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3 (1931) Vom Ausbruch des Kirchenstreites bis zum Ende des zwölften Jahrhunderts
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G. Weltliches und geistliches Drama 1043

hunderts hat aber dem Osterspiel noch eine weitere Szene hinzugefügt,nämlich die Wächterszene, die sich nur auf Matth. 27, 66 gründet undsich wieder in drei Teile gliedert, nämlich die Aufstellung der Wächter,die Erscheinung des Engels in der Osternacht und die Bestechung derWächter.

Jünger aber als der Ostertropus ist der Weihnachtstropus. Nach jenemals dem Tropus zum Introitus der Ostermesse ist der Introitus zu andernMessen tropiert worden, und von allen diesen Tropen steht in engster Be-ziehung zum Ostertropus der Weihnachtstropus. Er wurde zum szenischdargestellten Dialog, als er ans Ende der Weihnachtsmatutin übertragen unddort nach demTedeum als Officium pastorum begangen wurde. Das sepulcrumdes Ostertropus ändert sich ins praesepe, die christicolae in pastores, IesumNazarenum crucifixum in Salvatorem Christum Dominum und Non est hiein Adest hie. So wurde die Krippenszene der Grabszene nachgebildet. DasZeugnis für die Existenz des Offiziums gibt, allerdings erst in späterer Zeit derAbt von St.Blasien Gerbert; 1 von ihm wird auf die Dreiteilung des Weih-nachtsspiels hingewiesen, während Bischof Johann von Rouen (f 1079) alserster und einziger mittelalterlicher Zeitgenosse das Magierspiel erwähnt. 2Nämlich dem Weihnachtsfest dient das Hirtenspiel (25. Dezember), dem28. Dezember das Spiel der Unschuldigen Kindlein (Rachelspiel), dem Epi-phaniasfest am 6. Januar das Magierspiel (Herodesspiel). Das Weihnachtsspielstammt aus Frankreich und ist nach Deutschland übergesiedelt. Daher findetsich in Deutschland keine Urform, kein reines Hirtenspiel, wie das von Rouen,kein reines Magieroffizium wie das von Besancon oder Limoges. AberSt. Gallen ist der Ausgangspunkt der Tropen, die von Frankreich entlehntund ungefähr auf dem Boden des alten Neustriens zum liturgischen Dramaverarbeitet werden. 3 Von dort kommt es nach Deutschland, wo es zurGrundlage des Weihnachtsspiels wird.

Das Hirtenspiel ist in seiner frühesten Fassung 4 sehr einfach und wirdnur aus der Verkündigung durch den Engel und durch die stumme Krippen-szene der Hirten gebildet. Die früheste Erweiterung geschah durch die Anti-phon Quem vidistis und die zweite, durch die die stumme Krippenszenelebendig gemacht wurde, durch den Tropus Quem quaeritis, der vom Oster-spiel genommen wurde. Doch das Hirtenspiel hatte seine Rolle bald ausge-spielt, da es vom Magierspiel aufgesaugt wurde.

Die Grundlage des reinen Magierspiels ist das Officium stellae, das sichin dreigliedriger Parallelität mit dem älteren Hirtenspiel aus der Stern-szene, der Oblationsszene und der Antiphon Puer natus est zusammen-setzt. Bald wird die Krippenszene des Hirtenspiels zur Krippenszene desMagierspiels und vor die Oblationsszene gestellt; dadurch entstand aus

im lateinisch-liturgischen ... Drama (Göt- ecclesiasticis p. 38 (Rotomagi 1679).

tingen 1915) S. 1125; daselbst S. 13 und 3 Martin Böhme, Das latein. Weih-

2529 über das Osterspiel von Tours, nachtsspiel (Leipzig 1916) S. 23 f.

S. 2948 über die Mercatorszene in 4 Zu ersehen aus Martene, De antiquis

Deutschland und S. 4995 in Frankreich. Ecclesiae ritibus libri quatuor (Rotomagi

1 Gerbert, Vetus liturgia Alemannica, 17001707) 4, 87. Die Folge der SpieleDisquis. IX cap. I, III (St. Blasien 1776). ist nach M.Böhme a.a.O. S. 25120

2 Iohannis Avrincensis Liber de offieiis gegeben.