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I. Kapitel: Kriegschirurgische Anschauungen zur Zeit des Deutsch-Französischen Krieges u. s. w. Band III. Allgem. Theil. 1 gand HI
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der anderen am inneren unteren Rande des Bruches desdreiköpfigen Muskels. Im Falle 128 S. 870 lagen derEingangsöffnung des Geschosses hinten am Oberarm zweiAusgangsöffnungen vorn innen gegenüber. Umgekehrt wardas Lageverhältniss der drei Wunden bei dem Soldaten S.(S. 885 No. 199). Ziemlich weit auseinander fanden sichdie beiden Ausgangswunden des Oberarms im Falle 276S. 901. Es erübrigt, hervorzuheben, dass auch unter solchenUmständen die Wirkungen der hydraulischen Pressung sichgeltend machen, wie beispielsweise bei Lieutenant H.(S. 945 No. 141) die zweifachen Oeffnungen des Kugel-ausgangs „thalergross" waren und „zerrissene Bänder" hatten.
Die Kleinheit des Geschosses brachte es mit sich,dass dasselbe sich durch den Zwischenknochenraum desVorderarms einen Weg bahnen konnte, ohne einen derbetreffenden Knochen zu verletzen. Das EtappenlazarethNanteuil le Haudouin berichtet über einen, das Reserve-lazareth Jägerkaserne Potsdam über zwei solcher Fälle;bei allen drei Verwundeten wurde die Diagnose durch dieSektion bestätigt. Eine ganze Reihe von anderen Lazarethenverzeichnete gleichfalls solche Beobachtungen 1 ); aber dieVerwundeten genasen, so dass bei ihnen etwaige Knochen-quetschungen, geringe Einknickungen und ähnliche ober-flächliche Verletzungen der Knochen nicht mit Sicherheitauszuschliessen waren, da diese sich der Diagnose zu leichtentziehen. Ebenso finden sich im Spez. Th. dieses Bandesauf S. 1122 Beispiele für das auch von Chenu beobachteteDurchdi'ingen des Zwischenknochenraumes ohne Verletzungder Knochen am Unterschenkel. Die Kleinheit des Ge-schosses ermöglichte sogar das Vorkommen von Kniegelenk-schüssen ohne gleichzeitige Knochenverletzung. SolcheVorkommnisse sind mehrfach im Feldzuge diagnostizirt undin den meisten Fällen zur Heilung gelangt. 2 ) In der kriegs-chirurgischen Sammlung des Friedrich-Wilhelms-Institutsbefindet sich ein Kniegelenk, in welches das Chassepot-geschoss eindrang und innerhalb der Kapsel liegend ge-funden wurde, ohne dass die Knochen im Geringsten ver-letzt waren. (Vergl. IV. Band dieses Berichtes, S. 118,Präparat XL A. 11.) Bei einem zweiten Präparat, inwelchem das Geschoss das Kniegelenk durchbohrt hatte,zeigt nur der Knorpelüberzug des innern Knochens eineleichte Beschädigung (ebendaselbst, XL A. 25); in einemdritten ist nur leichte Streifung des Randes der Fossaintercondyloidea postei'ior und der Kniescheibe sichtbar(ebendaselbst, XL A. 26. Vergl. ausserdem IV. BandS. 121, Präparate XL A. 32 und 33).
Hierher gehört auch das Durchschlüpfen von Kugelnzwischen Knochen und Achillessehne (Spez. Th. S. 1122),zwischen zwei Mittelfussknochen (ebds. S. 1122), zwischenSpeise- und Luftröhre (ebds. S. 348), neben grossen Gefäss-und Nervenstämmen (ebds.).
i) Siehe Spez. Th. S. 911.
2 ) Näheres hierzu siehe im Spez. Th. S. 764 bis 766.
Eine ganze Reihe von Beispielen eigenthümlicher unddiagnostisch wichtiger Schusskanäle am Kopf, bei welchenwiederum die Kleinheit des Geschosses das Eindringenoder Ausdringen durch eine der natürlichen Oeffnungenmöglich machte, sind im Spez. Th. dieses Bandes (S. 25bis 28) zusammengestellt. Hier sei nur hinzugefügt, dassauch Chenu eine derartige A T erwundung bei einem Fran-zösischen Offizier sah: Ein Preussisches Langblei drangin ein Nasenloch ein (une balle qui a ete en quelquesorte reniflee), trat durch die Choane in die Mundhöhleund kam zum Munde wieder heraus, ohne etwas Anderesals oberflächliche Schleimhautverletzungen verursacht zuhaben.
C. Verunstaltung der Geschosse.
Die Verunstaltungen des Chassepotprojektils warenausserordentlich mannigfach und theilweise von solcher Art,dass es unmöglich gewesen wäre, aus den aufgefundenenBleistücken zu schliessen, von welcher Geschossform sieherrührten. „Das Blei der Chassepotprojektile fasert selbstbeim einfachen Durchdringen der Weichtheile erheblichaus", berichtet das 7. Feldlazareth VIII. Armeekorps,„beim Ausschneiden wurde niemals eins gefunden, welchesdie ursprüngliche Form des Geschosses wiedererkennen liess."Der Chefarzt des Reservelazareths Reichenbach i. Schi,schreibt: „Was die Beschaffenheit der aus der Wunde ent-fernten Geschosse anbelangt, so ist mir aufgefallen, dassdieselben, sobald sie stärkere Knochen fassen, meistin viele Theile zerstoben sind, selbst wenn das grössereStück des Projektils sich durch die Weichtheile eineAusgangsöffnung gerissen hatte. Nach meiner Ansichtwird dies, da das zu jenen Geschossen verwendeteBlei von guter Beschaffenheit und durchaus biegsamist, nur durch Gussfehler erklärt, welche sich in einerbeträchtlichen Zahl derselben finden. Ich habe 21 ausPatronen entnommene Chassepotprojektile gewogen undihr Gesammtgewicht mit 523 Gramm ermittelt; esbeträgt mithin das Durchschnittsgewicht jedes einzelnenGeschosses annähernd 25 Gramm. Beim einzelnen Wiegenjedoch zeigten diese Schwere nur 6 Geschosse, indessebenfalls mit kleinen Gewichtsschwankungen, 5 wogenetwas mehr, 10 etwas weniger, als das Durchschnittsgewichtbetrug; der grösste Ueberschuss betrug '/* Gramm, dergrösste Fehlbetrag l 3 /* Gramm. Den physikalischen Gesetzenentsprechend müsste der Schwerpunkt der Chassepot-projektile, da sie abgestumpfte Kegel bilden und in ihrerForm wenig von der cylindro-ogivalen abweichen, demhinteren Dritttheil näher liegen als der Mitte, und dochhabe ich bei einigen derselben den Schwerpunkt fast genauin der Mitte gefunden, woraus, wie ich glaube, geschlossenwerden darf, dass die Gussfehler zumeist in der Nähe derBasis liegen, und in der That habe ich mich — in denallerdings nicht gerade zahlreichen Fällen, die sich mir zur
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