1054 Vierter Abschnitt. Die Dichtung
rück. Dieser ganze Vorgang wiederholt sich beim Könige von Frankreich 1nur daß dieser Geschenke und schließlich vom Antichrist einen Kuß erhältAls aber der gleiche Versuch beim König der Deutschen angewendet wirdderen Tapferkeit der Antichrist rühmt, erfahren des Antichrists Boten dieschärfste Abweisung, worüber sie ihrem Herrn Bericht erstatten. 2 Da be-schließt dieser Gewalt anzuwenden, schickt seine Boten an die unterworfenenKönige, um sie gegen Deutschland aufzubieten, und befiehlt den Königen per-sönlich, gegen Germanien zu ziehen. Doch als es zum Kampfe kommt, blei-ben die Deutschen Sieger. Da greift der Antichrist zum äußersten Mittel: 3um den Glauben zu erwecken, daß er Christus sei, heilt er zwei Krankeund erweckt einen im Kampfe Gefallenen, der scheinbar tot ist. Dadurchläßt sich auch der deutsche König fangen, er huldigt dem Antichrist undübergibt ihm seine Krone, die er von diesem zurückerhält, nachdem er mitden Seinen das Zeichen auf der Stirn empfangen hat. Darauf gibt ihm derAntichrist das Schwert, um damit gegen die Heiden zu ziehen, und derKönig schickt einen Gesandten an den Herrscher von Babylon mit der Auf-forderung, vom Götzendienst abzustehen. Das wird verweigert, es kommtzum Kampfe und der König von Babylon wird geschlagen und gefangenvor den Antichrist geführt, wo er in gleicher Weise huldigt wie die andernKönige und das Zeichen auf der Stirn empfängt.
Darauf schickt der Antichrist Gesandte an die Synagoge, um den Judenzu verkünden, daß er als der Messias gekommen sei. Die Gesandten entledi-gen sich ihres Auftrags, indem sie geschickt an alttestamentliche Verhält-nisse anknüpfen, und die Juden lassen sich fangen und begrüßen den Anti-christ als Emmanuel, worauf dieser ihnen das Land der Verheißung gibt.Da erscheinen die Propheten und weisen auf ihre frühere VerkündigungChristi, auf die Starrheit der Juden und auf Christi Herrschaft hin. Auf dieFrage der Synagoge, wo Enoch und Elias seien, kommen diese auf die Szene,sprechen vom wahren Messias und erklären den Antichrist als den falschen.Dem schließt sich die Synagoge an, indem sie dem christlichen Glauben zu-neigt, und die Heuchler, die Diener des Antichrist, setzen ihren Herrn hiervonin Kenntnis, worauf dieser die Propheten und die Synagoge vor seinen Rich-terstuhl fordert. Hier gibt er sich ihnen als der wahre Messias zu erkennen,aber die Propheten sagen ihm die Wahrheit ins Gesicht und bezeichnen ihnals Lügner und Antichrist. Darauf befiehlt er seinen Dienern blutige Rache zunehmen, und die Mitglieder der Synagoge sterben nun als Märtyrer. Schließlichberuft der Antichrist, der nunmehr auf der Höhe seines Ruhmes angelangtist, durch seine Diener sämtliche Könige mit ihren Mannen zur Huldigung.Sie erscheinen alle, und er hält eine ruhmredige Ansprache an sie; da ertöntplötzlich über seinem Haupte ein lauter Donner und er bricht tot zusam-men, während seine Diener alle eilig davonfliehen. Nun erschallt Gesangaus den Reihen der Kirche und unter dem Liede „Lobsinget unsermGott"kehren alle Abtrünnigen zum wahren Glauben zurück.
Das Drama besteht aus 414 rhythmischen Versen und einer großen Zahl
1 223 p. 30 Horum (d. i der französischen 2 Hier 250 (wie 265) Juror teolonicus.Vasallen) subtilitas nobis elaboravit, tro- 3 275 p. 33 Signa semper querunt rüdesnum conscendere. et infideles.