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3. Chirurgischer Theil A (1890) Die Verwundungen durch Kriegswaffen bei den Deutschen Heeren im Kriege gegen Frankreich 1870/71 : Allgemeiner Theil
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A.llgem. Theil. . g all d III. Alldem. Theil. I. Abschnitt: Ansichten und Beobachtungen über die Art der Geschosswirkung.

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Zerschellen des Chassepotgeschosses wurde begreif-licherweise am häufigsten beobachtet beim Auftreffen aufdie harten Gebilde des Körpers, die Knochen, weil diese derDurchschlagskraft des Geschosses den meisten Widerstandentgegensetzen. Die Theilung erfolgt dabei oft in zwei,meist ungleich grosse, zuweilen auch in unzählige Stücke.Seltener finden sich Beispiele von Zweitheilung des Ge-schosses, bedingt durch den Widerstand weicherer Gewebe,namentlich straffer Sehnen; Chenu hält es für eine be-sondere Eigenthümlichkeit des Chassepotprojektils, dassdasselbe auch durch Weichtheile zerschellen kann, wie eres vornehmlich beifaisceaux tendineux tres-epais" amVorderarm häufiger gesehen hat. Traf das Chassepot-geschoss auf Knochen von besonders festem Gefüge, sozerschellte die Kugel zuweilen in unzählbare Stücke, ohneden Knochen zu zerbrechen; nur ein Eindrücken derBinde fand sich als Wirkung des Geschosses auf denKnochen.

Eine nähere Beschreibung der Form der Kugel fehltim Speziellen Theil dieses Bandes fast durchgehends, ob-wohl sie häufig alsstark verunstaltet" bezeichnet ist. Zuden Beispielen für das Zerschellen von Projektilen gehören

x ) Siehe hierzu auch Spez. Th. dieses Bandes S. 135 (Aufsitzender Kugel auf dem Brustbein), 146 (Umfassen des Unterkiefers) u. a.

wohl zunächst alle oben aufgeführten Fälle, in denen manbei einer Eingangsöffnung zwei Ausgangsöffnungen fand.Bei dem Verwundeten H. (S. 1021 No. 47) zertheilte sichdie Kugel nach dem Auftreffen auf den Oberschenkelknochensogar in drei Stücke, deren eins gerade durchdrang, währenddie beiden anderen stecken blieben und erst später entferntwurden. Indessen kommt eine noch viel weiter gehendeTheilung vor. So hatte sich bei N. (Spez. Th. S. 1056 No. 222)das Geschoss, durch welches der linke Oberschenkelknochenmehrfach gebrochen war, in 20 bis 30 Bleistücke vonSandkorn- bis Groschengrösse gradezu aufgelöst, in Folgedessen man zu der vermuthlich verkehrten Ansicht ge-langte, als sei eine Ladung von gehacktem Blei oder einexplodirendes Geschoss die Ursache der schweren Knochen-verletzung.

Manche Berichte sprechen von einemZerstäuben derKugel", ein Ausdruck, der den Befund ganz zweckmässigbezeichnet, denn die Bleipartikelchen waren zuweilen soklein, dass sie nur mit der Loupe als schwarze Pünktchenerkannt werden konnten (Allerheiligen-Hospital zu Breslau).Die Mehrzahl der Berichterstatter, welche sich über eineDeutung dieser Erscheinungen aussprechen, führte dieselbenauf mechanische Zersplitterung des Geschosses zurück; anAbschmelzungen des weichen und durch Pulvergase, Beibungim Laufe und an der Luft oder durch Umsetzung derlebendigen Kraft in Wärme erhitzten Projektils dachtennur verschwindend Wenige. Erst nach dem Feldzugewar es letzterer Lehre vorbehalten, eine Zeit lang mehrund mehr Boden zu gewinnen, bis sie neuerdings ihreGeltung wieder verlor. 1 ) Ein wirkliches Verständniss der

') Schon Pirogof f hatte der Erhitzung der Geschosse eine grosseRolle zugeschrieben; er verglich die durch sie erzeugten Wunden mitdenen, die durch glühende Troicarts verursacht sind. Als man nachdem Deutsch -Französischen Kriege dieser Frage näher trat, wurdedie Erwärmung der Geschosse auf 100° bis 300° Celsius geschätzt,ganz abgesehen von der Umsetzung der lebendigen Kraft des Ge-schosses in Wärme beim Nichtüberwinden des Widerstandes. Er-wägt man, dass der Schmelzpunkt des Bleies bei 325° liegt, so lagnichts näher, als das Zersprühen des Chassepotprojektils durchSchmelzung des Bleies zu erklären. Versuche aber haben bewiesen,dass Schmelzungen des Bleies nur an der Spitze und nur dann statt-finden, wenn das Geschoss bei voller lebendiger Kraft, also bei denSchüssen aus nächster Nähe auf sehr harte Körper auftrifft. Keger(a. a. O.; siehe auch IV". Bd. dieses Berichtes, S. 17) hat die Theorieder Bleiabschmelzungen widerlegt, indem er die Temperatur derSpritzlinge" zu messen suchte. Er verwendete eine ausserordentlichweiche, elastische Masse: dieSeih' (ein Restbestand des aus demBrauereibetriebe verarbeiteten Malzes), Butter und langhaarige Fries-decken zum Auffangen des Projektils und seiner Spritzlinge. Derbis dahin zu diesen Versuchen benutzte Sand, Lehm, Werg oderdergl. ist ungeeignet, weil die feinen Unterschiede zwischen mecha-nischer Abreissung und Schmelzung durch dieses Material ganz ver-wischt werden. Reger fand einerseits, dass die vom Mutterkörperabfliegenden Spritzlinge alle die Form vongehacktem Blei' haben,aber deutlich die für Stauchung des Geschosses charakteristischeLamellirung des Bleies erkennen lassen, mithin keine Bleiab-schmelzungen sind, und andererseits, dass die Erwärmung dieserSpritzlinge keine grosse sein kann, da die mitgerissenen und zum

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