskanal Hess sich bis zur Mitte des Schulterblattsverfolgen, Knochensplitter und Tuchfetzen wurden entfernt,das Geschoss war nicht zu finden, heilte ein und machte
keinerlei Beschwerden. Das Vereinslazareth Lichterfeldeberichtet, dass nach Verheilung eines Blindschusskanals amOberschenkel an der vernarbten Stelle Eiterbildung eintrat.Man schnitt ein und fand als Ursache der letzteren einenTuchfetzen; bei weiterer Untersuchung der Wunde fühlte mandicht am Oberschenkelknochen aufliegend auch ein Geschoss,das „vollkommen eingeheilt" war, so dass es dem Zugeder Kornzange nicht folgte und schliesslich mit dem Messerherausgeschnitten wurde. Der Tuchfetzen hatte sich somitals Schädlichkeit erwiesen, die Kugel nicht. Der Fall lehrtausserdem wie viele andere, dass man im Allgemeinenwenig Vertrauen auf eine endgiltige Einheilung von Ge-schossen hatte. Eine grössere Anzahl von Feld- undReservelazarethen berichtet in ähnlicher Art. Auch in derBerliner Charite" machte man die Erfahrung, dass „dieGewehrkugeln sehr lange Zeit in den Gliedmaassen ver-harren können, ohne irgend welche Beschwerden zu ver-ursachen, und Wunden darüber verheilen." Ein Invalide R.ging 1881 dem Lazareth Frankfurt a.,0. zu. Er hatte1870 bei Vionville einen Schuss in den rechten Unter-schenkel erhalten. Die Kugel war in der Wunde zurück-geblieben, ohne Beschwerden verursacht zu haben, bis im
Mai 1881 Anschwellung desrechten Fussgelenks eintrat.Zwischen innerem Knöchel undAchillessehne Hess sich durchdie Haut ein Fremdkörperfühlen. Nachdem derselbe durcheinen 6 cm langen Schnittblossgelegt war, wies er sichals eine zwischen infiltrirtemZellgewebe dicht auf dem Knö-chel aufliegende Chassepot-kugel aus.') Gelegentlich einerLeichenöffnung im März 1885wurde im pathologischen Insti-tut zu Berlin ein Oesterreichi-sches Geschoss, welches imFeldzuge 1866 bei Königgrätzden Grenadier T. G. verletzthatte, in der Bauchhöhle auf-gefunden. Der Verwundetestarb auf der Stationfür Nerven-kranke des CharitCkranken-hauses an gummöser Hirnhaut-entzündung. 2 ) Mit Bezug aufdie Schussverletzung lautet das
V*W5l*VN^n
Zeichnung 1.
x ) Vergl. Sanitäts - Bericht für1881/82, S. 96.
2 ) Vergl. Charite-Annalen 1887.XII. Jahrgang: H.OppenheimundE Siemerling, Die akute Bulbär-paralyse und die Pseudobulbär-paralyse. S. 361.