1040 Vierter Abschnitt. Die Dichtung
geht darauf ein, hat aber nur Bedenken darüber, ob Polla nicht eine böseZunge besitze und stets das Gegenteil von dem wolle, was der Mannwünsche. Fulco beschwichtigt aber seine Unruhe und läßt Polla ihmgegenüber in mildem Lichte erscheinen und rät ihm, falls sie eine böse Zunsezeige, sie mit Schlägen zu bezwingen. Paulin fragt dann nach ihrer Her-kunft, wobei er eine äußerst erregte Rede gegen den bäuerlichen Standhält. 1 Doch Fulco macht ihn darauf aufmerksam, daß der Adel des Men-schen nicht dem Körper, sondern dem Geiste entspringe, 2 und rät ihm zurEhe. Paulinus ist nun entschlossen und begibt sich endlich, als es schonNacht geworden war, unter Begleitung Fulcos nach Hause. Als Fulco zu-rückkehrt, fallen ihn wütende Hunde an, die er vergebens mit Steinen zuverjagen sucht. Er fällt in der Finsternis in eine Grube, deren Boden tiefmit Schmutz bedeckt ist, und hier muß er die ganze Nacht, umstellt undumbellt von Hunden, ausharren. Dabei überlegt er, daß er doch durchdas Stiften einer Ehe keine Sünde begangen habe, kommt aber zu derErkenntnis, daß diese Ehe nicht eingegangen werden soll, um Kinder zuerzeugen, sondern der Liebe wegen. 3 Am Morgen versammelt sich nun dieganze Nachbarschaft um die Grube, in der Meinung, es habe sich ein Wolfgefangen. Tausend Steine fliegen in die Grube, bis es Fulco gelingt, sichverständlich zu machen, und man ihn mit einem Strick herausziehen will.Der Strick reißt aber und Fulco fällt in den Schlamm zurück. Aber alsman ihn glücklich emporgezogen hat, kommt ein Bauer und sagt, derMensch gehöre zu den Räubern, die in der letzten Nacht in sein Hauseingebrochen waren, und auf der Flucht sei er in die Grube gefallen, manmüsse ihn sofort vor den Richter stellen. So zieht man vor den Richter,und der Bauer beschuldigt Fulco des Raubes; vor den Hunden flüchtendsei er in die Grube gestürzt. Der Richter verurteilt ihn auch zum Tode,aber Fulco legt Berufung beim Herzog Raynald ein. Auf dem Wege zuihm gelobt er, die Ehe des Paulinus und der Polla zustande zu bringen,wenn er freigesprochen würde und Raynald mit der Ehe einverstanden sei.Das geschieht denn auch, und alsbald heiratet Polla den Paulinus.
Man sieht, daß diese Ehekomödie von 699 Distichen lang genug aus-gedehnt ist, langweilig wirkt sie aber infolge der vielen hier ausgelas-senen moralischen und didaktischen Ergüsse, in die die Reden der beteilig-ten Personen fast stets auslaufen. Die Sprache des Gedichts ist im allge-meinen klar, ungemein bevorzugt wird die gnomische Ausdrucksweise:Das Gedicht ist überreich an Gemeinplätzen, Sinnsprüchen und sprich-wörtlichen Redensarten. Dagegen tritt die Benutzung älterer Poesie starkzurück, mir ist nur das aufgefallen, was ich in den Noten gegeben habe.
Ueberlieferung im Paris. 8409A, 8498L 29—67, Suppl. lat. 264; Mus. Brit. Harl.6298; Monac. 418 s.XV f. 69. 4 Benutzung durch Jeremias de Montagnone und Johannesde Grapanis, s. die Noten der Ausgabe von Dumeril. Ausgaben von Dumeril, Poesiesinedites p. 374—416 und von Rocco Briscese, Melfi 1903. Vgl. Cloetta 1, 95 f. und157 ff. Peiper, Arch. f. Litgesch. 5,540. Faral p. 379 adn. Cloetta, Comoediae ele-giacae p. 7 f. Vgl. W. Creizenach, Gesch. des neueren Dramas 2 1, 35.
1 Vs. 929 Deterius nihil est toto quam ru- 2 Vs. 974 Ex animo potius nobilitatur homo.
sticus orbe. 939 Ad lacrymas flecti non novit 3 Vs. 1049f. aus Maximian El. 1, Mol.
rusticus unquam. 953 Esse reus mortis de- 4 Vgl. außerdem Peiper, Arch. f. Litgescn.
beret quisquis honorat Villanum. 5, 540**.