lgem. Theil.
Band III. -Allgem. Theil. 1. Abschnitt: Ansichten und Beobachtungen über die Art der Geschosswirkung.
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pez. Th. desi. 584 No. 5,177 No. 189lo. 57, S. 30166 No. 134,!44 No. 612,510 No. 179,142 No. 182,3. 448 No. 1,fo. 13.im Anhange
III. Mittelbare Geschosse.
(Fremdkörper in den Wunden.)
Unter den mittelbaren Geschossen haben für denWundverlauf diejenigen eine besondere Bedeutung, welcheals Fremdkörper und Infektionsträger in der Wunde ver-bleiben. Hauptsächlich geschieht dies mit fortgerissenenTheilen der Kleidungs- und Ausrüstungsstücke, sowie mitkleinen Gegenständen aller Art, welche der Soldat zufälligbei sich trägt. Das Steckenbleiben derartiger mittelbarerGeschosse bildete eine nicht seltene Komplikation derSchusswunden. Die Mehrzahl der in den ersten Wochendes Krieges eingelaufenen Berichte aus Lazarethen desI. Armeekorps betonen zwar, dass im Gegensatze zumPreussischen Zündnadelgewehr und der OesterreichischenBüchse das Chassepotprojektil die Kleidungsstücke einfachdurchbohre und nur ausnahmsweise Uniform fetzen, Aus-rüstungsstücke u. s. w. mit in die Wunde hineinreisse. Auchnoch im späteren Verlaufe des Krieges findet man vereinzeltdiese Anschauungen wiederkehren. So schreibt z. B. einBonner Lazareth, dass bei den durch das Chassepotprojektilverursachten Schusswunden zweierlei bemerkenswerth sei:1. dass das Geschoss, welches, nach der Richtung desSchusskanals zu schliessen, unmittelbar auf den Knochen zugehen schien, „um denselben herumlaufe", und 2. dass trotzgrosser Länge des Schusskanals, 20 cm und mehr, derselbeauffallend häufig fast ohne Eiterung verheile, eine Er-scheinung, die wohl vor Allem darin ihren Grund finde,dass das Chassepotprojektil höchst selten fremde Körper,Kleidungsfetzen u. s. w. mit in die Wunde hineintreibe. In-dess hat sich dieses Urtheil als irrthümlich herausgestellt,denn es sind, wie die Berichte ergeben, ziemlich häufig diesonderbarsten Dinge in den Wunden gefunden worden. ImBeservelazareth Birkenfeld wurde am 20. August 1870ein 4 cm langes Stück Leder, welches zusammengerollt warund von einer Patronentasche herzurühren schien, aus einer6 72 cm tiefen Wunde zwischen Penis und Schambogen her-vorgezogen. „Ich glaube", so schreibt der Chefarzt desLazareths, „das Stück Leder war der Lebensretter desMannes, indem es die Kugel an tieferem Eindringen hin-derte." Durch fleissige Sitzbäder, stundenlanges Verharrenin der Bauchlage und durch häufiges Wirkenlassen derBauchpresse in dieser Lage wurden Eitersenkungen ver-hütet, das natürliche Suspensorium des Penis durch einkünstliches ersetzt und der Mann geheilt. Das 9. Feld-lazareth I. Armeekorps fand im Oberschenkel einesMannes eine mit Streichhölzern gefüllte Metallschachtel,ausserdem noch ein sämmtliche Reservetheile eines Chassepot-gewehrs enthaltendes Büchschen aus Metall; beide Büchsenwaren durch ein einziges Chassepotgeschoss bis in dieGegend des zerschmetterten Oberschenkelknochens getrieben.In einem Lazarethe des XL Armeekorps wurde bei Ge-
legenheit einer Oberschenkel-Amputation die Spitze einerMesserklinge zwischen den Knochenstücken vorgefunden;das 4. Peldlazareth VIII. Armeekorps fand gleichfallsTheile eines zerschmetterten Taschenmessers in der Ober-schenkel-Schusswunde eines an Septicämie gestorbenenMannes. Das 7. Feldlazareth VI. Armeekorps berichtetüber einen Schuss in die Magengrube; das Geschoss hatte einledernes Geldtäschchen, welches der Verwundete in dieserGegend trug, durchbohrt und den Inhalt desselben, zweiPreussische Silberthal er, in die Bauchhöhle hineingetrieben;der eine von ihnen lag in der völlig zertrümmerten Leber,der andere im Magen, in welchen er an der kleinen Krümmungeingedrungen war. Das Geschoss selbst setzte seinen Wegdurchs Zwerchfell fort und blieb im mittleren Lappen derrechten Lunge stecken. Der Tod trat erst 14 Tage nach derVerletzung ein. Das 11. Feldlazareth des Gardekorpsbehandelte einen Verwundeten mit gewaltiger Zerreissungder Weichtheile des rechten Oberschenkels bis zum Beckenhinauf. Die Zerstörung war durch ein über 8 cm langesStück eines Gewehrlaufes bedingt, welches das Projektilin die Weichtheile bis in die Nates vor sich hergetriebenhatte. Im Johanniter-Lazareth zu Potsdam lag ein Mannmit einer Schussverletzung der rechten Hand; dieselbewar auffallend stark geschwollen und die Wunde zeigtedurchaus keine Neigung zur Heilung. Bei Gelegenheit, einestiefen Einschnitts fand man als Ursache die Hälfte einesSiegelringes. Das Reservelazareth Görlitz verpflegte einenVerwundeten, welcher in liegender Stellung einen Schussin die linke Hinterbacke erhalten hatte. Der Schusskanalerstreckte sich von hier aus den Rücken entlang bis indie Gegend der 9. oder 10. Rippe. Am Ende dieser 45 cmlangen Schusswunde fanden sich 3 Hosenknöpfe. Bei einemanderen Verwundeten mit einem Fleischschusse des Ober-schenkels wurden gleichfalls mehrere Hosenknöpfe, welcheder Mann in der Tasche getragen hatte, aus der Wundeentfernt; gleichwohl heilte der seit Monaten schon be-stehende Fistelgang nicht zu. Schliesslich wurde einbeweglicher Gegenstand, der zunächst für einen Knochen-splitter gehalten wurde, mit der Sonde gefühlt. Manspaltete nunmehr den Fistelgang und erkannte alsUrsache derfortdauernden Eiterung drei verunstaltete kupferne Münzen.In das Reservelazareth Wesel ward ein Mann mit einerSchussverletzung des Sprungbeins aufgenommen; der Knochenwar von einer Seite zur andern von einem Chassepot-projektil durchbohrt. Lange Zeit bestand schlechte Eiterung,als deren Quelle schliesslich ein markstückgrosses StückLeder, von der Stiefelkappe herrührend, erkannt wurde.Ein am 28. November 1870 verwundeter Füsilier vom7. Westfälischen Infanterie-Regiment No. 56 wurde nach