illgera. Theil. < Band III. Allgem. Theil. Anhang zum I. Abschnitt: Blinde Schusskanäle und Einheilung von Geschossen.
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in die Wunde, neben der Möglichkeit der Uebertragung
septischer Keime, in der lebendigen Kraft, die sie durch
das Geschoss erhalten, und welche, je nach Härte und
I Gestalt der indirekten Geschosse, sich in mehr oder weniger
grossen, meist unberechenbaren Zerstörungen des getroffenen
Körpertheils äussert. Unter Umständen können solche
Fremdkörper, wenn die lebendige Kraft so bedeutend ist,
■dass sie den Körper durchbohren und wieder verlassen,
| auch ungewöhnlich grosse Ausgangsöffnungen bedingen.
So hatte eine mitgerissene Hosenschnalle eine handgrosse
\ Ausgangsöffnung verursacht (ßarackenlazareth Breslau).
I Wegen der grösseren mechanischen Reizung, welche die
\ mitgerissenen festen Körper verursachen, wird ihre An-
I Wesenheit leichter erkannt, auch durch die Sonde leichter
gefühlt; sie wurden daher in den meisten Fällen bald nach
der Verwundung entfernt.
Ueber den Zusammenhang zwischen Fremdkörpern inder Wunde und dem Ausbruch von Wundstarrkrampf istan anderer Stelle berichtet. 1 )
Gewiss sehr selten geschieht es, dass indirekte Ge-schosse dauernd einheilen; doch wurden selbst Tuchfetzenjahrelang im Körper getragen, ohne dass ihre AnwesenheitStörungen verursachte. Ein Wehrmann kam während desFeldzuges 1870/71 mit einer aufgebrochenen Narbe überdem Schienbein in das Reservelazareth Altona; die Narberührte aus dem Feldzuge 1866 her, in welchem das Schien-bein durch einen Schuss verletzt war; eine neue Verwundunghatte nicht stattgefunden, der Aufbruch der Narbe ward aufdie Strapazen des Feldzuges zurückgeführt. Als Ursachedes Wiederaufbruchs fand sich ein alter stinkender Tuch-fetzen in der Wunde.
') Vergl. V. Kapitel im VII. Bande dieses Berichtes.
Anhang zum ersten Abschnitt.
Blinde Schusskanäle und Einheilung von Geschossen.
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ldfetzen ausmplikationenich mehr als'äulnisskeimes Sonde fastndern — oftidtliche Ver-/'erletzungen;terer Körper
— Ebds. sindirper getragene
Unter sonst gleichen Umständen bleibt Weichbleir egen seiner leichteren Verunstaltung, welche ein schnellesAbnehmen der lebendigen Kraft bedingt, eher im Körper»stecken als Hartblei (Küster). Danach müsste man an-nnehmen, dass im Feldzug 1870/71 mehr blinde Schusskanäle[beobachtet seien als in früheren Kriegen, indess sind bei[dieser Frage noch andere Umstände zu berücksichtigen,nämlich einerseits die grössere Geschwindigkeit der mo-Jdernen Geschosse, welche grössere lebendige Kraft bedingt,■andererseits der Umstand, dass die Nahkämpfe fast auf-gehört haben und meist schon der Fernkampf die Schlachten«entscheidet, so dass bei Weitem die Mehrzahl der Geschosseerst nach erheblicher Verringerung der Geschwindigkeitihr Ziel erreicht. Im Grossen und Ganzen scheint es,soweit die Berichte es erkennen lassen, dass ein Stecken-bleiben des Geschosses etwa ebenso häufig beobachtet
wurde als in früheren Kriegen. Eine Zahlenangabe findetIsich nur bei So ein, welcher unter 727 Schusswunden 132blinde Schusskanäle = 18 # zählte. Die Kleinheit dieserZahl gestattet offenbar keine allgemeinen Schlüsse. Amhäufigsten fand man natürlich blinde Schusskanäle beiVerletzungen der Knochen oder auch bei sehr langenSchusskanälen. Eine Anzahl sehr werth voller Präparate,die über das Steckenbleiben des Geschosses im oder amKnochen zu belehren geeignet sind, birgt die kriegs-chirurgische Sammlung des Friedrich-Wilhelms-Instituts; 1 )es finden sich daselbst Beispiele für alle Möglichkeiten;
x ) Vergl. IV. Band dieses Berichtes, S. 24.
Sanitäts-Bericht über die Deutschen Heere 1870/71. III. Bd. Allgem. Theil.
man sieht, wie das Geschoss nur einen oberflächlichenEindruck in die Spongiosa hervorruft und liegen bleibt,wie es im Knochen oder bei seinem Austritt aus demselbenaufgehalten wird, welche Verletzungen es dabei in derDia- und Epiphyse hervorruft, und welche Verunstaltungenes selbst dabei erfährt.
Im Einklänge mit der verhältnissmässigen Seltenheitder überhaupt zu ärztlicher Beobachtung gelangten Ver-wundungen durch Mitrailleusengeschosse steht das überausseltene Vorkommen von blinden Schusskanälen bei solchenVerletzungen. Nur in sehr seltenen Fällen ward einMitrailleusengeschoss aus einer Wunde herausgezogen.In Frankfurt a. 0. kam ein Mann vom Leib-Grenadier-Regiment (1. Brandenburgisches) No. 8 zur Behandlung, der,in liegender Stellung auf den Feind feuernd, von einemMitrailleusengeschoss getroffen worden war, welches unter-halb des rechten Ellenbogengelenks von aussen und seit-lich in den Vorderarm eindrang, die Elle und Speichezerbrach und sodann durch die Weichtheile des Oberarms,ohne den Knochen zu verletzen, bis zur Mitte des zwei-köpfigen Muskels sich einen Weg bahnte. Das Geschosswurde „eckig" verunstaltet gefunden. In Westend-Char-lottenburg ward ein Mitrailleusengeschoss aus der Achsel-höhle geschnitten; es wird dies vom Berichterstatter alsein ganz besonders seltenes Vorkommniss geschildert. Das4. Feldlazareth IX. Armeekorps schreibt, es sei auf-fallend, dass unter der grossen Menge künstlich entfernterGeschosse nur eines von einer Mitrailleusenverletzungherrührte. Wie schon oben erwähnt, besitzt die kriegs-
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