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3. Chirurgischer Theil A (1890) Die Verwundungen durch Kriegswaffen bei den Deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71 : Allgemeiner Theil
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I. Kapitel: Kriegschirurgische Anschauungen zur Zeit des Deutsch-Französischen Krieges u. s. w. Band III. Allgem. Theil.

Dein Bayerischen Hauptmann v. S. (V. Bd., 8. 242 No. 593)wurde der linke Unterschenkel, dem Musketier T. (V. Bd.,S. 387 No. 12) der linke Oberarm und das Ellen-bogengelenk durchmehrere" Mitrailleusenkugeln zer-schmettert. Bei Grenadier L. (Bd. V. S. 87 No. 27) trafendie Geschosse der Mitrailleuse die linke Hand und beideLungen, bei Hauptmann D. (Bd. III. S. 724 No. 4) dierechte Hinterbacke und die linke Mittelhand. Wenn auchdie geringe Zahl solcher Ueberlieferungen zunächst auf-fallen kann, so mögen viele Mitrailleusenschüsse dieser Artbei der Grösse und Durchschlagskraft der Geschosse soforttödtlich gewesen, daher nicht zu ärztlicher Beobachtunggelangt sein. In der That hat man auf dem Schlachtfeldemehrere Leichen, wie ein Sieb durchlöchert, vorgefunden.Will man aus der Zahl der herausgezogenen Mitrailleusen-geschosse, gegenüber derjenigen der künstlich entferntenChassepotgeschosse, einen Schluss auf die Häufigkeit derdurch das erstere Geschoss verursachten Wunden ziehen, sowar die Zahl derselben eine verhältnissmässig unbedeutende. 1 )Bei Weitem die meisten Lazarethe sprechen nur von Heraus-nahme der Chassepotgeschosse und erwähnen weder dieMitrailleusengeschosse, noch die durch sie veranlasstenWunden in irgend einer Weise. In Uebereinstimmung mitder angenommenen verhältnissmässigen Seltenheit der durchMitrailleusengeschoss Verletzten und in ärztliche BehandlungGekommenen steht auch der Umstand, dass in der kriegs-chirurgischen Sammlung des Friedrich Wilhelms-Institutssich nur ein einziges Knochenpräparat befindet 2 ), welchesnachweislich eine Verletzung durch Mitrailleusengeschossdarstellt.

Ebenfalls nur in einem einzigen Sektionsberichteder Kasuistik (Bd. HL, Spez. Th., S. 640 No. 3) wirddas im Körper aufgefundene Geschoss ohne VorbehaltalsMitrailleusenkugel" bezeichnet. Sie lag in der Bauch-höhle zwischen M. psoas und M. iliacus linkerseits dichtüber dem wagerechten Schambeinast und trug an der Spitzeeinen scharfkantigen Eindruck. Alles in Allem sind im

J ) Siehe Anhang zu diesem Abschnitt. Vergl. im Uebrigenbetreffs der Häufigkeit von Mitrailleusen-Verwundungen den Text desII. Bandes dieses Berichtes.

2 ) Siehe IV. Band dieses Berichtes, S. 98, Präparat X. A. 12.Vergl. ausserdem ebendaselbst S. 141 und 142, Präparate XIV. 28,40 und 41.

ganzen 111. und V. Bande dieses Berichtes 41 durchMitrailleusengeschosse Verwundete namhaft gemacht.')

Eine eingehendere Schilaerung einer Mitrailleusen-verletzung wurde aus dem Garnisonlazareth Breslau ge-liefert. Der Fall war folgender: In Breslau wurde zuwohlthätigem Zwecke eine Mitrailleuse öffentlich gezeigt.Zwei Handwerker des Artillerie-Begiments No. 6, S. und H.,standen 8 bis 10 Schritt vor der Mündung der Mitrailleuse,als sich ein Lauf derselben plötzlich entlud. Das Geschossdrang durch die Brust des S., zerschmetterte das linkeSchultergelenk des hinter ihm stehenden H. und blieb ineinem Ofen stecken. Die Eingangsöffnung bei S. befandsich 4 cm vom rechten Brustbeinrande entfernt, zwischen2. und 3. Rippe (über die Beschaffenheit dieser Oeffnungist nichts berichtet). S. war gleich zusammengestürzt, blutetestark aus der Wunde und bekam Krämpfe; 36 Stundenspäter starb er unter Erscheinungen von Athemnoth, nach-dem sich nach und nach die Brustfellhöhle mehr und mehrmit Blut gefüllt hatte. Der hinter ihm stehende H. be-kam gleichfalls sofort nach seiner Verwundung Krampf-anfälle. An seinem linken Schultergelenk fanden sich zweiWundöffnungen; die vordere Eingangsöffnung hatte dieGrösse einer Nuss, die hintere Ausgangsöffnung die eineskleinen Apfels. Die Weichtheile in der Umgebung derWunde zeigten starke Quetschungserscheinungen. Das Ge-lenk war weit geöffnet, der Oberarmkopf im chirurgischenHalse zerbrochen, zahllose Knochensplitter lagen in derHöhle. 48 Stunden nach der Verletzung wurde der Ober-armkopf sammt den Splittern entfernt, das zurückbleibendeBruchende geglättet. Zwei Stunden nach der Operation tratplötzlich sehr starke Blutung ein, die zwar auf Tamponadestand, in Folge deren aber der Verwundete noch in derfolgenden Nacht verschied. 2 )

s ) Nämlich ausser den oben Bezeichneten im Spez. Th. desIII. Bandes S. 55 No. 21, S. 91 No. 7, S. 524 No. 43, S. 584 No. 5,S. 724 No. 4, S. 867 No. 116, S. 1166 No. 142, S. 1177 No. 189u. S. 1188 No. 233; im V. Bande: S. 6 No. 44, S. 24 No. 57, S. 30No. 109, S. 39 No. 192, S. 48 No. 273, S. 69 No. 156, S. 166 No. 134,S. 184 No. 320, S. 195 No. 97, S. 229 No. 449, S. 244 No. 612,S. 246 No. 630, S. 251 No. 691, S. 309 No. 165, S. 310 No. 179,S. 313 No. 206, S. 322 No. 284, S. 331 No. 80, S. 342 No. 182,S. 409 No. 78, S. 419 No. 128 u. 130, S. 424 No. 156, S. 448 No. 1,S. 462 No. 88, S. 518 No. 2, S. 532 No. 31 u. S. 604 No. 13.

2 ) Weiteres über Mitrailleusen-Verletzungen siehe im Anhangezu diesem Abschnitt.